Überm Berg - (Sehn)sucht nach Leben
Jürgen Fais für tri2b.com am 02.06.2008 - 15:05 Uhr
...“Nun, ich kann es immer noch nicht fassen, dass wir so was Verrücktes vorhaben. Ich weiß aber, seitdem Jürgen die Idee vorgeschlagen hat, hatte ich eine schlaflose Nacht, einen Haufen neuer Energie und ein neues, supergeiles Ziel!!! Ich freue mich auch darauf, mich mit Euch auf den besonderen Weg zu machen!...“
(Peter Nowak)
Ende 2005 entstand die Idee zu einem ungewöhnlichen Projekt „Über´m Berg“.
Ist es möglich, im Abstand von nur ganz wenigen Wochen an 3 der härtesten und längsten Bergläufe der Welt teilzunehmen (insgesamt 278 km mit 12620 Höhenmeter)? Welche Motivation treibt einen, sich diesen großen Anstrengungen zu stellen? Was ist der Sinn eines solchen Unterfangen, und was ist der Lustgewinn? Was bedeutet es, sich auf den Weg zu machen, neue Grenzen zu entdecken, mit dem Wissen, dass es keine Garantie fürs Gelingen gibt?
Das Besondere der Teilnehmer ist, dass sie noch vor wenigen Jahren schwerst suchtmittelabhängig waren. Eine gesunde konstruktive Lebensgestaltung war im „früheren Leben“ nicht gegeben. Vielmehr war das Leben mit der Sucht ein permanenter Ritt auf der Rasierklinge. Nach dem völligen Absturz folgte der Versuch des Ausstiegs, und die Sehnsucht nach Leben wurde gegenwärtig. Der Weg ins Normale, in die Ordnung war langwierig und voller Hindernisse.
2006 machen sich vier Menschen auf den Weg und ich wurde Zeuge einer wunderbaren Geschichte...
„Über´m Berg“ beschreibt die unterschiedlichen Lebensformen, deren Parallelen und die Veränderungen. Es beschreibt Berge und Täler, die es zu überwinden gab. Die Entdeckung der inneren und äußeren Bewegung und die Suche nach Sinn und dem gesunden Kick.
„Über´m Berg“ beschreibt das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen, Freude und Trauer, Sieg und Niederlage, Zweifel und Hoffnung, Jubel und Verzweiflung.
„Ein Vorbild ist für mich ein Mensch dann, wenn er in Bewegung ist oder sich beginnt zu bewegen. Das ist nicht nur auf das Laufen bezogen. Hier fällt mir immer wieder als Beispiel Goethes Faust ein. Der Vertrag zwischen Faust und dem Teufel ist bei Goethe erst dann eingelöst, wenn Faust keinen Bewegungsdrang mehr verspürt, wenn er verweilen möchte. Damit meine ich nicht, dass ich mich immer aktiv in Bewegung befinden muss. Meditation hat auch sehr viel mit Bewegung zu tun. Für mich bedeutet Bewegung das Gegenteil von Resignation. Immer in Bewegung zu bleiben bedeutet für mich, zu versuchen, mein Leben zu gestalten, Freude am Leben zu haben, meinem Leben einen für mich akzeptablen Sinn zu geben. Wenn ich dazu nicht mehr die Lust verspüre, dann habe ich meine Seele dem „Teufel“ verschrieben. Alkohol war einer davon.“ (Roland Halder)
Leseprobe: Über´m Berg - (Sehn)sucht nach Leben
„….Peter hat einen Traum, den er verfolgt. Und was ist mit meinem Traum? Soll ich alleine weiter machen oder soll ich aufhören? Jürgen sagte mal, dass wir Vorbilder wären. Und kann ein Vorbild so einfach auf einem Stein sitzen und überlegen, ob er einfach alles hinschmeißen soll? Aber kann ich überhaupt einfach so ein Vorbild sein? Und möchte ich überhaupt ein Vorbild sein?
Wenn ich persönlich eine Person als Vorbild hätte, würde ich ihr nicht gerecht werden, denn ich würde nur aus meinem Blickwinkel die Sahnehäubchen dieser Person herauspicken und alles einfach ignorieren, was ebenfalls zu dieser Person gehört und ihren Charakter ausmacht. Bereits 1629 bezeichnete Francis Bacon in seinem Werk »Novum Organum« Idole als Vorurteile, die der wahren, wissenschaftlichen Erkenntnis der Natur im Wege stehen. Auch wenn es hier nicht um die Frage der Wissenschaftlichkeit geht, so verdeutlicht der Ansatz von Bacon, dass Idole der eigenen Entfaltung im Weg stehen. Warum soll ich jemandem nacheifern, der ich nicht bin?
Natürlich habe ich vor den Leistungen, die jemand erbringt, sehr großen Respekt, und es freut mich, wenn jemand etwas Außergewöhnliches vollbracht hat. Dabei spielt es für mich keine Rolle, ob es dabei um einen Weltrekord geht, oder ob es um eine gute persönliche Leistung handelt. Beides ist bewundernswert. Motivieren kann mich ein Mensch dann, wenn er in Bewegung ist oder sich beginnt zu bewegen. Das ist nicht nur auf das Laufen bezogen. Es geht um Bewegung jeglicher Art. Hier fällt mir immer wieder als Beispiel Goethes Faust ein. Der Vertrag zwischen Faust und dem Teufel ist bei Goethe dann erst eingelöst, wenn Faust keinen »Bewegungsdrang« mehr verspürt, wenn er bleiben möchte. Damit meine ich nicht, dass ich mich immer aktiv in Bewegung befinden muss. Meditation hat auch sehr viel mit Bewegung zu tun. Für mich bedeutet Bewegung das Gegenteil von Resignation. Immer in Bewegung zu bleiben, bedeutet für mich, zu versuchen mein Leben zu gestalten, Freude am Leben zu haben, meinem Leben einen für mich akzeptablen Sinn zu geben, auch wenn es auf den ersten Blick nicht danach aussieht.
In der griechischen Mythologie muss Sisyphus nach seinem Tod im Tartarus einen Felsblock einen Berg hinaufschieben. Jedes Mal, wenn er fast oben ist, rollt der Stein wieder ganz nach unten und er muss wieder von neuem beginnen. Tag aus, Tag ein! Auf den ersten Blick ist das sehr trostlos. Immer dieselben schweren Mühen, wohl wissentlich, dass es sinnlos ist, denn die Erfahrung zeigt, dass der Felsblock niemals nach oben gelangen wird. Das ist jedoch nur eine Sichtweise. Die andere Sichtweise beinhaltet die Option, dass sich der Stein aufgrund der unendlichen Versuche von Sisyphus irgendwann bis zu einem kleinen Kieselsteinchen abreiben wird. Dieses kleine Steinchen kann er dann einfach wegschnippen und erhobenen Hauptes davonmarschieren. Und das ist nicht trostlos. Diese Überlegung verdeutlicht mir immer, dass sich auch andere Türen öffnen, die auf den ersten Blick nicht unbedingt zu sehen sind. Damit ich sie aber sehen kann, muss ich in Bewegung bleiben, sei es körperlich oder geistig.
Wenn ich nun unbedingt einen Namen nennen müsste, dann ist es für mich Moses. Ich meine aber nicht Edwin Corley Moses, den zweimaligen Weltmeister und Olympiasieger in 400 Meter Hürden. Nein, ich meine den Moses aus der Bibel. Was dieser Mann so alles vollbracht hat. Zuerst geht er zehnmal zu dem damals mächtigsten Menschen der Welt und stellt eine Forderung. Ich hätte mich das nie getraut, auch wenn ich dasselbe Gottvertrauen gehabt hätte wie er. Was für eine positive Einstellung muss er gehabt haben? Dann marschierte er noch 40 Jahre mit einem großen Volk voll Jammerer und Nörgler durch die Wüste und musste sich ständig solche Aussagen anhören wie: „wir haben Hunger!“ … „wir haben Durst!“ …“wie lange dauert das noch?“. Jedes Mal wenn sie zickten, kümmerte er sich um sie und organisierte für sie was zu essen oder zu trinken, ohne irgendetwas für sich selber von ihnen zu fordern. Und hat sich jemand schon mal die Mühe gemacht und gezählt, wie oft dieser Mann den Sinai (Horeb) hinaufgelaufen ist? Und das alles ohne Verpflegungsstation, ohne spezielles Training, ohne Hightech Schuhe und bei seinem Alter! Ich möchte jetzt keine Diskussion über die Lokalisierung dieser Berge beginnen. Wenn ich aber annehme, dass mit diesen beiden Bergen der heutige Berg Djebel Katrinah gemeint ist, dann hat Moses jedes Mal so 2637 Höhenmeter zurückgelegt. Dabei schleppte er auch noch ab und an zwei schwere Steintafeln mit sich und das alles noch freiwillig! Er hätte auch, nachdem er sah, was die andern am Fuße des Berges machten, alles hinschmeißen können. Aber er machte weiter. Das ist für mich eine vorbildliche Leistung an Motivation und Durchhaltevermögen, Ausdauer und positiver Energie.
Wie sieht es hier und jetzt mit meiner positiven Einstellung aus? Wie sieht es mit meiner Bewegung aus? Ich sitze hier an diesem Platz. Allerdings ist dieser Stillstand nur äußerlich, innerlich überlege ich ununterbrochen, ob ich weiter machen soll. Soll ich zu Ende bringen, was mit dem Zermattmarathon angefangen hat? …..“
Die DVD ist im Neuland Verlag erschienen und kostet 29,90 €
(Peter Nowak)
Ende 2005 entstand die Idee zu einem ungewöhnlichen Projekt „Über´m Berg“.
Ist es möglich, im Abstand von nur ganz wenigen Wochen an 3 der härtesten und längsten Bergläufe der Welt teilzunehmen (insgesamt 278 km mit 12620 Höhenmeter)? Welche Motivation treibt einen, sich diesen großen Anstrengungen zu stellen? Was ist der Sinn eines solchen Unterfangen, und was ist der Lustgewinn? Was bedeutet es, sich auf den Weg zu machen, neue Grenzen zu entdecken, mit dem Wissen, dass es keine Garantie fürs Gelingen gibt?
Das Besondere der Teilnehmer ist, dass sie noch vor wenigen Jahren schwerst suchtmittelabhängig waren. Eine gesunde konstruktive Lebensgestaltung war im „früheren Leben“ nicht gegeben. Vielmehr war das Leben mit der Sucht ein permanenter Ritt auf der Rasierklinge. Nach dem völligen Absturz folgte der Versuch des Ausstiegs, und die Sehnsucht nach Leben wurde gegenwärtig. Der Weg ins Normale, in die Ordnung war langwierig und voller Hindernisse.
2006 machen sich vier Menschen auf den Weg und ich wurde Zeuge einer wunderbaren Geschichte...
„Über´m Berg“ beschreibt die unterschiedlichen Lebensformen, deren Parallelen und die Veränderungen. Es beschreibt Berge und Täler, die es zu überwinden gab. Die Entdeckung der inneren und äußeren Bewegung und die Suche nach Sinn und dem gesunden Kick.
„Über´m Berg“ beschreibt das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen, Freude und Trauer, Sieg und Niederlage, Zweifel und Hoffnung, Jubel und Verzweiflung.
„Ein Vorbild ist für mich ein Mensch dann, wenn er in Bewegung ist oder sich beginnt zu bewegen. Das ist nicht nur auf das Laufen bezogen. Hier fällt mir immer wieder als Beispiel Goethes Faust ein. Der Vertrag zwischen Faust und dem Teufel ist bei Goethe erst dann eingelöst, wenn Faust keinen Bewegungsdrang mehr verspürt, wenn er verweilen möchte. Damit meine ich nicht, dass ich mich immer aktiv in Bewegung befinden muss. Meditation hat auch sehr viel mit Bewegung zu tun. Für mich bedeutet Bewegung das Gegenteil von Resignation. Immer in Bewegung zu bleiben bedeutet für mich, zu versuchen, mein Leben zu gestalten, Freude am Leben zu haben, meinem Leben einen für mich akzeptablen Sinn zu geben. Wenn ich dazu nicht mehr die Lust verspüre, dann habe ich meine Seele dem „Teufel“ verschrieben. Alkohol war einer davon.“ (Roland Halder)
Leseprobe: Über´m Berg - (Sehn)sucht nach Leben
„….Peter hat einen Traum, den er verfolgt. Und was ist mit meinem Traum? Soll ich alleine weiter machen oder soll ich aufhören? Jürgen sagte mal, dass wir Vorbilder wären. Und kann ein Vorbild so einfach auf einem Stein sitzen und überlegen, ob er einfach alles hinschmeißen soll? Aber kann ich überhaupt einfach so ein Vorbild sein? Und möchte ich überhaupt ein Vorbild sein?
Wenn ich persönlich eine Person als Vorbild hätte, würde ich ihr nicht gerecht werden, denn ich würde nur aus meinem Blickwinkel die Sahnehäubchen dieser Person herauspicken und alles einfach ignorieren, was ebenfalls zu dieser Person gehört und ihren Charakter ausmacht. Bereits 1629 bezeichnete Francis Bacon in seinem Werk »Novum Organum« Idole als Vorurteile, die der wahren, wissenschaftlichen Erkenntnis der Natur im Wege stehen. Auch wenn es hier nicht um die Frage der Wissenschaftlichkeit geht, so verdeutlicht der Ansatz von Bacon, dass Idole der eigenen Entfaltung im Weg stehen. Warum soll ich jemandem nacheifern, der ich nicht bin?
Natürlich habe ich vor den Leistungen, die jemand erbringt, sehr großen Respekt, und es freut mich, wenn jemand etwas Außergewöhnliches vollbracht hat. Dabei spielt es für mich keine Rolle, ob es dabei um einen Weltrekord geht, oder ob es um eine gute persönliche Leistung handelt. Beides ist bewundernswert. Motivieren kann mich ein Mensch dann, wenn er in Bewegung ist oder sich beginnt zu bewegen. Das ist nicht nur auf das Laufen bezogen. Es geht um Bewegung jeglicher Art. Hier fällt mir immer wieder als Beispiel Goethes Faust ein. Der Vertrag zwischen Faust und dem Teufel ist bei Goethe dann erst eingelöst, wenn Faust keinen »Bewegungsdrang« mehr verspürt, wenn er bleiben möchte. Damit meine ich nicht, dass ich mich immer aktiv in Bewegung befinden muss. Meditation hat auch sehr viel mit Bewegung zu tun. Für mich bedeutet Bewegung das Gegenteil von Resignation. Immer in Bewegung zu bleiben, bedeutet für mich, zu versuchen mein Leben zu gestalten, Freude am Leben zu haben, meinem Leben einen für mich akzeptablen Sinn zu geben, auch wenn es auf den ersten Blick nicht danach aussieht.
In der griechischen Mythologie muss Sisyphus nach seinem Tod im Tartarus einen Felsblock einen Berg hinaufschieben. Jedes Mal, wenn er fast oben ist, rollt der Stein wieder ganz nach unten und er muss wieder von neuem beginnen. Tag aus, Tag ein! Auf den ersten Blick ist das sehr trostlos. Immer dieselben schweren Mühen, wohl wissentlich, dass es sinnlos ist, denn die Erfahrung zeigt, dass der Felsblock niemals nach oben gelangen wird. Das ist jedoch nur eine Sichtweise. Die andere Sichtweise beinhaltet die Option, dass sich der Stein aufgrund der unendlichen Versuche von Sisyphus irgendwann bis zu einem kleinen Kieselsteinchen abreiben wird. Dieses kleine Steinchen kann er dann einfach wegschnippen und erhobenen Hauptes davonmarschieren. Und das ist nicht trostlos. Diese Überlegung verdeutlicht mir immer, dass sich auch andere Türen öffnen, die auf den ersten Blick nicht unbedingt zu sehen sind. Damit ich sie aber sehen kann, muss ich in Bewegung bleiben, sei es körperlich oder geistig.
Wenn ich nun unbedingt einen Namen nennen müsste, dann ist es für mich Moses. Ich meine aber nicht Edwin Corley Moses, den zweimaligen Weltmeister und Olympiasieger in 400 Meter Hürden. Nein, ich meine den Moses aus der Bibel. Was dieser Mann so alles vollbracht hat. Zuerst geht er zehnmal zu dem damals mächtigsten Menschen der Welt und stellt eine Forderung. Ich hätte mich das nie getraut, auch wenn ich dasselbe Gottvertrauen gehabt hätte wie er. Was für eine positive Einstellung muss er gehabt haben? Dann marschierte er noch 40 Jahre mit einem großen Volk voll Jammerer und Nörgler durch die Wüste und musste sich ständig solche Aussagen anhören wie: „wir haben Hunger!“ … „wir haben Durst!“ …“wie lange dauert das noch?“. Jedes Mal wenn sie zickten, kümmerte er sich um sie und organisierte für sie was zu essen oder zu trinken, ohne irgendetwas für sich selber von ihnen zu fordern. Und hat sich jemand schon mal die Mühe gemacht und gezählt, wie oft dieser Mann den Sinai (Horeb) hinaufgelaufen ist? Und das alles ohne Verpflegungsstation, ohne spezielles Training, ohne Hightech Schuhe und bei seinem Alter! Ich möchte jetzt keine Diskussion über die Lokalisierung dieser Berge beginnen. Wenn ich aber annehme, dass mit diesen beiden Bergen der heutige Berg Djebel Katrinah gemeint ist, dann hat Moses jedes Mal so 2637 Höhenmeter zurückgelegt. Dabei schleppte er auch noch ab und an zwei schwere Steintafeln mit sich und das alles noch freiwillig! Er hätte auch, nachdem er sah, was die andern am Fuße des Berges machten, alles hinschmeißen können. Aber er machte weiter. Das ist für mich eine vorbildliche Leistung an Motivation und Durchhaltevermögen, Ausdauer und positiver Energie.
Wie sieht es hier und jetzt mit meiner positiven Einstellung aus? Wie sieht es mit meiner Bewegung aus? Ich sitze hier an diesem Platz. Allerdings ist dieser Stillstand nur äußerlich, innerlich überlege ich ununterbrochen, ob ich weiter machen soll. Soll ich zu Ende bringen, was mit dem Zermattmarathon angefangen hat? …..“
Die DVD ist im Neuland Verlag erschienen und kostet 29,90 €
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