tri2b.com: Diana, herzlichen Glückwunsch zum Titelgewinn der ETU Europameisterschaft. Wie geht man gerade nach so einer langen und verletzungsbedingten Wettkampfpause an so eine Langdistanz überhaupt ran, kann man so einen Tag überhaupt planen?
Diana Riesler (D.R.): Wir haben für den Challenge Vichy und die ETU EM zwar nichts dem Zufall überlassen und sind schon seit Mittwoch hier, aber im Grunde habe ich erst wieder vor vier Wochen mit dem Lauftraining begonnen. Erst meine Verletzung beim Challenge Kopenhagen 2012, das gebrochene Schlüsselbein, im Frühjahr dann ein Ermüdungsbruch, da wusste ich anfangs nicht, wie es hier überhaupt laufen würde. Meine längste Einheit war lediglich mal eine 1:45 Stunden im Lauftraining und das war schon gerade so an der Grenze. Das war der einzige lange Lauf und danach habe ich mir auch noch den Muskel gezerrt und musste wieder eine Woche aussetzen. Daher wusste ich überhaupt nicht, was mich heute erwarten würde.
tri2b.com: Dafür gibt es ja im Triathlon dann zum Glück noch zwei weitere Disziplinen?
D.R: Ja, allerdings zum Glück. Ich wusste natürlich schon, dass ich nicht schlecht drauf bin, schließlich habe ich ja dennoch alles andere viel und intensiv trainiert. Dass es dann aber von Anfang bis zum Ende gleich so gut läuft, dass hätte ich mir selber nicht erträumt.
tri2b.com: Geht man denn nach so einer langen Verletzung etwas gelassener in so einen Wettkampf, da man in erster Linie versucht endlich wieder ein ordentliches Rennen machen zu können?
D.R: Das Wichtigste für mich war natürlich vor dem Rennen gesund zu sein und endlich wieder beschwerdefrei ein Rennen durchziehen zu können. Seit dem Abu Dhabi Triathlon war das heute endlich wieder der Fall und dann läuft so ein Wettkampf auch gleich ganz anders. Ich war aber heute so nervös, wie schon lange nicht mehr vor einem Rennen, denn es war ja seit fast zwei Jahren wieder meine erste Langdistanz. Ich denke, dass das sicher ein Vorteil war, dass ich mich in erster Linie ständig auf meinen Körper konzentriert habe und ob alles rund läuft. Da bleibt wenig Zeit sich mit den Anderen zu beschäftigen.
tri2b.com: Zum Wettkampf: Du bist als Dritte nach 3,8 km nur 27 Sekunden hinter der Französin Anne Basso aus dem Wasser gekommen. Allerdings ist Heather Jackson, eine Altersklassen Triathletin, 4 Minuten schneller durch den Lac dAllier geschwommen und hat erst einmal die Führung auf dem Rad übernommen. Wie liefs denn bei Dir beim Schwimmen?
D.R: Also eigentlich bin ich sehr zufrieden mit meiner Schwimmleistung, vor allem aber seit meinem Schlüsselbeinbruch bin ich wesentlich stärker im Wasser geworden. Vermutlich liegt das an dem akribischen Wiederaufbau der Muskulatur und dem intensiveren Techniktraining während der nach der OP. Ich mach seither nicht wirklich viel anders, aber irgendwie läuft es seit dem besser und mit jedem Wettkampf bin ich deutlich schneller im Wasser unterwegs vermutlich haben die acht Wochen Pause gut getan. Es war heute zumindest mein dritter Triathlon hintereinander bei dem ich mit dem Hauptfeld raus gekommen bin.
tri2b.com: Anne Basso hast Du ja bereits auf dem ersten Radkilometer überholt und schließlich im Foret de Randan, nach etwa 20 km bist Du vorbei an Heather Jackson und in Führung gegangen. Von da an, immerhin nur 13 Minuten hinter der Männerspitze, hast Du kontinuierlich deinen Vorsprung ausgebaut. War das Teil der Strategie, eine möglichst große Lücke vor dem Laufen zu schaffen?
D.R: Nein, ich hab mich nur auf mich konzentriert, auf meinen Körper und meine Leistung, so dass ich das Rennen heute gut und gesund durchziehe. Das war die einzige Strategie. Im Gegenteil, ich musste mich sogar ständig bremsen, weil es so gut lief, um nicht zu überziehen. In der ersten Runde war ich dann noch in einer Radgruppe von vier Männern, die immer wieder gepusht haben und auf der Zweiten kam einerseits der Wind und wir waren nur noch zu zweit. Auch wenn zwar alle fair fahren ist das dann doch ganz schon hart, vor allem bin ich ständig vorne geblieben, da fällt es schwer ein gleichmäßiges Tempo zu halten. Das war dann schon ganz schön hart.
tri2b.com: Du bist nach 180 km mit 24 Minuten Vorsprung vom Rad gestiegen. Dennoch hast Du sehr entspannt gewirkt und von Beginn an eine hohe Frequenz vorgelegt. Wusstest Du, was zu diesem Zeitpunkt hinter Dir vorgeht und dass Celia Kuch schon auf Platz zwei vorgefahren war?
D.R: Nein, keineswegs. Ich habe mich, wie eigentlich immer, voll auf mich konzentriert und bin einfach konsequent mein Tempo gelaufen. Für meine Verhältnisse bin ich ziemlich ruhig Rad gefahren, denn sonst musste ich ja immer eine Lücke von 10 bis 15 Minuten nach dem schwimmen zufahren. Das macht es natürlich entspannter und man steigt auch erholter vom Rad, so dass mehr Körner fürs Laufen bleiben.
tri2b.com: Am Ende kam statt des vorhergesagten Regens doch wieder die Sonne und es wurde wesentlich wärmer. Auf den vier Laufrunden entlang des Allier kann sich das durchaus auf die Leistung auswirken, wie man in den vergangenen Jahren oft gesehen hat. Wie bist Du damit umgegangen?
D.R: Die Herauforderung war eigentlich eher der Wind auf dem Rückweg, der auch noch direkt von vorne kam. Diese vier Kilometer entlang der Uferpromenade waren richtig hart. Das war zumindest ein bisschen leiden, aber sonst lief es ziemlich gut und die warmen Temperaturen haben mir nichts ausgemacht Ich habe regelmäßig getrunken, dass ist eigentlich am Wichtigsten.
tri2b.com: Was folgt dem EM-Titel noch in der verbleibenden Saison?
D.R: Ich hab ganz ehrlich noch gar keine Ahnung, das werde ich mir in den nächsten Tagen überlegen. Für mich war das hier erst einmal der Saisonhöhepunkt und im Moment bin ich einfach nur überwältigt. Aber vor allem auch eine große Erlösung nach der langen Pause endlich wieder zu wissen, dass ich zu 100 Prozent fit bin.







