Austria Triathlon Podersdorf: Mit Basisarbeit den Triathlon-Sport für die Zukunft pushen

von Harald Eggebrecht für tri2b.com | 21.06.2024 um 09:27
Triathlon und Österreich – wird nach dieser Wortkombination gegoogelt, dann ist der Austria Triathlon in Podersdorf ganz vorne dabei. Das Rennen am Neusiedler See, vor den Toren Wiens, gibt es seit dem Jahr 1988 und ist somit der traditionsreichste Langdistanz-Triathlon in Österreich.

Während andere Veranstaltungen kommen und auch wieder verschwinden, ist der Austria Triathlon ein Fixtermin im Triathlon-Kalender. Seit der vierten Austragung im Jahr 1991 findet das Rennen immer Ende August bzw. Anfang September statt und hat sich dabei zu einer eigenen Marke entwickelt. Hard, Fast und Legendary sind die ins Ohr gehenden Werbeattribute.

Auch im Corona-Jahr 2020 fand das Rennen statt

Darauf ist Organisationschef Daniel Döller besonders stolz, der das Rennen geschickt und mit viel Herzblut durch die schwierige Phase der Corona-Pandemie gelotst hat. Der Austria Triathlon in Podersdorf war eines der ganz wenigen Triathlon-Rennen in der fast komplett ausgefallenen 2020er Saison, das stattfinden konnte. Döller scheute keinen Aufwand und arrangierte sich mit den komplizierten Covid-19-Auflagen, um das Rennen durchzuführen. Zum Testlauf im Juli 2020, einem innovativen Jagdrennen, kamen sogar die Norweger Kristian Blummenfelt, Gustav Iden und Casper Stornes neben dem zweimaligen Hawaii-Sieger Patrick Lange nach Podersdorf, um eine Langdistanz zu absolvieren.

Die neue Schwimmheimat des Austria Triathlon Podersdorf: Der 2 ha große Badesee der St. Martins-Therme - © Austria Triathlon

Ähnlich standhaft blieb der Organisator auch, als 2022 der Neusiedler See einen historisch niedrigen Wasserstand aufwies und ein reguläres Schwimmen unmöglich machte. Mit der vom ursprünglichen Startort nur 11 Kilometer entfernten St. Martins-Therme & Lodge und dem dortigen hauseigenen 2 ha großen Badesee wurde ein perfekter Ausweichort für die Schwimmdisziplin gefunden.

>> Interview Daniel Döller: Der Austria Triathlon soll sich als eigene Marke weiterentwickeln ...

 

Der Zuspruch stagniert auf der Langdistanz auf einem hohen Niveau, die Mitteldistanz boomt

Trotz aller Bemühungen stellt Döller fest, dass die Teilnehmerzahlen auf einem hohen Niveau gerade bei der längsten Distanz stagnieren. Die Langdistanz, gewissermaßen die DNA des Triathlons in Podersdorf, hat mit dem Teilnehmerzuspruch zu kämpfen. „Eine Ironman-Distanz machst du halt nicht einfach so, da steckt richtig Trainingsaufwand dahinter. Deshalb haben wir auch schon seit dem Jahr 2008 die Mitteldistanz dazu genommen. Danach kamen dann auch noch der Sprint und die Olympische Distanz ins Programm. Vielleicht hat aber auch „die Diskussion rund um den Ironman Hawaii, den Mythos Ironman und damit die Langdistanz etwas angeschlagen“ sucht Döller nach Erklärungsversuchen, der mit dieser Beharrlichkeit ein Ziel verfolgt, wie er es  von seinem im Jahr 2016 verstorbenen Stiefvater Kurt Mitschko mit auf den Weg bekommen hat. Der Gründer des Austria Triathlon stand Ende der 90iger Jahre mit seinem Rennen gleich mehrmals vor dem Aus, als nur noch an die 200 Teilnehmer ins Burgenland kamen und am Ende ein dickes Minus übrigblieb. „Kurt glaubte damals an den Triathlon-Sport und an sein Rennen. Sonst würde es heute den Austria Triathlon nicht mehr geben.“

Abendliche Finishline-Party in Poderdorf am See - © Austria Triathlon

Döller ist ähnlich getrieben. Stillstand ist Rückschritt für den 41-Jährigen-Jährigen und so gibt es eigentlich in jedem Jahr etwas Neues In Podersdorf. Oft sind es nur kleine Dinge, die auf den ersten Blick nicht sofort auffallen. So gibt es jetzt eine temporäre Brücke über die Wettkampfstrecke, damit die Zuschauer den Parcours ohne Wartezeit kreuzen können.

Deswegen kommen aber nicht gleich mehr Teilnehmer nach Podersdorf. Gleiches gilt für teuer eingekaufte Profis. „Früher war ein Lothar Leder oder ein Faris Al-Sultan bei uns, das hat bei den Agegroupern gezogen. Aber da gab es auch nur ein Fünftel der Veranstaltungen wie heute.“

Bei der Vielzahl von international hochkarätigen Rennen sieht der Organisator den Werbewert eines mit Antrittsgeldern und Preisgeldern bezahlten starken Profifelds zunehmend in Frage gestellt. Vor zwei Jahren waren wir ein PTO Silver-Race, mit 20.000 EUR Preisgeld. Da kamen tolle Athleten zu uns, aber auch nicht die absolute Topgarde. Für mehr Aufmerksamkeit müsste schon die Weltspitze an der Startlinie stehen. Aber die ist nicht bezahlbar.

Daniel Döller mit Michael Weiss - Sieger der Mitteldistanz 2023 und seit 2020 Streckenrekordhalter auf der Langdistanz - © Austria Triathlon

 

„Den Triathlon-Sport wieder mehr an der Basis pushen“


Auch deshalb geht Döller einen anderen Weg und engagiert sich in der Verbandsarbeit. Als Präsident des Wiener Triathlon-Verbands bekommt er hautnah mit, was an der Basis passiert. Dort macht er ein Strukturproblem aus. „In Wien haben wir eine Bäderproblematik, mit dem Ergebnis, dass ca. 40 % der Kinder im Vorschul- und Grundschulalter nicht schwimmen können. Mit dem zukünftigen Triathlon-Nachwuchs sieht es so schlecht aus.“

Die Triathlet:innen von morgen - Start zum Kids-Aquathlon beim Austria Triathlon - © Austria Triathlon

Den braucht es aber, will man wieder an die Teilnehmerzahlen von Vor-Corona herankommen. Wurden vor der Pandemie noch jährlich um die 30.000 Teilnehmer bei allen Triathlon-Veranstaltungen in Österreich gezählt, so sind es jetzt nur noch 20.000. Tendenz zum Glück wieder steigend. Der Wiener hinterfragt deshalb auch die aktuelle Sportpolitik in Österreich, die die Fördergelder vor allem in den Spitzensport steckt. „Spitzensport gibt es aber nicht ohne Breiten- und Nachwuchssport und natürlich gilt das auch umgekehrt. Wir müssen den Sport an der Basis wieder mehr pushen“.

Dieser Weg ist anstrengend und für Döller der ausgemachte Grund, warum viele großen Veranstalter lieber mit diversen Werbemaßnahmen anderen Veranstaltungen ihre Teilnehmer abspenstig machen. Die Veranstaltungsszene wird so zum Verdrängungswettbewerb.

Den Anteil der Triathletinnen weiter steigern ist eines der Ziele von Daniel Döller - © Austria Triathlon

Kritisch sieht Döller deshalb auch die in Mode gekommene „once in a lifetime-Mentalität“. Einmal im Leben irgendwie einen Ironman finishen und anschließend die Triathlon-Karriere wieder ad acta legen. Döller will mit seinen Aktionen, so hat er u.a. über 100 umfassende Video-Trainings-Tutorials produziert, Läufer, Radfahrer und Schwimmer zu echten Triathleten machen, die dabeibleiben, sich für den Sport begeistern und vielleicht in der Saison an fünf oder sechs Triathlons teilnehmen. Und das nicht nur bei den prestigeträchtigen Hochglanz-Rennen, sondern auch bei den auf vereinsebene organisierten regionalen Events.

„Ich möchte, dass wir wieder mehr Menschen für den Triathlon-Sport gewinnen und der Frauenanteil weiter steigt,“ beschreibt Daniel Döller seine Mission. Gelingt dies, dann wird in Zukunft auch sein Austria Triathlon davon profitieren.


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