Specials Events 2008 Hexal Alpen-Triathlon am Schliersee

Schliersee Swim Exit

Anspruchsvoller Radkurs

Faris Al-Sultan

HEXAL Alpentriathlon

2003: Fest in spanischer Hand

tri2b.com - Redaktion am 27.07.2003 - 17:35 Uhr

Als in brütender Mittagshitze Eva Bramböck mutterseelenallein, nicht weit hinter den schnellen Männern, den Spitzingsee auf 1100 Metern Höhe erreichte, tippten auch Skeptiker auf den Tagessieg der Österreicherin. Bramböck hatte bereits beim Schwimmen die Initiative übernommen und ihre Konkurrentinnen seitdem als Solistin deutlich auf Distanz gehalten.

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Der Handvoll internationaler Spitzenathletinnen und 24 Ligastarterinnen gelang es tatsächlich, sich in der 1500 Meter langen Auftaktdisziplin zu verzetteln: „Bei 500 Metern gab es eine Prügelei, da bin ich abgehauen“, erklärte Eva Bramböck später ihr Schwimmsolo vor einem kompakten Verfolgerfeld. Nach gut 21 Minuten kam die Frau aus dem Alpen-Nachbarland in die erste Wechselzone - nach einem Blitzstart um die ersten Kurven der Radstrecke im Kurort Schliersee war sie schon außer Sicht.

Suys setzt allein nach
Dahinter versuchte die Schliersee-Siegerin von 1999, Mike Suys (BEL), die Verfolgung zu organisieren, doch war auch sie nach einigen Kilometern auf sich allein gestellt. Denn Radspezialistin Ute Schäfer lag nach dem Schwimmen noch weiter zurück als ihre starke Teamkollegin Merija Kiwirante. Und deren Unterstützung hätte Suys auf dem Weg nach vorn dringend gebrauchen können.

Weniger konnte die Belgierin dagegen mit jenem Namen anfangen, der ihr in der langen Steigung hoch zum Spitzingsattel genannt wurde: Marina Damlaimcourt, eine 23-jährige Spanierin, fuhr in dem bis 13 Prozent steilen Schlussanstieg auf Sichtweite heran. Vor vier Jahren war Damlaimcourt aus der Leichtathletik zum Triathlon gekommen, bestreitet aber nach fast zweijähriger Verletzungspause erst ihre zweite ernsthafte Rennsaison.

Niemand warnt Bramböck
Tatsächlich war die Spanierin bis dahin so unauffällig unterwegs, dass auch Bramböcks Betreuer nicht rechtzeitig warnen konnten. Und während die laut schimpfende Suys ihre Laufschuhe nicht finden konnte und dabei fast eine Minute verlor, stürmte Damlaimcourt mit Tagesbestzeit hinter Bramböck über die selektive Laufstrecke um den Spitzingsee.

Drei Minuten schneller als die Österreicherin, auch zwei Minuten besser als die später viertplatzierte Fiona Docherty (NZL) war die Spanierin unterwegs. Schon nach vier Laufkilometern übernahm sie die Spitze und jubelte im Ziel über den gelungenen Coup: „Das ist für mich selbst eine riesige Überraschung und der größte Sieg in meiner Karriere“.

Riederau einsam vorn
Suys (2:25:10) musste am Ende hart kämpfen, um die heranstürmende Docherty (2:25:21) noch auf Distanz zu halten. Kiwirante (2:25:53) als Fünfte vor der Tschechin Jana Jirousková und Ute Schäfer (Siebte in 2:31:50) sicherten dem PZM Team SC Riederau einen weiteren, vollkommen unangefochtenen Mannschaftssieg, während der Erzkonkurrent asics team Witten diesmal nur Rang drei erreichte.

Das Männerrennen

Der Weltranglisten-78. Hector Llanos beendete seine Premiere am Schliersee als Tagessieger und ließ vier früheren Helden des Alpenklassikers keine Chance. In der Triathlon-Bundesliga hat dagegen das Hansgrohe Team Schramberg den Titel so gut wie sicher.

Für den ersten Paukenschlag im Rennen der Männer-Elite sorgte nach 18:41 Minuten Youngster Christian Ruderer (ebm Team Hohenlohe). Der DTU-Nachwuchsmann war „der ziemlichen Prügelei“ an der ersten Wendeboje als Einziger entkommen und verschaffte sich nach 1500 Metern für den Wechsel einen gut zehnsekündigen Vorteil gegenüber Schwimmcracks wie Shane Reed (Hansgrohe Schramberg), Faris Al-Sultan (asics Witten) und Roland Knoll (TSV Obergünzburg). Überraschend lag Thomas Hellriegel (Witten) nach dem Neopren-losen Auftakt nur eine gute Minute zurück.

Hellriegel schnell vorne dran
Für den noch rekonvaleszenten Lanzarote-Sieger und Frankfurt-Sechsten war es eine ideale Ausgangsposition, denn der 40 Kilometer lange Radkurs an der Grenze der Hochalpen gehört zu den schwersten im internationalen Rennkalender. Auch dem Spanier Llanos, nach dem Schwimmen nur auf Rang 37, gelang in „den kurzen, aber richtig steilen Rampen“ (O-Ton Ruderer) der ersten 20 Radkilometer schnell der Anschluss zu einer 16-köpfigen Spitzengruppe.

Al-Sultan landet im Graben
„Eigentlich hatte ich mit Thomas eine Attacke geplant, aber der hat mich beim Vorbeifahren scheinbar übersehen. Beim Versuch, hinterher zu fahren, landete ich leider im Graben“, schilderte Al-Sultan später die Szene.

Die große Attacke lief also ohne den Münchner und so nahm eine Fluchtgruppe mit Hellriegel, Ruderer, Lllanos, Jan Rehula (CZE), dem Italiener Andrea D’Aquino und dem dreifachen Sieger Eric van der Linden (NED) den Schlussanstieg in Angriff: Fünf Kilometer lang und bis 13 Prozent steil bergauf zum Spitzingsattel .

Teamspirit macht Schramberg stark
Dabei auch Titelverteidiger Richie Cunningham (AUS, Hansgrohe Schramberg), dem es mit der Hilfe seines wartenden Teamkollegen Shane Reed noch gelang, nach vorn aufzuschließen. Als Hellriegel aber im ersten Steilstück verschärfte, flog die Spitzengruppe doch auseinander.

Nur Llanos, D’Aquino und Ruderer konnten noch mithalten. Dann attackierte der 20-jährige DTU-Nachwuchsmann, ließ die „Gruppe Hellriegel“ hinter sich und erreichte mit über 30 Sekunden Vorsprung die Wechselzone auf 1100 Metern Höhe.

Llanos mit dem stärksten Finish
Gut drei Kilometer hielt der Vorsprung des schlaksigen Christian Ruderer, dessen Lauf anständig, aber eben noch nicht Weltklasse ist. Genau die braucht es aber, um aus der Führung am Spitzingsee einen Sieg zu machen. D’Aquino zog als Erster vorbei. Der 24-Jährige, vor Wochenfrist Siebter im kanadischen Corner Brook, sah in den über 20 Prozent steilen Schotterrampen schon aus wie der sichere Sieger.

Doch nach acht Kilometern war Hector Llanos heran und zog vorbei. Der Bruder und Trainingspartner des frischgebackenen Langdistanz-Weltmeisters von Nizza hatte zum Ende den längsten Schritt und gewann seine Premiere am Schliersee nach 2:02:51 Stunden mit 14 Sekunden Vorsprung.

Sonnenbrille "geopfert"
Mit der viertbesten Laufzeit kam Faris Al-Sultan (2:03:55) auf Platz drei und machte aus seiner Wut über die verpasste Chance auf „ein viel besseres Ergebnis“ keinen Hehl. Die Sonnenbrille des Münchners ließ gleich hinter der Ziellinie ihr Leben.

“Keule“ Raphael rennt Bestzeit
Den besten Split über die schweren zehn Kilometer aber buchte ausgerechnet der Schramberger Neuzugang Jan Raphael, dessen Lauf in der Vergangenheit als Knackpunkt im internationalen Triathlon-Zirkus gegolten hatte. „Keule“ ließ den Mitstreiter Knoll sowie die Teamkollegen Reed und Cunningham hinter sich, übersprintete kurz vor dem Ziel sogar noch Rehula und wurde überraschend Vierter. Für die U23-Titelkämpfe am kommenden Wochenende gilt der kraftvolle Hannoveraner nun als großer Favorit.

Christian Ruderers sechster Platz (2:04:46) verschaffte seinem ebm Team Hohenlohe Rang vier der Bundesliga-Tageswertung, Knoll (9. in 2:05:13) führte Obergünzburg auf Platz drei. Scheinbar vorentschieden aber der Kampf um den Deutschen Mannschaftstitel, denn „um die Wittener noch vorbeiziehen zu lassen, müssten wir in Krefeld schlechter abschneiden als Platz vier“, resümiert Betreuer Andreas Grohe den vierten Tagessieg in vier Durchgängen. Daran will wohl niemand mehr so recht glauben.
Zaehler




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