
Das Schwimmen im Mirror Lake, bei dem die Pros bei kühlen Morgentemperaturen und wolkenverhangenem Himmel ohne Neo ran mussten, bestimmte auf der ersten der zwei Schwimmrunden ein Quartett mit Marten Van Riel, Ben Kanute und den beiden bis dato unbekannten US-Boys Fraser Minnican und Thomas Gordon. Die Verfolgergruppe um Titelverteidiger Matthew Marquardt und Frederic Funk lag bereits 1:30 min zurück.
Van Riel schon im Mirror Lake an der Spitze
In der zweiten Runde, in der sich die Pros durch das Feld der Agegrouper kämpfen mussten, wurde aus dem Spitzenquartett ein Spitzenduo. Minnican kam nach 47:04 min mit Van Riel an den Fersen in die T1. Kanute und Gordon hatten eine Minute Rückstand. Marquardt kam (+2:44) als Fünfter aus dem Wasser. Funk (+4:23) reihte sich an Position zehn ein und Dominik Sowieja wechselte als 24. (+8:18) auf die Radstrecke.
Das Radfahren war dann eine Sache für Van Riel. Der Belgier war schnell allein in den Wäldern rund um Lake Placid unterwegs. Als erster Verfolger kristallisierte sich Marquardt heraus, der nach Ende der ersten von zwei Radrunden 2:26 min zurücklag. Im Schlepptau des Vorjahressiegers und Streckenrekordhalters folgten mit Kanute, Foley und Van Berg drei weitere US-Amerikaner.
„Wo ist Funk?“
„Wo ist Funk“ war die Frage, in Anlehnung an die legendäre Langlaufreportage der Olympischen Spiele 1980, als Reporter Bruno Moravetz den jungen Jochen Behle vergebens im Livebild suchte.
Der 28-Jährige war zwischenzeitlich nur auf der zweiten Seite des Liveticker-Tableaus gelistet. Mit gut 10 min Rückstand bog Funk auf Rang zehn in die zweite Radrunde ein. Das anspruchsvolle Streckenprofil sorgte nun dafür, dass die Abstände noch weiter aufgingen. Marten Van Riel hielt seine Führung bis in die T2, allerdings kam Marquardt bis auf 1:38 min heran. Dahinter hatte sich Foley, der 2024 in Lake Placid gewinnen konnte, auf Position drei (+7:09) nach vorne geschoben.
18:20 min vergingen, bis Frederic Funk an Position neun sein Rad im olympischen Eisschnelllauf-Stadion gegen die Laufschuhe eintauschte. Dahinter wechselte der Schwarzwälder Dominik Sowieja (+23:31) ebenfalls aussichtsreich auf einen der vier Kona-Slots in den Marathon, da zu diesem Zeitpunkt die Ränge eins bis sechs von bereits qualifizierten Athleten belegt wurden.
Van Riel rennt zum Rekord – dramatisches Marathonfinale zwischen West und Kanute
Auf dem welligen Marathonkurs, der über zwei Runden mit je drei Wendepunkten führte, hatte Van Riel seinen Vorsprung zur Halbzeit auf Marquardt auf 2:43 min ausgebaut. Rang eins und zwei schienen vergeben, da Foley an Position drei bereits 11:07 min Rückstand hatte.
Der schnellste Läufer im Feld war jetzt Jason West, der von Rang acht startend bis auf Rang drei nach vorne lief. Nach der 35 km-Marke lag der US-Amerikaner plötzlich am Boden, um sich die Krämpfe aus den Beinen zu stretchen. Vergebens – Landsmann Ben Kanute nutzte die Chance und setzte gut drei Kilometer vor dem Ziel zur Konterattacke an. Für West blieb nur der vierte Platz, der allerdings durch einen Kona-Slot versüßt wurde. An der Spitze ließ Marten Van Riel nicht locker. Der 33-jährige Belgier rannte den Marathon in 2:34:49 Stunden und gewann seinen ersten IRONMAN der Karriere mit neuem Kursrekord (7:41:57).
Nur zwei Wochen nach seinem Roth-Auftritt war auch Frederic Funk auf dem schweren Laufkurs richtig schnell unterwegs. 2:39:00 Standen standen am Ende zu Buche. Der sechste Rang hinter Rudy Van Berg sicherte ihm auch die so ersehnte Qualifikation für den IRONMAN Hawaii. Gleiches gelang Dominik Sowieja, der sich im Marathon noch am Dänen Kristian Hogenhaug vorbeischob und Neunter wurde. Hogenhaug sicherte sich den letzten der vier Kona-Slots.
Findlay und Sanchez auf dem Rad eine Klasse besser
Lara Hernandez-Tome kam nach 52:13 min aus Solistin aus dem Wasser, gefolgt von Rachel Zilinskas (+1:06) und Marta Sanchez (+1:14). Als erste der Favoritinnen hatte Chelsea Sodaro (+2:28) wieder festen Boden unter den Füßen. Langdistanz-Debütantin Paula Findlay (+3:30), Grace Thek (+5:07) und Lisa Perterer (+6:21) folgten im Minutentakt.
Auf dem Rad bildete sich auf der ersten Radrunde eine Vierergruppe an der Spitze, mit Findlay, Sanchez, Zilinskas und Sodaro. Als es in die zweite Runde ging, fielen sowohl Zilinskas und Sodaro zurück. Findlay war nun die Lokomotive, die ihre Mitstreiterin Sanchez über den Radkurs zog. Als Duo erreichten die beiden bei mittlerweile strahlendem Sonnenschein die zweite Wechselzone. Dahinter folgten Zilinskas (+4:28), Sodaro (+5:27) und Perterer (+8:54) in den Marathon.
Findlay läuft ihren ersten Marathon in 2:55
Den Marathon ging zunächst Marta Sanchez etwas forscher an und übernahm die Führung. Findlay blieb zunächst direkt an den Fersen der Spanierin und übernahm noch vor der 10 km-Marke die Initiative. Langsam riss das imaginäre Gummiband zwischen den beiden. An der Halbmarathonmarke führte Findlay mit einer guten Minute vor Sanchez. Dritte war zu diesem Zeitpunkt Chelsea Sodaro.
Findlay, die noch nie einen Marathon gelaufen war, hielt ihre Pace und nahm so Sanchez weiter Zeit ab. Die 37-jährige Kanadierin war jetzt auf dem Weg als Langdistanz-Rookie gleich den ersten Sieg einzufahren. Sanchez hielt ebenso sicher ihren zweiten Platz.
Sodaro mit Wander-Marathon zur Slot-Validierung
Dahinter wurden die Karten nochmal neu gemischt. Sodaro war ab der 24 km-Marke plötzlich wandernd unterwegs. Schnell war die schon abgehängte Zilinskas vorbei und witterte nun die Chance auf den noch freien Podiumsplatz. Am Ende rettete sich die US-Amerikanerin mit 40 Sekunden Vorsprung vor der stark aufkommenden Kanadierin Tamara Jewett (2:48er Marathon!!!) ins Ziel. Rang fünf ging an die Österreicherin Lisa Perterer, die ihre Chancen auf eine bessere Platzierung durch ein schwaches Schwimmen vergab.
Und Sodaro? Die IRONMAN Hawaii-Siegerin von 2022 blieb im Rennen, um ihren Kona-Slot nach der für sie geltenden Fünf-Jahresregel zu validieren. Mit einem 4:14er Marathon finishte die 37-Jährige nach 10:11:21 Stunden auf Rang 16.






