GARMIN Alpen-Triathlon: Gipfeltreffen der Liga-Elite und Ironmen

Stefan Drexl für tri2b.com am 29.06.2011 - 18:30 Uhr
Für den letzten Adrenalinschub sorgen die Zuschauer am Spitzingsattel.
Die 24. Auflage des Alpen-Triathlons verspricht neben einem hochkarätigen Starterfeld vor allem ein spannendes Gipfeltreffen der Spezialisten von Kurz- und Langdistanz am Spitzing zu werden. In einem interessanten Vergleich treffen am 2. Juli Timo Bracht und Faris Al-Sultan am Schliersee auf die besten Athleten der Triathlon-Bundesliga. Nach dem Auftakt in Paderborn gastiert die Serie beinahe schon traditionell auf der schönsten und härtesten Olympischen Distanz am Schliersee.

Es wird die einzige Olympische Distanz der Triathlon-Bundesliga in dieser Saison sein und auch das einzige Rennen, in dem sich Spezialisten der Langdistanz eine Chance auf den Sieg ausrechnen. Nach zwei Jahren Abwesenheit ist Faris Al-Sultan, der Ironman Weltmeister von 2005, wieder am Start und will endlich am Spitzing als Erster durchs Ziel laufen. Im Jahr 2007 wurde er nur knapp Zweiter hinter Pavel Simko.

Auch der zweite Ironman-Profi im Feld Timo Bracht, Sieger auf Lanzarote und Vize-Europameister, will den heißen Ritt auf den Spitzingsattel nach 2003 mal wieder wagen. Der Sechstplatzierte vom letztjährigen Ironman Hawaii hat eine Wildcard für das Ligarennen beim Alpen-Triathlon bekommen und wird sich zum zweiten Mal innerhalb einer Woche den Kurzdistanzspezialisten stellen. Schon am vergangenen Wochenende ist Bracht beim Speedman in München auf Dave Matthews getroffen, dem das Sprintformat besser lag.

Harte Qualitäten
Doch in Schliersee, mit seinem knapp 5 km langen und harten Anstieg hinauf zum Spitzing, kommt es auch auf andere Qualitäten an, über die Timo Bracht durchaus verfügt. "Eine Umstellung ist für mich eher das ungewohnte Rennformat," so der Vize-Europameister auf der Pressekonferenz im Münchener Sporthaus Schuster. "Das Fahren in der Gruppe erfordert einfach andere taktische Maßnahmen und viel mehr Konzentration." Auf die Frage seiner Renneinteilung meint Bracht, "dass es für ihn wichtig sein wird, ordentlich den Sattel hochzukommen, um noch genügend Spritzigkeit in den Beinen für die schwere Laufstrecke zu haben". Dabei verlässt sich der Eberbacher ganz auf seine ermittelten Leistungswerte, die er vorab akribisch in seiner Uhr programmiert und versucht, sich während des gesamten Rennens auch exakt daran zu halten. Dennoch, harte Strecken und Hitze liegen den beiden deutschen Ironmen, besonders Al-Sultan.

Spezialisten, keine "Bratwürst"
Der Münchener war vier Tage zum Bergtraining in den Dolomiten und am Gardasee und hofft "auf heiße Bedingungen und das ordentlich die Post abgeht". "Schade nur, dass aufgrund formaler Regelungen der Triathlon Europa- und der Bundesliga nicht die Besten am Start sein können", bedauert der Hawaii-Sieger von 2005. "Das erhöht zwar etwas die Chancen, aber die anderen internationalen Spezialisten sind ja auch keine "Bratwürst"."

Wie zum Beispiel der Australier Matthews. Er möchte am kommenden Samstag zusammen mit dem Stadtwerke Team Witten die Liga aufmischen und versuchen, dem Ejot-Team TV Buschhütten wichtige Punkte im Kampf um die Meisterschaft abzuringen. Nach dem Liga-Auftakt in Paderborn liegt die Mannschaft des Titelverteidigers um den zweifachen britischen Meister Will Clarke und den Franzosen Laurent Vidal in Führung. Mit dem Sieger des Alpen-Triathlon von 2009, dem Russen Ivan Vasiliev, haben sie noch dazu einen ganz erfahrenen Athleten im Rennen um den Einzel- und Mannschafts-Titel.

Jäger oder Gejagter
Ausruhen oder verstecken können sich die beiden Teams und ihre Favoriten keinesfalls, denn auch die Konkurrenten schicken potentielle Anwärter in das zweite Liga-Rennen der Saison. Die Triathleten vom Carboo4U-Team aus Griesheim mit Patrik Lange waren beim Auftakt in Paderborn überraschend gut gestartet und belegen derzeit Rang zwei.

Es lässt sich also schwer vorhersagen, wer hier wen jagen wird, aber gerade das verspricht Spannung pur und heizt die Spekulationen an, wer wohl als Erster den Spitzingsattel erreicht. Das gilt ebenso für das Rennen der Frauen. Entscheidender wird hier eher die Team-Besetzung sein, denn Schliersee liegt genau zwischen den beiden Rennen der WM- Serie in Kitzbühel und Hamburg. Das ALZ Sigmaringen kann daher seine besten Athletinnen nicht aufbieten und muss acht geben, dass es das AVU-Team Witten, das Schwalbe-Team Krefeld oder Riederau auf Distanz halten kann.

Große Aufmerksamkeit werden im Hinblick auf den Sieg der Einzelwertung vor allem Kristin Möller aus Erlangen und Lena Brunkhorst aus Witten bekommen. Die Erlangerin wurde vergangenes Wochenende am Rothsee Zweite hinter Anja Ippach und ist bekannt für schnelle Laufsplits. Sie rollt das Feld meistens von hinten auf, ihr liegt die Rolle der Jägerin. Bei ihr kommt es besonders darauf an, wie sie den Anstieg zum Spitzing verkraftet. Denn auch die Tschechin Radka Vodickova ist eine gute Läuferin und wurde 2008 bereits Zweite in Schliersee. Der Duatlon-Weltmeisterin von 2008 liegen die Berge und sie gestaltet ihr Rennen meist von der Spitze. Wird sie die Gejagte sein?

Tour de France-Stimmung am Spitzing
Neben der Elite werden weiter 1.000 ambitionierte Triathleten aller Altersklassen das Abenteuer Garmin Alpen-Triathlon in Angriff nehmen. Auf sie warten 840 Höhenmeter auf der berühmten berüchtigten Radrunde mit dem legendären Schlussanstieg zum Spitzingsattel, wo die Triathleten auf 1.129 Höhenmetern von einer begeisterten Zuschauermenge und Tour de France-Stimmung empfangen werden. Die letzten Meter werden sie dabei regelrecht hinauf gejubelt und anschließend mit einem Traumblick für ihren Mühen entlohnt.

Nach 1,5 km Schwimmen im Schliersee und der 40 km langen Radrunde, liegen vor den Athleten noch 10 km Laufen durch das Valepp und rund um den Spitzingsee. Kein Zuckerschlecken, doch im Ziel erwartet dann alle traditionell der berühmte Kaiserschmarrn, eine süße Abwechslung, um die geleerten Kohlenhydratspeicher wieder aufzufüllen.