
Jan Sibbersen

Highway 19

Nina Kraft

Jürgen Zäck

Peter Reid
IRONMAN HAWAII 2003: Ein rekordverdächtiges Rennen in Kona
W.Dittrich für tri2b.com am 26.10.2003 - 13:11 Uhr
Das war also Kona 2003 – was für ein rekordverdächtiges Rennen in vielerlei Beziehung! Ein riesiges Startfeld mit allen, die auf der Distanz Rang und Namen haben. Ideale Bedingungen für schnelle Zeiten, tolle Attacken, vor allem von deutschen Athleten und ein so spannendes Finale bei den Frauen wie nie zuvor. Da wollten Renndirektion und Kampfrichter wohl nicht nachstehen.
Die Wetterbedingungen waren für Hawaii-Verhältnisse fast perfekt, schon beim Schwimmen: kaum Wellen und eine perfekte Wassertemperatur. Der auf Big Island immer gefürchtete Wind auf dem Rad war kaum der Rede wert und es war fast den ganzen Tag leicht bewölkt. Die Temperaturen bleiben in diesem Jahr im erträglichen Rahmen.
Tatsächlich waren die Schwimmzeiten deutlich besser als im letzten Jahr – schade, dass Jan Sibbersen um lächerliche acht oder neun am alten Rekord vorbei geschwommen ist. Aber er war trotzdem klar als erster aus dem Wasser und konnte seine Führung fast eine Stunde auf dem Rad verteidigen.
Bei den Frauen waren Nina Kraft und Nina Fischer nach dem Schwimmen ganz nahe bei der ersten Frau, Monika Caplan. Nina brauchte auch kaum länger als eine Stunde, um auf dem Rad die Führung zu übernehmen. Doch der Radpart war nicht so erfreulich für Nina: Obwohl sie eine Spitzenleistung bot und mit einigen Minuten Vorsprung als Erste vom Rad stieg, kam sie nur als Zweite aus der Wechselzone, da sie eine dreiminütige Zeitstrafe absitzen musste. Aber sie nutze die „Zwangspause“ zur Erholung, machte die verlorene Zeit auf den ersten zehn Laufkilometern wieder gut und führte erneut.
An diesem Punkt hatte allerdings die spätere Siegerin Lori Bowden schon fast vier Minuten aufgeholt und war drauf und dran, Nina einzuholen. Für mich steht fest: Ohne die Zeitstrafe hätte Nina dieses Jahr die beste Chance gehabt, zu gewinnen. Eine Kampfrichterentscheidung hat das vereitelt – auf der Grundlage einer sehr umstrittenen, neuen Drafting-Regel. Fast alle Athleten waren sich einig das die neue Regel das Draftingproblem eher verschärft als verbessert.
Bei den Männern war Norman Stadler der Leidtragende. Er führte auf den letzten 100 Kilometern auf dem Rad, und musste hinnehmen, dass sich etwa drei bis vier Minuten hinter ihm eine Gruppe von fast 15 Athleten befand, die damit über fast 150 Kilometer unbehelligt „funktionierte“. Dabei waren tatsächlich alle Athleten, die am Ende unter die ersten Zehn kommen sollten.
Auch hier spielten wieder die Kampfrichter und die neuen Draftingregeln eine mit entscheidene Rolle. Normann Stadler musste also bezahlen, trotzdem schaffte er mit seinem vierten Platz eine hervorragende Platzierung. Positiv wirkte sich die Regel für Jürgen Zäck aus. Er behielt diesmal auf dem Rad die Ruhe und blieb – ganz regelkonform – in der Gruppe sitzen. Dafür hatte er einen für seine bisherigen Hawaii-Erfahrungen fantastischen Lauf. Es war das beste Rennen, das ich von Jürgen je auf Hawaii gesehen habe. Doch auch er war von der Regel alles andere als begeistert und meinte nur, die neue Draftingregel mache das Windschattenfahren eher schlimmer.
Der diesjährige Ironman bot wieder alle Höhen und Tiefen: Faris al Sultan und Luke Bell, zwei junge Athleten mit den hervorragenden fünf und sieben gehören getrost zur ersten Kategorie, der sportliche Auftritt der Familie Leder eher zur zweiten: Lothar und Nicole waren mit dem Tag sicher nicht zufrieden, aber noch schlechter ging es Tim Deboom und Luc van Lierde, zwei ehemaligen Ironman-Siegern, die beide aufgeben mussten.
Das ist es eben, was Hawaii ausmacht: Das Rennen ist nicht berechenbar, für jedes Szenario auf das sich die Athleten einstellen, wartet das Rennen mit hundert neuen.
Bis auf ein Neues also. Ich hoffe wir treffen uns wieder in Kona 2004.
Wolfgang
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