2008: Raelert knapp am eigenen Streckenrekord vorbei

A. Thomma für tri2b.com am 21.06.2008 - 22:03 Uhr
Michael Raelert überholt Kathrin Müller inmitten der Almidylle am Spitzingsee
Michael Raelert vom EJOT Team Buschhütten hat nach 2005 zum zweiten Mal den legendären Hexal-Alpen-Triathlon in Schliersee gewonnen. Er finishte in einer Zeit von 1:59:44 Stunden vor Claude Eksteen (Asics Team Witten/2:00:35) und Kris Gemmell aus Neuseeland (2:02:40) und verpasste damit nur knapp seinen eigenen Streckenrekord. Bei den Frauen gewann Anja Dittmer bei Ihrem Schlierseedebüt in einer Zeit von 2:18:27 vor Radka Vodickova (2:18:38) und Kathrin Müller (2:21:26). Mit gut 1.150 Startern aus 28 Nationen war diesmal ein Rekordteilnehmerfeld bei der 21sten Auflage gemeldet.

Um 11.15 Uhr schickte die Skilegende Markus Wasmeier und Franz Schnitzenbaumer, der Bürgermeister von Schliersee rund 60 Damen der Elite und Triathlon Bundesliga auf die Strecke. Bei 18 Grad Celsius Wassertemperatur wurde im Neoprenanzug geschwommen. In dem mit Favoriten gespickten Feld konnten sich die Olympiateilnehmerinnen Christiane Pilz und Anja Dittmer direkt an die Spitze setzen. Als Erste entstieg Pilz dem Schliersee. Mit wenigen Sekunden folgten Anja Dittmer, Kathrin Müller und in die Wechselzone am Schlierseer Kurzentrum. Diese Fünf bildeten auf dem Rad die Spitze und verteidigten zuerst ihren Vorsprung. Leider musste Pilz durch einen technischen Defekt, Bruch des Schaltauges, das Rennen vorzeitig beenden. Das verbliebene Quartett wurde dann von einer Dreiergruppe um die starke Radfahrerin Ina Reinders und Tina Herklotz aus Witten eingeholt. Die siebenköpfige Spitzengruppe fuhr gemeinsam in die letzte Steigung.

"Ich spare mir nichts fürs Ende"
Am Schlussanstieg zum 1129 m hoch gelegenen Spitzingsattel zergliederte sich die Spitzengruppe. Vendula Frintova setzte die erste Attacke und Kathrin Müller folgte. Sie hatte am Vortag gesagt: "Letztes Jahr bin ich auf der ganzen Radstrecke voll gefahren, da tat der Anstieg zum Spitzingsattel schon besonders weh. Im Jahr zuvor bin ich in der Gruppe mitgefahren und die letzte Steigung war genauso schmerzhaft. Ich werde mir heuer nichts für den Aufstieg aufsparen, denn die vier Kilometer tun immer weh." Die für das Asics Team Witten startende Müller fuhr ihren Rhythmus und schüttelte die Gruppe ab. Frintola aus dem Schwalbe Team Krefelder Kanuklub schied mit technischem Defekt aus. Nur Svenja Bazlen aus dem Schwalbe-Team Krefelder Kanuklub folgte ihr und überquerte als Erste den vom vielen Zuschauer dicht gesäumten Kulminationspunkt der Strecke. Die Wittener Hoffnung und Vorjahreszweite Reinders konnte ihre Stärke auf dem Rad nicht ganz ausspielen und folgte auf Platz sechs in die zweite Wechselzone.

Auf der Laufstrecke übernahm als Erste die Kroatin Vodickova das Zepter in die Hand, aber Anja Dittmer war schon auf der ersten von drei Runden, der Valepprunde, dran. Müller folgte auf Platz drei. Der Zweikampf an der Spitze wurde erst in der letzten Runde mit einem kurzen Steigungsstück über eine unbefestigte Almwiese entschieden. Die erfahrene Dittmer holte sich in ihrem 16ten Jahr als Triathletin und dem ersten Start beim Hexal Alpen-Triathlon den Sieg. Vodickova, Sechste der Europameisterschaften, bestätigte ihre Saisonleistungen mit Platz zwei. Kathrin Müller wiederholte ihren dritten Platz aus dem Vorjahr.

Bestbesetztes Männerrennen
Bei den Männern war die Leistungsdichte noch einwenig größer als bei den Frauen. Mit Daniel Unger, Jan Frodeno und Christian Prochnow standen alle Olympiastarter auf der Startliste. Am Start standen dann jedoch nur zwei Starter für Peking. Christian Prochnow verzichtet auf seine Teilnahme. Trotzdem war das Feld stark wie selten in Schliersee. Faris Al-Sultan nahm einen erneuten Anlauf auf seinen ersten Sieg beim Alpen-Triathlon, Unger und Frodeno wollten nicht nur einen Trainingswettkampf bestreiten, sondern auch die hohen Erwartungen erfüllen. Mit den Raelert Brüdern Andreas und Michael sowie den ausländischen Starten Kris Gemmell (Olympiastarter für Neuseeland) oder Pavel Simko waren weitere Sieganwärter an der Startlinie. Insgesamt gingen 130 Männer in die Entscheidung im Eliterennen.

Raelert nah dran am eigenen Rekord
Beim Schwimmen konnte sich nur der Schwimmspezialist Richard Varga absetzen. Mit knapp einer Minute Rückstand folgte das große Hauptfeld. Innerhalb von einer Minute waren mehr als 30 Männer auf der Strecke. Die Leistungsdichte war enorm und somit war eine großes Hauptfeld keine Überraschung. Schon bei der ersten längeren Steigung konnten sich Michael Raelert (EJOT Team TV Buschhütten), Christian Ritter (Asics Team Witten) und Claude Eksteen (Asics Team Witten) absetzen. Somit waren die drei stärksten Bundesligateams in der Spitze vertreten. Die Drei konnten sich leicht absetzen, nach einiger Zeit waren sie sich einig und bauten ihre Führung stetig aus. Raelert fuhr sein Tempo und an der Passhöhe dachte er, dass Kris Gemmell aus der Verfolgergruppe zu ihm aufgeschlossen hätte. Es war aber Eksteen, der zwischenzeitlich den Kontakt verloren hatte. Das Hauptfeld konnte in der letzten Steigung nur eine knappe halbe Minute aufholen. Somit kam keiner auf Schlagdistanz gegen Raelert, der sich mit der Tagesbestzeit auf der Laufstrecke seinen zweiten Sieg am Spitzingsee nicht mehr nehmen ließ. Mit einer tiefen Verbeugung bedankte er sich beim Publikum und verpasste so um wenige Sekunden einen erneuten Streckenrekord. Mit seiner Endzeit von 1:59:44 Stunden blieb er zum zweiten Mal unter zwei Stunden. Diese Marke hat bei den 21 Austragungen kein anderer Athlet durchbrochen.

Claude Eksteen wurde nach einer guten Laufleistung Zweiter und belohnte sich damit für die die harte Arbeit in der Ausreißergruppe. Aus dem Hauptfeld schob sich nur der Neuseeländer Gemmell aufs Podium. Er zeigte im Schlussanstieg auf dem Rad die beste Leistung und konnte dies beim Laufen bestätigen. Auf den Plätzen folgten der Österreicher Franz Hofer, und Jan Frodeno

Publikumsliebling und Olympioniken ohne Chance
Der Publikumsliebling Faris Al-Sultan konnte sich auf dem Rad nicht absetzen. Ihm blieb sein Wunsch vom Sieg beim Alpen-Triathlon erneut verwehrt. Allen Qualifizierten für die Olympischen Spiele waren die Trainingsbelastungen und der Fokus auf den 19. August anzumerken. Jan Frodeno und Daniel Unger mussten mit schweren Beinen vor allem auf der Laufstrecke kämpfen und konnten ihre Schnelligkeit nicht umsetzen.

Mit Seeblick erholen
Für die 700 Amateurtriathleten bleibt der Hexal Alpen-Triathlon eine besondere Herausforderung mit Fokus auf den Finisher-Gedanken. Im Ziel nach über 800 Höhenmetern werden die Athleten mit einer hervorragenden Zielverpflegung belohnt. Nicht nur wegen dem Kaiserschmarrn besitzt der Schliersee-Triathlon schon einen gewissen Weltruf. Auch der Blick über den Spitzingsee mit einem erfrischenden Getränk oder der Sprung ins kühle Nass des smaragdgrünen Bergsees waren bei besten äußeren Bedingungen erste Schritte der Regeneration.

Anzeige

Anzeige

tri2b.com auf Facebook

Anzeige