tri2b.com Mitte August bist Du am Knie operiert worden und musstest endgültig das Saisonziel Ironman Hawaii sausen lassen. Das ganze Verletzungsdilemma fing aber viel früher an?
Michael Raelert (M.R.): Der ursprüngliche Unfall war um die Jahreswende. Ich bin mit dem Mountainbike unglücklich gestürzt bei Schnee und Eis und das Knie hat sich dann in der Folge entzündet. Aber man ist halt Sportler, man macht weiter und ist auch unvernünftig, denn man hat ja große Ziele. Die ganze Entzündung, die direkt an der Patella-Sehne saß, ist dann chronisch geworden und hat sich durch die Fehlbelastungen weiter verschlimmert. Es ging dann zwischenzeitlich wieder einigermaßen. Aber mit dem Ironman in Frankfurt habe ich mir dann selbst den Stecker gezogen. Ich hätte jetzt auch ohne OP weitermachen können, aber nicht mit den Zielen im Hinterkopf, die ich habe. Ich ziehe lieber jetzt die Reißleine. Ich habe noch sechs, sieben Jahre um Triathlon auf höchstem Niveau machen zu können, das will ich mir nicht durch Unvernunft kaputt machen.
tri2b.com Wie enttäuscht ist man in dem Moment, wenn einem klar wird die Saison ist gelaufen und man ist raus?
M.R.: Auf der einen Seite ist man sehr enttäuscht, auf der anderen Seite man auch froh drüber, dass die Vernunft gesiegt hat und der Körper nun seine Ruhe bekommt. Ich hab´s ja immer wieder versucht und gekämpft. Jetzt gebe ich mir aber ganz bewusst die Zeit, um nächstes Jahr und in den kommenden Jahren wirklich einmal wieder 100 Prozent fit an der Startlinie zu stehen und das dann genießen zu können. Darauf freu ich mich.
tri2b.com Das letzte Mal als wir dich in Aktion gesehen haben war in Frankfurt beim Ironman. Die Bilder von deinem taumelnden Zieleinlauf am Römerberg waren alles andere als schön. An was lag es, wenn Du jetzt darauf mit Abstand zurück blickst?
M.R.: Das lag an dem Auf und Ab der ganzen Saison. Es gab selten eine Phase wo ich mich 100 Prozent im Training belasten konnte. Ich hatte immer wieder mit der Patella-Sehne zu tun. In Frankfurt dachte ich, ich kann mir das wegdenken oder wegträumen. Die blanke Realität sah aber anders aus. Dass es noch zu Platz sieben gereicht hat ist verwunderlich, zeigt mir aber auch, dass richtig fit deutlich mehr geht.
tri2b.com Du wirst auch in Hawaii vor Ort sein, wenn Dein Bruder Andreas ein weiteres Mal versucht den Ironman-Thron zu besteigen. Schmerzt es dort nicht ganz besonders, wenn man nur Zuschauer ist?
M.R.: Das Zuschauen müssen ist für mich kein Problem. Ich denke eher das Andreas leidet, wenn er mit ansehen muss, wie sein kleiner Bruder da vor sich hin dümpelt und nicht mitmachen kann. Schließlich weiß er ja am allerbesten wie gerne ich dort in Kona dabei wäre. Ich freu mich aber darauf Andi zu unterstützen und als Supporter an der Strecke zu sein. Zumal ja auch der Rest vom Erdinger Alkoholfrei-Team vor Ort ist.
tri2b.com Deine Verletzung ist durch einen Sturz im Training entstanden. Begünstig aber nicht auch der Quali-Modus der WTC generell die Verletzungsanfälligkeit der Athleten? Schließlich bleibt wenig Zeit sich zu regenerieren, wenn noch Punkte für den Quali-Slot fehlen.
M.R. Auf der einen Seite kann man das schon so sehen. Aber es sollen halt wirklich nur die Besten der Besten nach Hawaii fahren. Und das sind am Ende die 50, die im Kona-Ranking vorne stehen. Klar macht das einen gewissen Druck, aber wer gewinnen will muss mit so einem Druck umgehen können. Man kann das Ganze ja auch cleverer lösen, wenn man die Rennen nicht alle auf den letzten Drücker macht.
tri2b.com Wie geht es Andreas in seiner Hawaii-Vorbereitung. Bei seinem Ironman-Sieg in Klagenfurt hatte er sich ja einen Nerv am Bein eingeklemmt und war anschließend verletzt?
M.R.: Es schaut bei ihm überraschend gut aus. Es war eine kleine aber hartnäckige Verletzung, die aber ausgestanden ist. Er wäre jetzt sogar gerne noch bei der Ironman 70.3-WM in Las Vegas gestartet, ging aber von den Punkten nicht. Bei einer WM will man aber nur starten, wenn die Form da ist und nicht um Erfahrung zu sammeln. Andreas wird jetzt am Wochenende deshalb beim Ironman 70.3 Muskoka in Kanada starten.






