
Flüchtiger Al-Sultan
Hawaii Yesterday: Treibjagd über glühenden Asphalt
H. Eggebrecht für tri2b.com am 13.10.2004 - 18:00 Uhr
Der IRONMAN Hawaii lebt auch von seinen Dramen um Jäger und Gejagte. Immer wieder haben in der Vergangenheit Athleten die Flucht nach vorn angetreten, sei es, um das Rennen vielleicht zu gewinnen oder, um wenigstens für kurze Zeit im Blickpunkt der Öffentlichkeit zu stehen.
Zum Beispiel im Jahr 1989. Jenes Rennen ging in die IRONMAN-Geschichte ein als "The battle of Kona" oder auch "Iron War" – ein achtstündiges Duell zwischen dem bis dato dominierenden Dave Scott und seinem Herausforderer Mark Allen, der an diesem Oktobertag endlich das Zepter auf Big Island übernehmen sollte.
Dittrich auf der Flucht
Dem gleichen Rennen drückte aber zunächst über mehr als sechs Stunden ein deutscher Athlet den Stempel auf. Der Neusser Wolfgang Dittrich legte in 48:13 Minuten die beste Schwimmzeit in der Bucht von Kona vor und konnte seinen Vorsprung über die 180 Kilometer lange Radstrecke sogar noch ausbauen. Erst bei Laufkilometer zehn musste Dittrich das Duo Scott und Allen an sich vorbeiziehen lassen. Am Ende wurde er Zehnter.
Leuchtstab für den frühen Leader
Im Jahr 1995 war es dann der Amerikaner Lars Jorgensen, der im aufgewühlten Pazifik sein Heil in der Flucht suchte und in 46:44 Minuten einen neuen Schwimmrekord aufstellte. Sein Glanz verblasste allerdings schnell, denn schon bald wurde Jorgensen von der Gruppe der Rennfavoriten um Mark Allen geschluckt und verschwand alsbald im Heer der Namenlosen. Erst nach 12:06 Stunden endete der Arbeitstag von Jorgensen in tiefster Dunkelheit – mit einem Leuchtstab bewaffnet – auf Rang 746.
Germans on Top
Im vergangenen Jahr waren es wieder einmal zwei deutsche Athleten, die das Rennen beim Schwimmen und Radfahren bestimmten. Zuerst versuchte der Coburger Jan Sibbersen mit aller Macht, Jorgensens bei dessen zweiter Hawaii-Teilnahme 1998 aufgestellten Schwimmrekord (46:41 Min.) zu knacken. Allerdings vergeblich, denn am Ende fehlten ihm schmale neun Sekunden für die Aufnahme in die Rekordlisten. Dann folgte der Aufritt des Münchners Faris Al-Sultan, der auf dem Queen Kaahumanu Highway von Sibbersen die Führung übernahm, und dessen Alleingang ein breites Erstaunen hervorrief. „Who´s that guy“, fragte der ratlose Sprecher im Ziel am Alii Drive. Aber auch Al-Sultans Flucht sollte, wie so oft in der Geschichte des IRONMAN Hawaii, nicht zum Erfolg führen. Dennoch sprang am Ende Rang sieben für ihn heraus – inmitten der Weltelite.
In vier Tagen wird auf der größten Insel des Hawaii-Archipels erneut zum IRONMAN-Halali geblasen. Es gehört kein hellseherisches Talent dazu, erneute Fluchtversuche auch deutscher Athleten vorherzusagen.
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