
Cross-Szene
Das Crossrad: Eine fast unbekannte Alternative
René Penno für tri2b.com am 20.01.2007 - 18:41 Uhr
Der Winter ist für Triathleten eine Zeit, in der die Grundlage für die nächste Saison gelegt wird. Die Art und Weise, wie das geschieht, ist höchst unterschiedlich. Der eine vertraut auf das, was er kann, nämlich Radfahren, Laufen und Schwimmen. Ein anderer sucht, wie von vielen Experten empfohlen, die Abwechslung. Dass es dabei zahlreiche Möglichkeiten gibt, ist hinlänglich bekannt.
Neben Skilanglauf, Skaten, Fitnessstudio und Mountainbiken bringt eine Disziplin, oder besser, eine andere Art des Rennradfahrens, reichlich Abwechslung, die selbst bei eingefleischten Radsportlern noch immer als Randsportart gilt. Gemeint ist das Crossrad, auch bekannt als Querfeldeinrad. Diese ganz spezielle Disziplin des Radsports kämpft zwar auf leistungsorientierter Ebene noch immer um die verdiente Anerkennung, in der breiten Masse wird das Crossrad aber immer beliebter.
Crossräder in der Überzahl
Da stellt sich natürlich die Frage: Warum ein Crossrad, wenn es doch Mountainbikes gibt? Immerhin sind diese populären Bikes mit breiteren Reifen ausgestattet, haben eine Federgabel oder sind gar komplett gefedert. Schon allein deshalb gelten sie als komfortabler und gleichzeitig auch als robuster. Doch das Querfeldeinrad hat sich in den letzten drei Jahren zu einer echten Alternative entwickelt. In Hamburg und Umgebung, der Heimat des zweifachen Deutschen Meisters Jens Schwedler, beispielsweise bestimmen überwiegend die Rennräder mit den Stollenreifen das Bild. „Das liegt natürlich daran, dass man mit den Crossrädern wesentlich schneller vorankommt als mit einem MTB“, sagt Jens Schwedler, der in der jüngsten Vergangenheit derjenige war, der den Querfeldeinsport in Deutschland wieder angefangen hat, populär zu machen. Eine nicht unwichtige Rolle spielt dabei die Größe der Laufräder. Die 28 Zoll-Räder haben nunmal einen Vorteil gegenüber den um zwei Zoll kleineren MTB-Laufrädern.
Und noch ein wichtiges technisches Detail darf man dabei nicht außer Acht lassen: Die Rahmengeometrie ist der des „eigentlichen“ Rennrades sehr ähnlich. Die Unterschiede zum Rennrad sind in erster Linie auf das kürzere Oberrohr beschränkt, um eine für das Gelände wichtige aufrechtere Sitzposition zu erreichen. „Im Großen und Ganzen werden die Rahmen aber den herkömmlichen Rennradrahmen angepasst, da auch die Rennstrecken immer schneller werden“, weiß der Experte Schwedler, der selbst maßgeblich an der Entwicklung mit beteiligt ist. Insgesamt ist der Radstand eines Crossrads, das um die zehn Kilo – je nach Rahmenhöhe und Rahmenmaterial – auf die Waage bringt, kürzer. Damit es schneller um die Ecken geht, das Rad besser beherrscht wird im unwegsamen Gelände.
Powertraining im Gelände
Rund 1.100 Euro sind für solch ein Bike zu berappen. Eine Investition aber, die sich auszahlt. Denn wie erwähnt, ist man mit solch einem Crossrad auch auf der Straße schnell unterwegs und hält gegebenenfalls auch in der Trainingsgruppe mit. Was mit einem MTB deutlich schwerer fällt. Aber auch sportlich hat das „Crossbiken“, wie es im Neu-Deutsch heißt, durchaus seine Reize. Nicht umsonst sind die Crossrennen der Elite, ganz gleich ob national, international oder gar der Weltmeisterschaft, auf 60 Minuten begrenzt. Denn gefordert wird hier der ganze Körper. Je nach Wetterlage kann die Trainingseinheit von heute am nächsten Tag auf demselben Kurs ganz andere Anforderungen an die Muskulatur stellen. Nicht zu unterschätzen ist auch der fahrtechnische Aspekt, der auch für ambitionierte Triathleten ganz neue Reize setzt. Im unwegsamen Gelände, im Sand oder im Matsch, lernt der Athlet sein Rad besser zu beherrschen, was später im Wettkampf sehr nützlich sein kann. „Das Crossfahren ist sehr kraftorientiert“, weiß Jens Schwedler, der mit Freude sieht, dass in Hamburg große Trainingsgruppen mit bis zu 20 Aktiven durchs die Parks und Wälder hetzen. Insgesamt wird beim Crossen der ganze Körper beansprucht. Fahren, abspringen, Rad schultern, laufen, wieder aufspringen, Gleichgewicht halten – nicht umsonst trainieren die weltbesten Crossfahrer auch ihren Oberkörper. „Denn ohne dieses Training hast du keine Chance“, weiß Jens Schwedler, wovon er spricht.
Das Training auf dem Crossrad hat sich zu einem echten (Breiten)Sport entwickelt. Ständig steigende Teilnehmerzahlen bei den Lizenzrennen, vor allem aber bei den Hobbyrennen, wo bis zu 80 Crosser am Start stehen, beweisen einen deutlichen Aufwärtstrend. Auch die Zahl der Crossrennen in Deutschland nimmt immer weiter zu. Das Crossrad stellt eine echte Alternative zum normalen Trainingsalltag dar. Aufgrund seines Gewichts und seiner Bauweise ist es in fast jedem Terrain einfach und sicher zu bewegen. Ein bis zwei Stunden durch den Wald, so ganz ohne den kalten Zugwind, tun nicht nur der Kondition gut, sondern bringen eine Menge Spaß und eine gewisse Portion an Radbeherrschung.
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