
tri2b.com: Wie ist deine Beziehung zum Powertriathlon in Gera? Du kommst ja aus Jena, das ist nicht weit entfernt.
Steffen Justus (S.J.): Als Jenaer war ich zu Beginn meiner Triathlon-Karriere fest in Thüringen verwurzelt. Den Powertriathlon in Gera gab es damals schon – allerdings noch nicht in der heutigen Größenordnung. Durch meine Arbeit als DTU-Trainer habe ich weiterhin engen Kontakt zur dortigen Szene, vor allem im Nachwuchsleistungssport. Deshalb ist es für mich eine Ehre, bei der Jubiläumsausgabe als Botschafter dabei zu sein. Ich werde am Samstag vor Ort sein, die Rennen verfolgen und unter anderem bei der Siegerehrung der Nachwuchsrennen mitwirken. Es ist einfach schön, auch mal dienstlich in der Heimat zu sein.
tri2b.com: Wird man dich in Gera auch mit Startnummer sehen?
S.J.: Das ist der Plan. Ich hatte zuletzt allerdings eine Schulter-OP. Wenn ich bis dahin wieder schwimmen kann, starte ich in der Mixed-Relay – gemeinsam mit dem ehemaligen österreichischen Langdistanz-Profi Hubert Hammerl, der inzwischen fest in Thüringen verankert ist. Der dritte Startplatz bei den Frauen wird über eine Verlosung vergeben.
Ich finde es großartig, dass die Mixed-Relay nun auch für den Breitensport zugänglicher wird. Die kurzen Strecken kann man sogar als Familie in Angriff nehmen. Es geht vor allem darum, mit Spaß den Einstieg in den Triathlon zu finden.
Viele kennen das Format durch die großen Erfolge bei Olympia und Weltmeisterschaften, haben es aber selbst noch nie ausprobiert. In Gera kann man nun live erleben, wie sich so eine Staffel anfühlt. Dieses Teamgefühl ist einfach etwas Besonderes – im Gegensatz zum sonst eher individuellen Triathlon. Mit 300 m Schwimmen, 6,6 km Radfahren und 1,7 km Laufen ist die Distanz ideal zum Reinschnuppern.
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tri2b.com: Eignet sich das Format also auch für Hobbyathleten?
S.J.: Absolut. Wenn organisatorisch alles passt, bietet die Mixed-Relay Abwechslung pur. Unterschiedlich starke Athletinnen und Athleten sorgen für Positionswechsel und Spannung bis zum Schluss. Da ist Dynamik und Spaß garantiert.
tri2b.com: Wir erinnern uns alle an die Olympischen Spiele in Paris 2024, als Laura Lindemann mit ihrem unwiderstehlichen Zielsprint Gold perfekt gemacht hat. Was macht die Faszination im Elitebereich aus?
S.J.: Ich habe das selbst als Aktiver erlebt. Besonders prägend war die WM 2011 in Lausanne, als wir Bronze geholt haben. Ich war am Schluss dran, nachdem es zuvor eine Zeitstrafe für unser Team gab. Ich habe mich mit den Schweizern und Franzosen um Silber und Bronze gebattelt – hopp oder top. Ich habe alles riskiert, und am Ende hat es für Bronze gereicht.

Das ist das Faszinierende: Diese unvorhersehbare Dynamik. Man kann Fehler ausbügeln – oder eben nicht. Dazu kommt die Taktik: Wie stellt die Konkurrenz auf? Wen setzt man selbst auf welche Position? Man muss im Vorfeld viel durchdenken. Beim Olympia-Rennen in Paris hat man gesehen, was im letzten Frauen-Heat möglich ist. Wenn man eine Laura Lindemann bis zum abschließenden Lauf vorne positionieren kann, ist alles drin – selbst wenn man nicht Topfavorit ist.

Oder beim WTCS-Rennen in Abu Dhabi 2025: Nach der Hälfte lagen wir weit zurück. Doch Tanja Neubert hat das Feld von hinten aufgerollt, und Henry Graf hat den Sieg nach Hause gelaufen. Diese Dynamik und der Teamgedanke schweißen zusammen. Im sonst so individuellen Triathlon entsteht plötzlich echtes Mannschaftsgefühl.
tri2b.com: Wird dieses extrem kurze Format speziell trainiert?
S.J.: Eigentlich nicht. Vorne sind meist die Athletinnen und Athleten, die auch über die Sprint- und Olympische Distanz stark sind. Die Grundschnelligkeit braucht man ohnehin. Ich weiß allerdings von den Niederländern, dass sie sich sehr gezielt auf die Staffel bei Olympia in Tokio vorbereitet hatten und dort Vierte wurden. Im Endeffekt ergibt sich die Besetzung aber aus den Ergebnissen der vorangegangenen Einzelrennen. Bei Olympia und WTCS-Rennen muss die Staffel sogar aus den Einzelstartern bestehen. Grundsätzlich könnte man darüber nachdenken, Spezialisten für die Mixed-Relay aufzubauen – aber das aktuelle System gibt das kaum her.
tri2b.com: Welche Tipps gibst du Hobbyathleten, die ihre erste Mixed-Relay anvisieren?
S.J.: Die Wechsel sind entscheidender. Die Rennzeit ist kurz, aber die Wechsel dauern genauso lang wie im Einzelrennen. Agegrouper sind etwa 20–25 Minuten unterwegs – das ist immer noch eine richtige Ausdauerbelastung. Entsprechend ist auch hier eine gewisse Grundlage nötig. Aber man kann früher „all-in“ gehen, weil man nicht mehr fünf Kilometer laufen muss. Wer ambitioniert rangeht, sollte vor allem das schnelle Anlaufen nach dem Radwechsel trainieren.
Und ganz wichtig: als Team auftreten. Gemeinsam einchecken, sich anfeuern, im Ziel aufeinander warten und vielleicht klappt sogar ein gemeinsamer Zieleinlauf.
tri2b.com: WelcheTipps gibt’s für schnelle Wechsel?
S.J.: Zum Glück ist es beim Powertriathlon ein Beckenschwimmen ohne Neo. Da kann man sonst viel Zeit verlieren beim Wechseln. Eigentlich ist es simpel: Aus dem Wasser kommen, Helm auf, Radschuhe an – mehr braucht es nicht.
Dasselbe beim zweiten Wechsel: Die Laufschuhe müssen nicht perfekt geschnürt sein. Auf der kurzen Strecke läuft man sich nicht wund. Wichtig ist vor allem: ruhig bleiben. Wer denkt „Ich muss jetzt schnell wechseln“, wird hektisch – und dann geht’s schnell schief.
tri2b.com: Und das Warm-up?
S.J.: Je kürzer die Distanz, desto länger das Aufwärmen. Für eine Langdistanz reicht ein bisschen Mobilisation – das Rennen ist lang genug. Für einen 1.500 m Lauf habe ich mich früher eine Stunde oder länger aufgewärmt. Für die Mixed-Relay empfehlen sich ein paar kurze, intensive Steigerungen – zum Beispiel 2x 30 Sekunden – im Wasser oder beim Laufen. Außerdem genug Zeit nehmen, ruhig bleiben und auch auf Beweglichkeitsübungen achten.

tri2b.com: Wie sieht es mit der Ernährung aus?
S.J.: Keine Wissenschaft daraus machen. Wichtig ist, den Magen nicht zu voll zu haben – die hohe Intensität schlägt sonst schnell auf den Bauch. Die Speicher sollten gefüllt sein, ein gutes Frühstück reicht völlig. Also bitte nicht panisch fünf Gels kurz vor dem Start reinballern. Ein paar Schluck Kohlenhydratgetränk während des Aufwärmens genügen, damit Flüssigkeitshaushalt und Blutzuckerspiegel stabil bleiben.
tri2b.com: Steffen, vielen Dank für die Einblicke und Tipps!












