Stoffwechsel: Mit welchem Benzin arbeitet der Organismus
S. Kräftner/biestmilch.com am 07.11.2005 - 20:07 Uhr
Stoffwechselregulation und Energieverteilung werden nicht allein durch Kalorienzufuhr geregelt. Es sind gut trainierte Regulationssysteme erforderlich, die den Körper auch dann in einem stabilen dynamischen Gleichgewicht halten, wenn die Leistungsgrenze ständig gereizt wird, um sie zu verschieben. Glukose ist der beste Brennstoff des Organismus, das heißt, das effizienteste Energietransportmolekül.
Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß können vom Organismus über unterschiedliche Stoffwechselwege in Glukose umgebaut werden. Welche Stoffwechselwege eingeschlagen werden, hängt vom Ausmaß der Stressbelastung und den zur Verfügung stehenden Depots ab. Der Körper besitzt Kohlenhydratspeicher in der Muskulatur und in der Leber, Fett wird im Fettgewebe und Muskel gespeichert, Eiweißdepots gibt es hingegen nicht. In Abhängigkeit von den körperlichen und/oder psychischen Belastungen bzw. Stressoren wird eine biologische Stressantwort ausgelöst, die Energie mobilisiert und verteilt. Diese Antwort gehorcht strengen Regeln der Regulation.
Kohlenhydrate: Das Superplus-Benzin
Umso mehr Kraft der Muskel erzeugen und umso rascher die Energie zur Verfügung stehen muss, desto stärker wird der Kohlenhydratstoffwechsel strapaziert (hochintensive Trainingseinheiten). Der Energiebedarf des Muskels steigt im Vergleich zum Ruhezustand bis auf das 100-fache an und wird zunehmend von der anaeroben Kohlenhydratverbrennung abhängig. Die Kohlenhydratspeicher im Muskel und in der Leber werden unter hoher Belastung als erstes verbraucht, da dieser Stoffwechselweg am wenigsten Energie kostet und auch ohne Sauerstoff, d. h. anaerob funktioniert.
Fette: Der Diesel
Eine zweite wichtige Energiequelle ist der Fettstoffwechsel. Dabei werden freie Fettsäuren in den Mitochondrien in Glukose umgebaut. Dieser Weg benötigt Sauerstoff und stellt die Energie weniger rasch bereit. Für den Sprinter ist diese Form der Energiebereitstellung zu langsam (Energie für Grundlagenausdauer).
Am Energie-konsumierendsten für den Körper ist die Energiegewinnung aus Eiweiß, dabei werden letztlich Aminosäuren in Glukose umgebaut. Wenn der Körper beginnt Muskeleiweiß aus der Muskelmasse zur Energiegewinnung abzubauen, dann liegt dem entweder Unter- oder Mangelernährung, oder aber eine chronische Erkrankung zugrunde. In der Regel halten sich die Abbau- und Aufbauprozesse (katabole und anabole) im Gleichgewicht und die Muskelmasse bleibt konstant. Die Eiweißsynthese im Muskel findet nur in Phasen der Ruhe statt. Erhöhte Stickstoffwerte im Harn deuten auf einen erhöhten Eiweißstoffwechsel hin. Energie wird beim Sportler jedoch nicht nur für Muskelarbeit benötigt, sondern zunächst für alle lebenswichtigen Körperfunktionen.
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