Under Pressure: Prinzip und Wirkung von Kompressionsbekleidung im Sport

Daniela Pezenburg am 04.05.2011 - 01:00 Uhr
Unser Herz transportiert täglich etwa 10.000 Liter Blut durch die Arterien zu den Organen und den Muskeln, durch die Venen kommt es schließlich wieder zurück. Die gradiente Kompression von Funktionsbekleidung macht sich genau dieses Prinzips zu Eigen und verbessert die Blutzirkulation. Der Effekt: Verbesserung der Muskelausdauer, der Muskelkraft und der Regenration durch erhöhten Sauerstofftransport.

Gradiente Kompression bedeutet, dass der Druck, den das Material auf den Körper ausübt, variiert. Er nimmt in Richtung der Hände und Füße zu. Das hat zwei entscheidende Effekte auf den Blutkreislauf. Es werden zum einen die Gefäßwände der Venen entlastet und somit der Transport des Blutes - entgegen der Schwerkraft – zum Herzen gefördert. Zum anderen wird die Durchblutung der Arterien gesteigert, denn die Muskulatur der Arterienwand reagiert auf Druckunterschiede. Als Folge der Erhöhung des Umgebungsdruckes durch die gradiente Kompression entspannt sich die Arterienmuskulatur. Der Durchmesser der Arterien weitet sich und die Durchblutung, wie auch die Sauerstoffversorgung der Muskulatur steigen.

Leistungssteigernde Wirkung
Die beiden Funktionsweisen der gradienten Kompression - die Entlastung der Venen und die Erhöhung des Arteriendurchmessers - wirken sich also direkt auf die Muskulatur aus. Die Hauptursachen von Muskelermüdung sind die Überhitzung durch die eigene Muskelarbeit und auch die Erschütterungen während sportlicher Aktivität, wie z.B. beim Laufen. Beide werden durch großen zusätzlichen Energieaufwand der Muskulatur und des Körpers reduziert. Für die Aufrechterhaltung der optimalen Körpertemperatur bei extremen äußeren Bedingungen wendet der Organismus bis zu 75 Prozent der energetischen Prozesse auf, um den Temperaturausgleich sicherzustellen. Es bleiben somit lediglich 25 Prozent für die Muskelarbeit übrig, die schließlich für das Erbringen der sportlichen Leistung zur Verfügung stehen. Die Vibrationen der Muskulatur mit jedem Schritt können nur bedingt kompensiert werden. Kompressionsbekleidung mit einer gradienten Kompression können die Muskelvibrationen verringern und zögern dadurch die Muskelermüdung hinaus, so die Hersteller.

Die bedeutenste Wirkung ist die Verbesserung der Blutzirkulation und die damit einhergehend verbesserte Durchblutung der Muskulatur. Sauerstoff wird dadurch schneller in den Muskel transportiert und kann von ihm besser aufgenommen werden. Der Sauerstoffverbrauch der Muskulatur verringert sich und führt auch dazu, dass die Leistungsfähigkeit, sowie der Ausdauer und Muskelkraft erhöht werden.

Durch den graduell abgestuften Druck wird das sauerstoffarme Blut der Venen zum Herzen hin gedrückt und der Blutrückfluss im venösen System verbessert sich um mehr als 30 Prozent. Laktat und andere Stoffwechselprodukte werden schneller vom Muskel abgebaut und besser entsorgt. Die Regeneration wird dadurch beschleunigt, kleine Muskelschäden werden zügiger repariert und Muskelschmerzen reduziert.

Eine Frage des Materials
Eine zusätzliche Wirkung von Kompressionsbekleidung ist der erwähnte Kühlungseffekt. Durch die Kombination spezieller, funktioneller Garne wird der Transport des Schweißes durch die enganliegenden Textilien gefördert und die Körpertemperatur besser reguliert.

Die enganliegende Passform von Kompressionskleidung bietet einen verbesserten Muskel- und Gewebehalt. So können nicht nur Schäden an Muskeln, Bänder und Sehnen aufgrund der sportlichen Aktivität verringert werden, auch das Anschwellen der Muskeln mit einhergehender Wassereinlagerung nach dem Sport kann dadurch reduziert werden. Die Auswirkungen des sogenannten Muskelkaters nehmen in Stärke und Dauer merklich ab.

Für eine optimale Wirkung der Kompression ist eine entsprechende Stärke des verwendeten Materials, der Garn-Elastan-Kombination entscheidend, der Einsatz eines, zum Herzen hin, graduierten Schnittes und eine individualisierte Passform. Die Kompression muss so angepasst sein, dass sie einen ausgewogenen, genauen Druck auf die Oberfläche Körperteiles ausübt. Bei Kompressionsstrümpfen ist diese am Fußgelenk am stärksten und nimmt zur Wade hin ab. Nur so kann eine Steigerung der Blutzirkulation erreicht werden, und die Leistungsfähigkeit deutlich verbessert und verlängert werden.
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