René Penno für tri2b.com am 25.06.2007 - 20:01 Uhr
Wenn Paul Hantke am Sonntag an den Start des Frankfurter Sparkasse IRONMAN geht, ist das so etwas wie ein Neubeginn für den Stadtlohner. Anfang letzten Jahres wurde beim ihm Prostata-Krebs diagnostiziert, im Februar folgte die Operation. Jetzt ist der 63-Jährige wieder gesund, aber die Ungewissheit lebt noch immer mit.
„Ich lebe immer noch mit der Gefahr, dass der Krebs noch einmal ausbrechen könnte. Endgültige Gewissheit hat man erst nach acht bis zehn Jahren“, sagt Hantke, der sich regelmäßig durchchecken lässt.
Für den Rentner aus Stadtlohn, nahe der niederländischen Grenze, hat der Ironman in Frankfurt in diesem Jahr eine völlig neue Bedeutung. Natürlich stand immer das Ankommen im Vordergrund, aber bei jedem Wettkampf sollte möglichst auch die Zeit aus dem vergangenen Jahr wiederholt oder gar getoppt werden. Der Ehrgeiz lebt eben immer mit und spornt an. Doch das spielt in diesem Jahr, wenn Paul Hantke zu seinem insgesamt zehnten Ironman startet, alles keine Rolle. Nur Durchkommen ist das Ziel. „Danach will ich dann entscheiden, ob ich noch einmal über die Langdistanz an den Start gehe. Durch die Krankheit ist mir einiges an Grundlage verloren gegangen. Außerdem liegt es ja in der Natur, dass man mit dem Alter auch leistungsmäßig abbaut“, erzählt der Stadtlohner.
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Es war der Sport, der ihn während seiner Krankheit aufbaute und den Lebenswillen gab. „Natürlich war der Schock zunächst groß. Ich wollte es erst gar nicht glauben, immerhin treibe ich seit 28 Jahren intensiv Ausdauersport und dachte deshalb, mich könne solch eine Krankheit nicht treffen“, sagt Hantke heute und fügt hinzu: „Aber durch den Sport habe ich nie den Mut verloren. Es ist sehr wichtig, dass man nicht aufgibt.“ Die Dinge ließen sich viel besser verkraften, wenn man Sport treibe, so Hantke weiter. „Man kann das auch im Kopf viel besser überwinden.“
Gleich nach der OP im Februar 2006 und den anschließenden Reha-Maßnahmen hatte er wieder mit dem Training begonnen. Durch die Behandlungen war das allerdings fast wie ein Neuanfang für Paul Hantke, der es doch gewohnt war, regelmäßig zu trainieren. Bei einem Volkstriathlon testete er sich das erste Mal, im Sommer wagte er sich schon wieder an die Mitteldistanz. „Da war ich aber nicht hundertprozentig zufrieden. Zum Ende hin konnte ich das Tempo nicht mehr halten“, spürte er, dass es nicht einfach ist, an das frühere Leistungsvermögen anzuknüpfen. Dass er aber an sich selbst scheitern könnte oder der Ehrgeiz ihn auffrisst, davon ist Hantke jedoch weit entfernt. „Ich weiß doch, dass es nicht nur an der Krankheit liegt. Mit dem Alter wird es auch so immer schwerer. Das ist doch etwas ganz Natürliches“, macht er sich keine Illusionen, irgendwelche Rekorde zu brechen. „Der Aufwand für das Training wird immer größer und man brauch immer mehr Zeit, sich zu erholen.“
Ist Frankfurt der letzte Ironman?
Begonnen hatte Paul Hantke seine sportliche Karriere im Alter von 36 Jahren. Damals war seine Leidenschaft das Laufen. Sieben Mal ging er bei 100 Kilometer-Läufen an den Start, insgesamt bestritt er 96 Marathons in den vergangenen 28 Jahren. „Da sind die bei den Ironman-Rennen mit eingerechnet und auch die, die über eine krumme Distanz, wie beispielsweise 45 Kilometer führten“, ist er stolz auf das, was er bisher erreicht hat. Doch schon damals zwangen ihn gesundheitlich Probleme fast zum Aufhören. Paul Hantke litt unter enormen Rückenbeschwerden, die so stark wurden, dass ihm sein Arzt riet, mit dem Sport aufzuhören. „Ich habe mich aber dagegen gewehrt und wurde trotz der Beschwerden sogar immer besser“, sagt er jetzt. Bei 2:44 Stunden lag seine beste Zeit über den Marathon, an die mehrmals noch herankam. „Nicht grad langsam“, schmunzelt er.1992 wechselte er dann zum Triathlon und gab sich gar nicht erst mit den kurzen Distanzen ab. Es ging gleich auf die langen Strecken, die er auch heute noch am liebsten absolviert.
Ob es für Paul Hantke bei seinem zehnten Ironman bleibt, will er nun vom kommenden Sonntag abhängig machen. Aber ganz gleich, wie er sich entscheidet: Er hat sein größtes Rennen bereits gewonnen. „Man soll nie aufgeben und immer weitermachen. Der Sport ist ein guter Helfer, Tiefpunkte zu überwinden“, hat er seine ganz eigenen Erfahrungen aus den letzten Monaten gemacht. „Aber es gehört natürlich auch ein bisschen Glück dazu.“
Zum Ironman reist Paul Hantke zusammen mit seiner Frau bereits am Donnerstag in Frankfurt an. Er wolle sich keinen Stress mit dem Einchecken und allem was dazu gehört machen, das habe er noch nie getan, sagt Hantke. „Solch eine Distanz ist ein besonderes Erlebnis. Ich will die ganzen Dinge erleben“, sagt er und man merkt ihm die Begeisterung für den Triathlon an, ohne ihm in die Augen schauen zu müssen.
Paul Hantke beendete seinen zehnten Ironman in einer Zeit von 14:20:56 Stunden und belegte in seiner Altersklasse M60 damit Rang acht.