Verletzt – Nicht jetzt: Wovon hängt die Belastungsverträglichkeit im Triathlontraining ab?

Wolfgang Bunz für tri2b.com am 01.03.2009 - 22:52 Uhr
Besonders verletzungsanfällig: Die Laufdisziplin
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Kennst Du das? Wenn der Körper nicht so will wie der Kopf vorgibt? Wie ich euch (und mich) kenne, reicht unsere Motivation locker für fünf Verletzungen im Vorfeld unseres Saisonhighlights, dem Ironman.

Wer sich eine Langdistanz vorgenommen hat, kommt nicht daran vorbei, seinen Körper an die Grenze seiner Belastbarkeit zu bringen. Selbst wer „nur“ ankommen will, steht vor dieser Herausforderung. Es ist halt keine Kurzdistanz, die man leicht wegsteckt. Der goldene Mittelweg zwischen Maximal- und Überbelastung ist also das Ziel. Und diesen Weg zu finden ist die große Kunst des Trainings.

Warum passiert die Verletzung?
Unser Körper ist ein vernetztes und sich ergänzendes System. Diese Systeme sind z.B. unsere Gelenke, Muskeln oder unser Stoffwechsel. Wenn alle Systeme gleich gut funktionieren, bringen wir optimale Leistung. Aber das ist Wunschtraum. Wir alle haben Schwachstellen. Je weiter wir die Belastung in Richtung Maximum schrauben, desto deutlicher treten einzelne Schwachstellen hervor. Mag auch der ganze Körper kein Problem mit 70 Laufkilometern pro Woche haben, allein die Achillessehne kann diesem Vorhaben ein Ende setzen. Du willst die Sehne zum Gehorsam zwingen? Glaub mir, sie ist stärker als Dein Wille. Verletzung ist die Folge. Der Körper nimmt sich die Pause, die er braucht.

Alle anderen trainieren mehr. Wieso trifft es gerade mich?
Du liest in Magazinen von Leuten, die dreimal so viel trainieren wie Du und das problemlos wegstecken? Auch Deine Trainingspartner sind scheinbar belastbarer? Die Verletzung aber trifft gerade Dich. Was läuft falsch?

Vorausgeschickt – ich würde nicht allen Berichten von riesigen Trainingsumfängen glauben. Dennoch lässt sich die individuelle Belastbarkeit auf folgenden Faktor reduzieren:

Deine Ressourcen – Was hast Du zu bieten?
Ressourcen sind die Energiequellen, die wir für unser Projekt Langdistanz zur Verfügung haben. Die gute Nachricht ist: Nur auf einen Faktor – Talent oder genetische Voraussetzung – haben wir keinen Einfluss. Alles andere ist planbar und trainierbar. Hier eine Liste unserer wichtigsten Ressourcen:

1. Talent
Dieses Wort birgt eine Menge Neidpotential. Und in kaum einer Sportart ist das Thema so präsent wie im Triathlon. Wer ist schon für alle drei Disziplinen gemacht? Nicht jeder von uns ist muskulär und in Bezug auf seinen Körperbau optimal ausgestattet. Trotzdem lieben wir diesen Sport. Machen wir einfach das Beste aus dem, was wir haben und vergleichen wir uns nicht zu sehr mit Leuten, die bessere genetische Voraussetzungen haben als wir.

2. Substanz
Man könnte hier auch den Begriff Erfahrung nennen. Wie viele Jahre hat ein Mark Allen gebraucht, um ganz an die Spitze zu kommen? Sein Körper und seine Psyche haben über die Jahre gelernt, mit Trainings- und Wettkampfsituationen umzugehen. Natürlich kann jemand, der seit Jahren auf den Langdistanzen der Welt unterwegs ist, größere Umfänge verkraften als ein Neuling. Er hat unverhältnismäßig mehr Trainingskilometer und -stunden kumuliert. Es macht Sinn, das einzusehen und sich langsam an seinen Maximalumfang heranzutasten. Ein 3- oder 5-Jahresplan ist da nicht verkehrt. Der Ironman ist ein Großprojekt, das solche Planungszeiträume rechtfertigt. Das schließt einen früheren Wettkampfstart nicht aus, aber es bewertet ihn anders. Ein erster IRONMAN ist immer ein Test.

3. Körperliche Voraussetzungen
Bist Du wirklich Athlet? Hier ist Deine Konsequenz gefragt, um Dein Kraftpotential, Deine Beweglichkeit, Deine motorischen Fähigkeiten, Dein Balance- und Körpergefühl auf EIN gemeinsames Level zu heben.

Ein paar einfache Tests finden Sie hier ...

4. Ernährung
Muss ich dazu viel sagen? Der Körper ist bei Höchstbelastung permanent dabei, zu reparieren, zu erweitern, aufzubauen, abzutransportieren, zu versorgen etc. Unser Körper braucht Baustoffe, Hilfsmittel, Flüssigkeit und Energie für diese Aufgaben. Woher soll er diese nehmen wenn nicht über die Nahrung? Natürlich sind saubere Ernährungsgewohnheiten essentiell, um Verletzungen zu vermeiden.


5. Psychohygiene
Wir sprechen bei Trainingsreizen von Stress, Stress im Sinn von Belastung. Zu viel Stress bewirkt Überbelastung. Auf diese reagiert, wie oben angesprochen, der Körper mit Verletzung. Er nimmt sich die Pause zur Regeneration. Aber gibt es nicht noch andere Stressfaktoren, die ihre Pause einfordern? Zu wenig Schlaf, Termindruck im Job, familiäre Verpflichtungen etc.? Hier steckt eine Menge Potential, durch Planung und Vereinfachung Druck aus unserem Lebensgefüge zu nehmen, uns Zeit für regenerative Maßnahmen zu gönnen oder zumindest unseren Regenerationsbedarf nicht noch künstlich zu erhöhen.

Jede Verletzung, wenn nicht durch äußere Faktoren beigefügt, ist die Folge mangelnder Erfahrung und/oder Übermotivation. Ich selbst war immer wieder verletzt und weiß daher, wovon ich spreche. Die besten Saisons waren die ohne Zwangspausen. In diesem Sinn wünsche ich euch eine verletzungsfreie Triathlonsaison.
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