IM Germany: Timo Bracht gewinnt mit Streckenrekord
René Penno für tri2b.com am 01.07.2007 - 16:44 Uhr
Es kam nicht zum großen Duell: Nicht Normann Stadler oder Faris Al-Sultan, sondern Timo Bracht hat die Ironman European Championship in Frankfurt mit neuen Streckenrekord (8:09:15) gewonnen und ist neuer Europameister. Der Eberbacher verwies Michael Göhner und den Dritten des Vorjahres, Frank Vytrisal, auf die nächsten Plätze. Den Sieg bei den Frauen holte sich nach einem langen Kopf an Kopf-Rennen Nicole Leder, die Andrea Brede auf den letzten 100 Metern erst im Sprint hinter sich lassen konnte.
Diesmal kam keiner mehr von hinten und schnappte Timo Bracht den Sieg noch vor der Nase weg. „Ich habe mir gedacht, sobald ein negativer Gedanke aufkommt, pack ihn und werf ihn in den Main“, sagte der neue Europameister und blickte zurück: „Ich habe aus den letzten Jahren gelernt und versucht, mir keinen Druck aufzubauen und immer locker zu bleiben.“ Das hat der Zweite des Vorjahres schließlich perfekt umgesetzt und sein gesundes Selbstbewusstsein unter Beweis gestellt. Er gehöre genauso mit zum Favoritenkreis und man solle ihn keineswegs außer Acht lassen, hatte Bracht im Vorfeld des Frankfurter Ironman gesagt und angekündigt, dass er sich nicht hinter Stadler und Al-Sultan verstecken will.
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“… einen Tick besser“
Nachdem er sich am Rad lange in der Verfolgergruppe, die erst Jan Raphael jagte, und zum Schluss Frank Vytrisal, aufhielt, pirschte sich Bracht auf der Laufstrecke schnell an Vytrisal heran und übernahm nach acht Kilometern die Spitze. Und die gab er diesmal nicht mehr ab. Obwohl Michael Göhner zwischenzeitlich mächtig Druck machte und den Abstand verkürzte. Aber näher als 1:40 Minute kam der Reutlinger nicht heran und musste bald einsehen, dass gegen Timo Bracht kein Kraut gewachsen war. Für den war der 25. Kilometer der Knackpunkt. „Da konnte ich noch einmal ein bisschen forcieren“, sagte Bracht und legte noch einmal zu. Damit hatte er der Konkurrenz wohl endgültig den Zahn gezogen.
Sein einziger Verfolger war zu diesem Zeitpunkt Michael Göhner, der mit 8:11:50 Stunden ebenfalls noch unter der Bestzeit von Stefan Holzner blieb. „Ich habe versucht, noch mehr Druck zu machen. Am Ende aber war ich schließlich froh, dass ich überhaupt im Ziel war“, sagte Göhner, der unmittelbar hinter der Ziellinie erschöpft zusammenbrach. „Aber dieser zweite Platz ist wie ein Sieg für mich. Timo war eben einen Tick besser“, erkannte er, der sich in allen Diszplinen weiter verbessert hat, die Leistung seines Konkurrenten neidlos an und konnte seinerseits Frank Vytrisal in Schach halten. Der Darmstädter ging nach rund 165 Radkilometern in die Offensive und setzte sich aus der prominent besetzten Spitzengruppe ab. „Ich war ein wenig überrascht, dass von den anderen nichts kam. Normalerweise fährt Normann wie ein D-Zug an mir vorbei, aber da kam nix. Und letztendlich war ich froh, auch mal deutlich in Führung zu liegen“, beschrieb Vytrisal seine letzten Radkilometer. 2:38 Minuten nahm er mit auf die Laufstrecke, die, wie sich bald herausstellte, viel zu wenig waren. Timo Bracht hatte schnell Boden gut gemacht und ihn schon nach acht Kilometern eingeholt. Nur noch Michael Göhner konnte den 40-jährigen Studienrat überholen, der damit sein Ergebnis aus dem vergangenen Jahr wiederholte.
Kein Duell der Weltmeister
Während Timo Bracht „mal 42 Kilometer laufen ging“, lief es bei Faris Al-Sultan überhaupt nicht rund. „Ich weiß nicht, woran es lag. Aber es lief schon beim Schwimmen nicht richtig und das Radfahren war eine Katastrophe“, war der Münchener enttäuscht und so ganz und gar nicht zufrieden. Nach dem Schwimmen, das er in der Spitzengruppe beendete, musste er ziemlich schnell Jan Raphael ziehen lassen. „Dann war ich froh, dass die Gruppe da war“, war Al-Sultan für die Verstärkung in der Verfolgungsarbeit dankbar. Doch auch das nützte ihm nichts. Spätestens beim Laufen musste er einsehen, dass es nichts wird mit einem Erfolg in Frankfurt. „Ich bin zwar einigermaßen flott losgelaufen, aber dann habe ich einfach keinen Rhythmus gefunden. Jetzt muss ich das alles erstmal auswerten, um zu wissen, woran es gelegen hat“, bilanzierte Al-Sultan.
Normann Stadler dagegen hatte sein Pech wieder einmal eingeholt. Im vergangenen Jahr bremsten ihn zwei Radstürze aus, mit starken Schmerzen finishte er damals noch als Elfter. In diesem Jahr nun kam der Mannheimer gar nicht ins Ziel. Nach 150 Kilometern war das Rennen für den Sieger von 2005 vorbei, mit starken Rückenschmerzen fuhr er kurz vor Friedberg rechts ran. Schon Kilometer lang schien sich Stadler zu quälen und zeigte keinerlei Ambitionen, sich an die Spitze der Verfolgergruppe zu setzen und das Rennen mitzubestimmen. „Die Schmerzen fingen schon beim Schwimmen an“, sagte Normann Stadler im Hessischen Rundfunk. „Es wurde nachher immer schlimmer, die Schmerzen strahlten bis in die Beine aus und ich konnte keinen richtigen Druck mehr machen. Ich konnte mich einfach nicht mehr auf den Aerolenker legen.“ Damit war auch erklärt, weshalb er nur scheinbar entspannt, die Hände am Oberlenker, am Ende der Verfolgergruppe fuhr. „Klar, das ist ein bitterer Moment. Aber so ist der Sport“, so Stadler weiter.
So musste er von hinten mit ansehen, wie vorn Jan Raphael einsam seine Kreise zog und den Vorsprung bis auf fünf Minuten ausbauen konnte und damit das Rennen schnell machte. Im letzten Drittel aber schwanden dessen Kräfte zusehends. Nach 165 Kilometern war es soweit und er wurde von den Verfolgern geschluckt. Im abschließenden Marathon aber mobilisierte er noch einmal alle Reserven und wurde schließlich noch Vierter.
Dramatik bei den Frauen
Das Rennen der Frauen wird in die Geschichte eingehen. Einen Zielsprint um den Sieg gab es in Frankfurt bisher noch nie. Seit Kilometer neun des Marathons liefen Andrea Brede und Nicole Leder Schulter an Schulter und gaben keinen Zentimeter preis. Die Attacken, die beide vor allem auf den letzten Kilometern versuchten zu setzen, schlugen fehl. Und als dann Andrea Brede im Zielkanal endgültig den Sprint anzog und bereits wie die Siegerin aussah, kam Nicole Leder doch noch einmal heran und quetschte sich 100 Meter vor dem Ziel noch an der Kölnerin vorbei. „Ich habe mich ein bisschen verschätzt. Ich bin viel zu früh los gesprintet und dachte, da wäre schon Schluss“, gestand die Vorjahressiegerin und fügte an, dass ihr wohl doch noch einiges an Erfahrung fehlt. „Aber das war heute mein härtestes Rennen überhaupt. Wir sind fast gemeinsam vom Rad gestiegen, und als Nicole dann zu mir aufgeschlossen hat, wurde ich sie nicht mehr los“, sagte Brede, die sich schließlich um fünf Sekunden geschlagen geben musste, weiter.
"Das ist Wahnsinn", strahlte die Siegerin im Ziel. "Als es auf die Laufstrecke ging, dachte ich, das gibts ja nichts: Andrea schon so weit weg. Das hat eine Menge Kraft gekostet, da erst wieder hin zu laufen", berichtete die Siegerin. "Beiß auf die Zähne, dachte ich mir, entweder es klappt oder nicht." Dabei hatte sie noch kurz zuvor um ihren Start bangen müssen. Das letzte Lauftraining am Donnerstag brach Nicole Leder wegen plötzlicher Schmerzen im Fuß bereits nach zehn Minuten wieder ab. "Ich wusste am Freitag noch nicht, ob ich überhaupt starten kann", so Nicole Leder, die auf der Radstrecke erneut geschockt wurde: Auf einer Kopfsteinpflasterpassage löste sich der Lenker. "Ich musste erstmal anhalten und die Schraube wieder nachziehen." Danach lief es planmäßig für die 35-Jährige. "Ich denke mit dem spannenden Rennen haben wir für das ausgebliebene Duell bei den Männern entschädigt", war sich die neue Europameisterin sicher.
Aber nicht nur auf der Laufstrecke ging es eng zu. Schon auf dem Rad bestimmten vier Frauen das Rennen. Lange hatte Nina Eggert in Führung gelegen. Nach 90 Kilometern aber musste sie die an Wenke Kujala abgeben, die sich wiederum von da an mit Andrea Brede auseinander setzen musste. Kujala wechselte auch noch mit rund einer halben Minute Vorsprung auf die Laufstrecke, nach knapp vier Kilometern aber lief zunächst Andrea Brede vorbei, kurz darauf auch Nicole Leder. Wenke Kujala gab schließlich während des Marathons das Rennen auf.
Hinter dem Spitzenduo verteidigte Nina Eggert mit einer persönlichen Bestzeit von 9:12:18 Stunden Rang drei. „Mir war klar, dass ich gegen die beiden keine Chance haben werde. Aber ich hab das dann einfach nur noch genossen“, sagte Eggert, die somit ein Dauergast auf dem Podium in Frankfurt bleibt.