Das Energieversorgungs- Ernergiedefizit Modell

S. Kräftner für tri2b.com am 17.09.2007 - 14:54 Uhr
Ob die Kohlenhydratmast nach Saltin, ob Nudelpartys oder Dextrane, ob Gele oder Softdrinks aus einfachen Zuckern, ihnen allen liegt ein und die selbe Logik zugrunde, nämlich den Körper mit schnell verfügbarer Energie aufzufüllen. Kohlenhydrate bzw. Glukose gilt als effizientestes Transportmolekül für das energiereiche Molekül ATP, das für Muskelkontraktionen unbedingt benötigt wird. Neben dem Engpass Sauerstoff könnte also auch der ATP-Nachschub ein limitierender Faktor für die muskuläre Leistungssteigerung sein und somit ein ATP-Defizit eine Ursache für Müdigkeit und Erschöpfung.

Nach diesem trainingsphysiologischen Ansatz muss es Ziel eines jeden Trainings sein, die Energieliefernden Systeme des Körpers optimal an die Anforderungen der jeweiligen Sportart anzupassen, also Energie möglichst ökonomisch in Bewegung umzusetzen. Zu den Stoffwechselwegen, die trainiert werden müssen, gehören die der energiereichen Phosphatverbindungen, der sauerstoffunabhängige Kohlenhydratstoffwechsel, der aerobe Kohlenhydratstoffwechsel sowie der sauerstoffabhängige Fettstoffwechsel. Nach diesen Überlegungen gilt der Sportler als leistungsstärker, der über den Stoffwechselweg, der bei seiner Sportart dominiert, mehr und effizienter ATP generieren kann. Daher rührt die Annahme, dass Sprinter vor allem in der Lage sind, ATP aus den intramuskuluären Phosphatspeichern und aus der sauerstoffunabhängigen Glykolyse (Kohlenhydratabbau) zu erzeugen, wogegen ein Ultramarathonläufer dann leistungsstärker ist, wenn er seine Ernergie aus der sauerstoffabhängigen Fettverbrennung holt. In einem Wort, der Muskel hört auf zu arbeiten, wenn kein ATP mehr da ist. In diesem Fall käme es zur Muskelstarre. Nun haben aber Untersuchungen unter extremen Bedingungen ergeben, dass die ATP-Konzentration nie unter 60 Prozent des Ruhewertes absinkt. ATP in der Zelle fällt ganz selten unter 70 Prozent. Der Schluss aus diesen Ergebnisse ist einfach: ATP hat nichts mit dem Prozess der Erschöpfung und der Leistungsgrenze zu tun. Übrigens auch der pH-Wert - ein Indikator dafür, wie sauer ein Muskel sein darf - zeigt so breite Schwankungen zwischen den Individuen, dass daraus auch keine direkten Schlüsse auf die Leistungsgrenze gezogen werden können. Vielmehr ergab eine Studie, dass weder Laktatazidose noch ATP-Mangel zum Leistungsabbruch führten, sondern eine fehlerhafte Koppelung von Muskelerregung und Kontraktion. Dieses Model, das die mangelnde Energieversorgung des Muskels ins Zentrum stellt, hat also ebenso gravierende Schwächen wie das »Sauerstoff-Versorgungs-Modell.



Leere Kohlenhydratspeicher bestimmen die Leistungsgrenze nicht alleine
Auch die Ergebnisse der zu dieser Fragestellung durchgeführten Studien sind nicht eindeutig, obwohl an der Bedeutung der Kohlenhydrate deshalb keiner zweifeln muss. Nur zum allein selig machenden Dogma sollte man sie nicht erheben. Es heisst allgemein, wenn die Kohlenhydratspeicher der Leber leer sind, dann ist die Leistungsgrenze erreicht. Warum erholen sich Sportler dann so schnell von einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) und sind umgehend in der Lage, ihr Training wieder aufzunehmen?
Natürlich berichten viele Untersuchungen über den Zusammenhang zwischen dezimierten Kohlenhydratspeichern im Muskel nach langer Belastung und vorhandener Erschöpfung. Das bedeutet jedoch noch lange nicht, dass hier ein linear-kausaler Zusammenhang vorliegt. Über die Ergebnisse der Studien zum Carboloading lässt sich ebenfalls streiten, ein Placebo-Effekt ist hier nicht auszuschließen. Denn es gibt auch Untersuchungen bei Athleten, die nach einem Carboloading nach etwa vier Stunden das Training wegen Erschöpfung abbrachen und dabei die selben Kohlenhydratkonzentrationen im Muskel aufwiesen wie eine Stunde zuvor, als sie noch keine Erschöpfungssymptome verspürten.

Ohne Zweifel sind Kohlenhydrate wichtiger Brennstoff, aber sie sind sicher nicht allein für die Erschöpfungszustände, den Leistungsabbruch und die Leistungsgrenze des Sportlers verantwortlich. Keine Studie scheint bisher belegen zu können, dass Training die Ausdauerleistungsfähigkeit deshalb verbessert, weil vermehrt Kohlenhydratspeicher im Körper angelegt würden.

Woher kommt die Energie im Langdistanztriathlon
Leistungen, wie sie bei einem IRONMAN abrufbar werden, lassen sich durch dieses Modell überhaupt nicht erklären, speziell nicht die Laufleistung am Ende. Wäre ein Speicherdefizit vorhanden, dann dürfte eine Laufleistung von mittlerer Intensität gar nicht mehr möglich sein. Nach Laboruntersuchungen zu schließen, müsste ein Athlet der die Radstrecke mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 40 km/h zurücklegt, längst leere Kohlenhydratspeicher haben, dennoch können die Besten die Laufstrecke mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 16 km/h bewältigen. Das entspricht einer Leistungsintensität von >66% VO2max. Eine Ausdauerbelastung von bis zu sechs Stunden übersteigt die Kapazität der Speicher in Leber und Muskel, so schätzt man, um bis zu 100 Prozent. Es wird deshalb diskutiert, ob nicht zusätzlich möglicherweise Laktat aus den inaktiven Muskeln verbrannt (verstoffwechselt) wird. Eine andere ebenso plausible Theorie postuliert, dass der Athlet, der in der Lage ist, Fett optimaler zu verbrennen, bessere Leistungen abrufen kann.
Weiterführende Informationen:
Website von biestmilch.com
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