Rekordtag: Timo Bracht gewinnt Ironman Lanzarote mit Streckenrekord

H. Eggebrecht für tri2b.com am 21.05.2011 - 17:33 Uhr
Timo Bracht: Sieg auf Lanzarote mit Streckenrekord
© http://www.triaphoto.com
Der Eberbacher Timo Bracht hat in 8:30:35 Stunden den Ironman Lanzarote (3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren, 42,2 km Laufen) vor Konstantin Bachor aus Wolfsburg gewonnen und dabei den 16 Jahre alten Streckenrekord von Thomas Hellriegel um gut fünf Minuten unterboten. Dritter wurde der Däne Espen Hovgaard. Bei den Frauen setzte sich mit der Britin Rachel Joyce (9:28:12) ebenfalls die Topfavoritin durch. Rang zwei ging an die Grand Dame des Ironman-Triathlon, Natascha Badmann aus der Schweiz. Hinter Carina Ottosen aus Dänemark wurde die Assamstädterin Heidi Jesberger Vierte.

Erwartungsgemäß könnte man den Sieg von Timo Bracht beschreiben, umso überraschender ist dafür aber der Streckenrekord. In dem schwach besetzten Profistartfeld zeichnet sich schon früh im Rennen ab, dass es auf ein Duell zwischen den beiden Deutschen Bracht und Bachor hinauslaufen wird. Bachor kam an den Fußspitzen des schnellsten Schwimmers, dem Deutschen AK-Athleten Christopher Menk, aus dem Atlantik und ging vom Start des Radfahrens in Führung. Bracht folgte zu diesem Zeitpunkt mit einer Minute Rückstand. Der Wolfsburger baute dann seinen Vorsprung in der ersten Hälfte des Radkursen mit den Anstiegen in die Feuerberge des Timanfaya Nationalparks bis zu den Windrädern bei Los Valles bis auf über vier Minuten aus. Bachor zeigte einmal mehr, dass er auf schweren Radstrecken zu den besten Radfahrern gehört. So wie im Vorjahr bei der ITU-Langdistanz WM in Immenstadt, als er dort ebenfalls die Radbestzeit markierte. Doch richtig abschütteln konnte er den Commerzbank-Profi nicht. Der Taktiker Bracht kam im zweiten Streckenabschnitt sogar wieder etwas näher an den Führenden heran. Hinter den beiden Deutschen tat sich schon bald ein großes Loch auf. Die Verfolger, in der sich neben einigen auf der Insel heimischen Profitriathleten noch der Däne Esben Hovgaard, sowie die starken deutschen Agegrouper Markus Ganser und Alex Blank befanden, hatten allenfalls noch Rang drei im Blickfeld.



Bracht: Vom möglichen Streckenrekord erst kurz vor Schluss erfahren
Mit gut drei Minuten Vorsprung ging Bachor bei mittlerweile heißen Mittagstemperaturen den Marathon an. Dieser sollte auf dem Weg hinaus zum Flughafen von Arrecife schnell dahin schmelzen und schon nahe der 10-Kilometermarke passierte dann der erwartete Führungswechsel. Der 36-jährige Bracht überholte leichtfüßig den neun Jahren jüngeren Bachor. Von da an lief der zweimalige Sieger des Ironman Germany nur noch ein Rennen gegen sich selbst und gegen die Streckenbestzeit von Thomas Hellriegel aus dem Jahr 1995. „Ich habe mir noch nie was geschenkt“, hatte Bracht am Donnerstag noch im Interview gegenüber tri2b.com bekräftigt und genauso beherzt ging er auch in der zweiten Marathonhälfte (Laufzeit: 2:47:20) zu Werke. „Erst zwei Kilometer vor dem Ziel habe ich erfahren, dass ich auf Streckenrekordkurs war. Das hätte ich bei diesen harten Bedingungen auf der Insel wirklich nicht erwartet“, so Bracht sichtlich überrascht, dass es neben dem Sieg auch wirklich zum neuen Kursrekord reichen sollte. Über 13 Minuten vergingen bis Konstantin Bachor (8:44:05) in Puerto del Carmen auf Rang zwei über die Ziellinie lief und sogleich ein Lob vom Sieger bekam. „Bis zum zweiten Wechsel hat mich Konstantin ganz schön auf Trab gehalten“, so Bracht, der damit seinen sechsten Ironman-Sieg der Karriere und den zweiten in Folge (IM Arizona, Nov. 2011) feiern konnte.

Dritter wurde Hovgaard (8:54:37), der zwar im Marathon deutlich unter drei Stunden blieb, zu Bachor aber immer noch über zehn Minuten Rückstand hatte. Christian Nitschke vom Team TBB Germany wurde auf Rang sieben drittbester deutscher Teilnehmer. Ebenfalls noch in die Top Ten kam der Schweizer Rafael Wyss. Unter den besten 20 finishten mit Daniel Wienbreier (11.) , Andreas Schröder (14.), Alex Blank (15.) und Markus Ganser (19.) vier weitere Deutsche.

Joyce siegt überlegen, Badmann hält bis zum Marathon gut mit
Rachel Joyce feierte bei ihrem ersten Ironman-Sieg der Karriere zugleich einen Start-Ziel-Sieg und trat damit in die Fußstapfen ihrer Landsfrau Catriona Morrison, die im Vorjahr auf Lanzarote den Titel holte. Die 32-jährige in London lebende Britin kam erwartungsgemäß als Führende aus dem Wasser und baute ihren Vorsprung gegenüber ihren Verfolgerinnen Schritt für Schritt aus. Vor zwei Jahre musste sich die Athletin des Abu Dhabi Triathlon Teams auf Lanzarote am Ende noch Bella Bayliss geschlagen geben und wurde Zweite. Diesmal sollte sie den Spieß umdrehen. Im Ziel waren es 15 Minuten, die Joyce von der Zweitplatzierten trennten. Und das war keine geringere als die sechsfache Ironman Hawaii Siegerin Natascha Badmann (9:43:39). Die 44-jährige Oftringerin hatte bis zum Start in den Marathon noch Tuchfühlung zu Joyce und stand damit erstmal nach vier Jahren wieder auf dem Podium eines Ironman-Rennens, nachdem sie sich im Jahr 2007 auf Hawaii bei einem Radsturz schwer an der Schulter verletzt hatte. Für Joyce war es die dritte Topplatzierung in dieser Saison, nach Rang vier in Abu Dhabi und Platz zwei beim Ironman South Africa Anfang April.

Mit noch größeren Zeitrückstanden folgten die nächsten Frauen. Die Dänin Carina Ottosen (3./ 10:10:14) und die Deutsche Heidi Jesberger (4./ 10:28:32). Nicole Woysch aus Saarbrücken, im Vorjahr auf Rang drei, erwischte diesmal keinen so guten Tag und kam auf Rang acht als zweite deutsche Frau ins Ziel.

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