Ironman Germany: Andreas Raelert ist der neue Triathlon-Europameister

H. Eggebrecht für tri2b.com am 04.07.2010 - 15:00 Uhr

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Andreas Raelert hat nach einer beispielslosen Soloflucht in 8:05:15 Stunden die Ironman Triathlon-Europameisterschaften in Frankfurt gewonnen. Der Rostocker setzte sich nach 3,8 km Schwimmen, 185 km Radfahren und 42,2 km Laufen gegen den Vorjahressieger Timo Bracht (8:10:22) durch. Auf Platz drei folgte Chris McCormack (8:14:43) aus Australien.

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Als Andreas Raelert am Sonntagmorgen kurz vor 8 Uhr in Führung liegend über die Friedens-Brücke und erstmals auf den Mainkai abbog, ahnten die Zuschauer an der Strecke noch nicht, dass sie soeben Zeuge des Anfangs einer beispielslosen Alleinfahrt geworden sind. Diese hatte man so im Vorfeld nicht erwartet. Eine Minute in Führung lag der Rostocker zu diesem Zeitpunkt, verfolgt von einer acht Fahrer umfassenden Verfolgergruppe, in der Timo Bracht für das Tempo sorgte. Den Titelverteidiger, der unbedingt wieder gewinnen wollte, ereilte dann aber das Pannenpech. Ein Schleicher am Scheibenrad bei km 24 führte zu einem Zwangsstopp für den Eberbacher, der allerdings durch den neutralen Materialwagen schnell ein Ersatzlaufrad erhielt. Wenige Kilometer später fand er wieder den Anschluss an die Gruppe. Mit McCormack, dem Neuseeländer Cameron Brown und dem deutschen Fünferpack Georg Potrebisch, Jan Raphael, dem Schwimmleader Christian Ritter und den beiden Lokalmatadoren Uwe Widmann und Frank Vytrisal verlor die Gruppe weiter Boden auf Raelert. Nach der ersten Radrunde über die Stimmungsnester „The Hell“ in Maintal-Hochstadt und den Heartbreak-Hill in Bad Vilbel hatte der Vorjahresvierte schon acht Minuten Vorsprung herausgefahren. Umso verwunderlicher, denn die Jäger folgten dort kompakt mit nur wenigen Metern Abstand zwischen den Rädern.



Timo Bracht: Ich bin froh hier zu sein
Raelert fuhr an der Spitze weiter ein gleichmäßiges Rennen und konnte seinen Vorsprung trotz der langsam in die Glieder fahrenden Müdigkeit bis über die zehn Minutenmarke ausbauen. Dahinter war es Bracht, der verzweifelt versuchte, den Rückstand nicht zu groß werden zu lassen. Im letzten Viertel der Radstrecke, die durch die Baustelle in Bad Vilbel diesmal mit 185 km sogar fünf Kilometer länger als üblich war, konnte Bracht seine Verfolger etwas abschütteln. In der zweiten Runde am Heartbreak-Hill gab es dann eine weitere Schrecksekunde für den Commerzbank-Athleten. Im Menschenspalier touchierte er beim Überholen unabsichtlich einen Altersklassen-Athleten, der dadurch zu Fall kam. „Das war sehr gefährlich, ich bin froh hier zu sein.“, so kommentierte er diese Szene beim Wechsel in die Laufschuhe in die Mikrofone des HR-Fernsehens.



Raelert macht´s von der Spitze
Elf Minuten vorher wechselte Raelert am Mainkai in die Laufschuhe, der sich sichtlich überrascht über den großen Vorsprung zeigte. „O Gott, ich hoffe, dass ich nicht etwas überzogen habe. Aber jetzt wird es ernst. Dabei hatte der 33-Jährige gerade trotz der fünf Kilometer längeren Radstrecke in 4:20:35 Stunden den aus dem Jahr 2006 stammenden Radstreckenrekord von Normann Stadler (4:22:32) um fast zwei Minuten unterboten. 2:46:38 (IM Arizona 2008), 2:48:10 (IM Germany 2009) und 2:51:04 Stunden (Ironman Hawaii 2009), so lauteten die Marathonzeiten von Raelert bei seinen bisherigen drei Ironman-Rennen. Gleich die Premiere in Arizona im Herbst 2008 konnte er gewinnen, es folgten im Vorjahr Rang vier in Frankfurt und Platz drei beim Ironman Hawaii, wo er zwischenzeitlich sogar den späteren Sieger Craig Alexander in Bedrängnis bringen konnte. Seine Jäger Bracht und McCormack liefen den Marathon zwar ein klein wenig schneller als der Führende an, doch der Vorsprung schmolz nur um Sekunden. Wie ein Schweizer Uhrwerk spulte Raelert die Kilometer bis zur Halbmarathonmarke ab, im Schnitt noch deutlich unter vier Minuten pro Kilometer. Unterstützt von seinem an der Strecke stehenden Bruder Michael und einige Kilometer auch vom überrundeten Premierensieger von 2002, Lothar Leder, büßte er zwar auf der zweite Hälfte in der mittlerweile stechenden Nachmittagssonne etwas mehr Zeit ein, richtig in Gefahr kam er aber nicht mehr. Mit einem 2:53:27 Stunden Marathon überquerte Andreas Raelert nach 8:05:15 Stunden die Ziellinie am Frankfurter Römerberg, wo er von den vielen Zuschauer enthusiastisch empfangen wurde.

„Das hier am Römer genießen zu dürfen war schon toll. Heute musste ich mehr als 100 Prozent gehen“, erzählte der strahlende neue Europameister im tri2b.com-Interview direkt nach dem Zieleinlauf. Timo Bracht (8:10:22) konnte zwar seinen Titel nicht verteidigen, kam aber zum fünften Mal in Folge auf das Podium bei seinem Heimrennen. Auf Rang drei lief wie im Vorjahr ein schwer gezeichneter McCormack (8:14:43) ein. Ähnlich wie im letzten Jahr bekam der Hawaii-Sieger von 2007 auf der Laufstrecke große Probleme, musste Gehpausen einlegen und erreichte von Krämpfen gezeichnet das Ziel. Vierter wurde Cameron Brown, bevor eine deutsche Viererkette mit Jan Raphael (5.), Uwe Widmann (6.), Christian Ritter (7.) und Frank Vytrisal (8.) über den roten Zielteppich lief. Patrick Vernay aus Neukaledonien und der Finne Mika Luoto vervollständigten die Top Ten, bevor direkt dahinter Christan Müller aus Pfinztal als bester Agegrouper finishte.
Gast Thomas Heubach am 05.07.10 12:57 Uhr


Ich habe gesehen, wie Timo den Altersklassenathleten zu Fall gebracht hat.

Natürlich muss der Veranstalter hier für die Sicherheit der Athleten sorgen. Eine Absperrung wäre nicht schlecht gewesen. An der Stelle wo es eng wurde stand eine PowerBar Fahne mit Absperrung. Diese war so aufgestellt, dass die Fahrbahn enger wurde. Der Sturz passierte genau an der Spitze der Absperrung. Hier konnte kein Zuschauer, kein Fotograf, niemand was dafür. Timo hatte hier keine wirklich Chance.

ABER so durchbraten darf man auch als Profi nicht!! Das war schon etwas rücksichtslos! Am allerwenigsten konnte der Alterklassenstarter dazu.

Gruß
Thomas

Früher gab es auch mal ein Führungsmotorrad, dass den Weg freigemacht hat.
Gast Andreas Meyer am 05.07.10 12:31 Uhr
Hallo tri2b_ler,

eure Artikel sagen mir zu - kompetent und gut geschrieben!

Leider sprecht ihr beim Ironman Frankfurt IRONMAN European Champioship immer wieder von den Triathlon-Europameisterschaften oder von den Europameisterschaften auf der Langdistanz. Auch die Bestzeit von Sandra Wallenhorst wird gern als Weltrekord auf der Ironman-Distanz bezeichnet.

Nun bin ich mir völlig sicher, dass ihr wisst, dass das nicht stimmt.

Weder ist Sandra die schnellste auf dieser Strecke noch handelt es sich um Europameisterschaften bei der Veranstaltung in Frankfurt. Es ist natürlich eine interessante Marketingstrategie der WTC solche Namen zu vergeben; aber warum übernehmt ihr sie???
Ihr wisst es besser! Zahlt die WTC direkt? Oder macht es Xdreams?

Mich kotzt das an! Die Veranstaltung und auch die Leistungen sind doch auch ohne diese künstlichen falschen Titel großartig.

Mit sportlichem Gruß Andreas

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