H. Eggebrecht für tri2b.com am 06.07.2008 - 17:54 Uhr
Chris McCormack ist der derzeit beste Langstreckentriathlet der Welt. Der Australier siegte bei seinen ersten Start beim IRONMAN Germany in 7:59:55 Stunden und unterbot dabei den bisherigen Streckenrekord von Timo Bracht um fast zehn Minuten. Zweiter wurde der Spanier Eneko Llanos, der als einziger McCormack auf der Laufstrecke folgen konnte. Vorjahressieger Timo Bracht wurde nach einer imposanten Aufholjagd Dritter.
Schon der Schwimmauftakt im Langener Waldsee ließ ein Rekordrennen erwarten, denn die besten Schwimmer blieben gleich reihenweise nur um zwei Minuten über Jan Sibbersens Rekordmarke aus dem Jahr 2004 (42:17 min.). Andreas Böcherer war dabei in 43:55 Minuten der Erste, der den Berg zum Schwimm-Timing hinauf lief und sich ganz knapp die Schwimmprämie vor Faris Al-Sultan sicherte. Beide hatten bis dahin lange zusammen das Tempo auf den zwei Schleifen durch den Baggersee vor den Toren Frankfurts diktiert. Im Schlepptau, nur um 30 Sekunden zurück, kam McCormack aus dem Wasser. Die direkten Verfolger blieben den beiden dicht auf den Fersen. Die erste Verfolgergruppe führte der Sieger von 2004, Cameron Brown, an.
Al-Sultan auf der Flucht
Auf der Radstrecke formierte sich zunächst eine fünfköpfige Führungsgruppe, die mit Chris McCormack an der Spitze vom Langener Waldsee in Richtung Frankfurts Downtown rollte. Das Radfahren sollte dann zum Auftritt des Faris Al-Sultan werden. Der Münchner setzte sich, nachdem zuerst Eneko Llanos für kurze Zeit die Führung inne hatte, mit einem beherzten Antritt nach vorne ab. Der Vorsprung sollte bis auf zweieinhalb Minuten anwachsen. Doch auf der zweiten Radrunde wurde der Tritt an den Steigungen immer schwerer, und der Vorsprung schmolz schnell Sekunde um Sekunde dahin. Bei Kilometer 130 hatte McCormack seinen deutschen Widersacher wieder gestellt und ging dann auch sehr schnell alleine in Führung.
Böcherer die Überraschung
Wer jetzt gedacht hätte, der amtierende Hawaii-Sieger würde alleine einem ungefährdeten Sieg entgegen fahren, sah sich getäuscht. Zunächst schloss Böcherer zu McCormack auf, wenig später sollte auch Eneko Llanos zur Spitze aufschließen. Diese Dreier-Formation blieb bis zum Wechsel in die Laufschuhe am Mainkai zusammen. McCormack verließ als Erster die Wechselzone. Gefolgt von Llanos und Böcherer. Während der Spanier gleich wieder zu McCormack aufschließen konnte, fiel der Freiburger jetzt von der Spitze zurück, hatte aber noch einen recht respektablen Vorsprung vor Al-Sultan und der ersten größeren Gruppe, die Timo Bracht mit 7:34 Minuten Rückstand auf die Laufstrecke führte. Im Schlepptau waren Uwe Widmann, Hector Llanos und das Dreierpack des Dresdner Kleinwort Teams mit Jan Raphael, Maik Twelsiek und Markus Fachbach.
Timo Bracht dreht auf
Timo Bracht verkürte auf dem Marathon schnell seinen Rückstand auf Böcherer und Al-Sultan. Nach der Hälfte des Marathons zog der Eberbacher fast mühelos am Münchner Hawaii-Sieger von 2005 vorbei. Der Verlust des Treppchenplatzes schien für Al-Sultan ein Schockerlebnis zu sein. Bei Kilometer 25 war das Rennen zu Ende für den 30-Jährigen, der damit auch im zweiten Anlauf in Frankfurt kein Erfolgserlebnis für sich verbuchen konnte.
Vorne blieb es auf der ersten Marathonhälfte mehr ein Schaulaufen. McCormack und Llanos liefen Brust an Brust und waren noch zu Scherzen mit dem Publikum aufgelegt. Auf der dritten der vier Schleifen entlang des Mains zeigte dann McCormack scheinbar eine kleine Schwäche und lief wie an einem langen Gummiband 30 Meter hinter Llanos. Eingang der letzten zehn Laufkilometer kam dann Macca´s Antwort. Der 35-Jährige kam zurück und konnte seinerseits ein paar Meter zwischen sich und dem spanischen Hawaii-Siebten des Vorjahres legen. Während der Australier in typischer Manier, schmerzverzehrtes Gesicht aber langer Schritt, dem Ziel entgegen lief, konnte Llanos nicht mehr kontern.
Triumphlauf zum Römer
Der Rückweg am Mainkai entlang zum Römer wurde zum Triumphlauf für McCormack. Angefeuert vom frenetischen Publikum vergaß er sogar den Blick auf die Uhr und ließ sich auf dem letzten Kilometer schon als Sieger feiern. Als Macca dann auf der Zieluhr sah, dass noch eine Zeit unter acht Stunden möglich ist, legte er noch einen Schlussspurt über die letzten gut 50 Meter hin und blieb fünf Sekunden unter der magischen Zielzeit. Llanos, der mit schweren Schritt den Römerberg erklomm, hatte in 8:00:49 eine knappe Minute Rückstand. Bester Deutscher wurde Timo Bracht, der in 2:42:33 Stunden den besten Marathon des Tages lief. Rang vier ging an den Neuseeländer Cameron Brown vor dem Spanier Hector Llanos, bevor als Sechster mit Jan Raphael der zweitbeste Deutsche folgte.