
Gilles Reboul
Gérardmer - der Kurs: Vorgestellt von Gilles Reboul
Daniela Dihsmaier am 27.06.2006 - 06:58 Uhr
Ich erinnere mich, als ob es gestern war. Es war im September 1999 hier in den Vogesen, wo ich meinen ersten Titel bei der französischen Meisterschaft über die Langdistanz errungen hatte. Es war ein unvergleichliches Gefühl von Glück, als ich schließlich das Siegerpodium hochstieg. Wegen dieses Gefühls will ich wieder in die Vogesen kommen um mich erneut der Streckenherausforderung zu stellen. Warum ausgerechnet Gérardemer? Hier meine Erinnerungen und Tipps…
Die Schwimmstrecke - 4 km:
Es wird eine einzige große Runde über vier Kilometer geschwommen, dadurch wird die Strecke gut überschaubar und als Schwimmer findest du deinen Rhythmus. Die wenigen Richtungswechsel sind sehr gut gekennzeichnet. Der See von Gérardmer ist sehr ruhig und kristallklar wie man es aus den Bergen kennt, allerdings auch genauso frisch.
Meiner Meinung nach hilft ein schneller Start, wie er in Gérardmer möglich ist, sich zu behaupten, indem man möglichst schnell aus der Masse ausbricht und möglichst mit der vorderen Gruppe aus dem Wasser geht – für mich ein idealer Wettkampfstart….
Die Radstrecke - 120 km:
Der Radparcours besteht aus drei gleichen Runden à 40 Kilometer, die jeweils zwei schöne Schwierigkeitsstufen enthalten. Zunächst mal ein Wort zur Qualität der Straße: keine Sorge, Radpannen sind hier nicht häufiger zu befürchten als in anderen Regionen, denn die Straßenbeläge sind wirklich gut.
Bei Kilometer 3 wird es ein kurzes Stück steil. Ich rate keinem hier mit aller Gewalt zu treten. Besser ist es geschmeidig zu bleiben. Danach folgt ein langer Parcours zu den Seen von Longemer und Retournemer. Diese Partie lässt sich angenehm auf dem Aero-Lenker fahren, ein günstiger Moment also um sich zu erholen. Jedoch ist der Rhythmus zu halten ohne sich zu ermüden, denn die erste wirkliche Schwierigkeit kommt erst bei Kilometer 11. Es handelt sich um den Paß „le col des Feignes“ mit einer Länge von 3,5 km (und einer maximalen Steigung von 7 %). Für diesen ersten Anstieg empfehle ich eine Übersetzung von 39x21. Im direkten Anschluss folgt ein mittelsteile Abfahrt, die es komplett durchzutreten gilt (52x12/13). Übrigens nutze ich diesen Moment um zu essen und zu trinken, denn danach folgt der nächste Gipfelanstieg, aber dieses Mal länger (ca. 5 km) und dafür nur mäßig steil (5,3 %)…. Ich erinnere mich, dass ich immer wieder einige Stücke hier im Wiegetritt gefahren bin mit einer Übersetzung hinten von 19/21.
Es folgt eine schnelle Abfahrt und eine letzte Anstrengung dieser Runde: der Paß „le col des Bas Rupts“ fordert viel Kraft auf seinen knapp 900 m. Schließlich rollt man in schnellem Tempo in Gérardmer ein, trotzdem ist hier die Möglichkeit sich von den Strapazen zu erholen, die Beine etwas zu entspannen, zu essen und zu trinken. Achtung: Drei Runden setzen einem physisch und mental zu. Es ist also wichtig, sich auch mental darauf vorzubereiten. Während kurze Distanzen eher ein Training brauchen, das den Beinrhythmus optimiert, brauchen lange Distanzen wie die in Gérardmer viel Kraft und Ausdauer.
Die Laufstrecke - 30 km:
Zuguterletzt gilt es vier mal 7,5 km zu laufen. Die Strecke zieht sich rund um den See von Gérardmer. Sie ist schattig und asphaltiert.
Der erste Teil besteht aus drei aufeinander folgenden kleinen Anstiegen, die nicht sehr hart sind, aber den Laufrhythmus erschweren. Zurück ist der Weg meist abschüssig bis man die Ziellinie sieht. Achtung, es ist besser unterschiedliche Geschwindigkeiten beim Laufen zu trainieren, denn gerade das ist in Gérardmer erforderlich.
Mein ideales Rennen sähe natürlich so aus, dass ich mit den Favoriten aus dem Wasser komme, beim Radeln von der anspruchsvollen Strecke profitieren kann mit ausreichend Essen und ohne Dehydration. Gerade bei so einem Streckenverlauf wäre es schade, wenn man nicht bereits auf dem Rad den Vorsprung rausfährt, im Wissen, dass der Lauf lockerer wird. Die langen geraden Teile der Radstrecke könnten für einen Athleten, der nicht in der Gruppe fährt, schwer werden, hier heißt es nicht zögern, weitermachen!
Sollte ich relativ spät auf die Laufstrecke kommen, würde ich dennoch zuversichtlich bleiben: noch ist nichts entschieden! Daher schätze ich diese Strecke so: wegen der bereits erwähnten Tempiwechsel, sie fordern viel Ausdauer und Kraft. Dieses Rennen erfordert überhaupt in allen Disziplinen, dass du physisch und mental top in Form bist, dann wirst du es genießen…
In diesem Sinne, allen eine erfolgreiche Trainingszeit!
Der Autor Gilles Reboul hat zweimal die französischen Meisterschaften über die Langdistanz gewonnen.
Zurück