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Ironman WM Nizza: Die Chancen der deutschen Pros

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Acht deutsche Profitriathleten werden am Sonntagmorgen an der Promenade des Anglais die Ironman World Championship 2025 in Angriff nehmen. Einmal mehr zählt der dreimalige Ironman Weltmeister Patrick Lange zum Kreis der Topfavoriten. Vor zwei Jahren musste sich der mittlerweile 39-Jährige in Nizza nur dem Franzosen Sam Laidlow geschlagen geben. Neben Lange werden auch Finn Große-Freese, Wilhelm Hirsch, Jonas Hoffmann, Jonas Schomburg, Paul Schuster, Dominik Sowieja und Jan Stratmann an der Startlinie stehen. Hier ist unsere Einschätzung zu den Chancen der deutschen Profistarter.
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Macht er es noch einmal? Patrick Lange bei seinem 2024er Sieg in Kona – Bildrechte: Petko Beier | petkobeier.de

Finn Grosse-Freese

24 Jahre – Rostock/Bayreuth

IM Pro Series-Ranking: #144

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Bisheriger Saisonverlauf:

Nach einem schweren Saisoneinstieg beim Ironman Texas, wo am Ende nach zwei Reifenschäden nur Rang 26 herauskam, ging es für Finn Große-Freese steil bergauf. Im Juni feierte er beim Ironman Austria in Klagenfurt seinen ersten Ironman-Sieg der Karriere. Dass dies keine Eintagsfliege war, zeigte der gebürtige Rostocker mit dem Sieg beim Ironman Copenhagen im August. Die superschnelle Siegzeit von 7:27:34 Stunden ist zugleich deutscher Langdistanz-Rekord. Zudem platzierte er sich im Rother-Weltklassefeld auf Rang sechs.

Leistungspotenzial:

SchwimmenRadfahren Laufen
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tri2b.com-Einschätzung:

Mit seinen zwei Ironman-Siegen kann Finn Große-Freese ohne Druck in sein zweites Ironman WM-Rennen gehen. Nach Rang 29 im Vorjahr in Kona sollte in Nizza etwas mehr für den gebürtigen Rostocker möglich sein. Allerdings ist das Rennen in Nizza bereits seine fünfte Langdistanz innerhalb von fünf Monaten. Insbesondere das Radfahren könnte für den superstarken Schwimmer zum Knackpunkt werden. Wenn der 24-Jährige, der erneut der jüngste WM-Profistarter ist, mit überschaubarem Rückstand durch die Seealpen kommt, dann ist eine Platzierung in den Top 15 möglich.


Wilhelm Hirsch

27 Jahre – Halle an der Saale

IM Pro Series-Ranking: #125

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Bisheriger Saisonverlauf:

Bereits Anfang Oktober 2024 hatte Willy Hirsch die Nizza-Quali in der Tasche. 2025 lief für den Hallenser dann allerdings bei seinen drei Langdistanz-Starts nicht viel zusammen. Drei DNFs gab es in Texas, Frankfurt und Roth. Welches Potential der 27-Jährige hat, zeigte er bei seinen Starts in der T100-Serie. So ging es zuletzt in London und an der French Riviera jeweils auf Rang acht, wo er insbesondere in seiner Wackeldisziplin Laufen überzeugte.

Leistungspotenzial:

SchwimmenRadfahren Laufen
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tri2b.com-Einschätzung:

Willy Hirsch wird sicher auch in Nizza seine Schwimmqualitäten ausspielen und an der Spitze aus dem Wasser steigen. Auf dem anspruchsvollen Radkurs könnte es für den 1,89 m großen Hallenser dann allerdings schwer werden, wenn die starken Radfahrer versuchen ihre Überlegenheit auszuspielen. Das richtige Pacing ist hier gefragt, um noch mit ordentlichen Laufbeinen an der Promenade des Anglais anzukommen. Wenn es Hirsch gelingt seine T100-Laufperformance auf die mehr als doppelt so lange Marathondistanz rüberzuretten, dann kann es für den Ironman WM-Rookie in die Top 20 gehen.


Patrick Lange

39 Jahre – Salzburg

IM Pro Series-Ranking: #41

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Bisheriger Saisonverlauf:

Viel hat man in der Saison 2025 von Patrick Lange nicht gesehen. Wie schon 2024 startete er beim Ironman 70.3 Oceanside in die Saison. Ein 17. Rang zeigte, dass der gebürtige Hesse auf der Mitteldistanz auf dem Rad nicht (mehr) die nötige Power aufs Pedal bringt. Zudem machte sich schon dort die Verletzung an der Adduktorensehne bemerkbar, die dann auch zur Absage des geplanten Starts beim Ironman Texas führte. Erst beim Ironman Frankfurt kehrte Lange an die Startlinie zurück. Auch dort musste er die Konkurrenz auf dem Rad ziehen lassen. Im Marathon gelang dem dreimaligen Ironman-Weltmeister dann zwar noch die Schadensbegrenzung – es wurde am Ende Rang sieben.

Danach zog sich Lange komplett ins Training zurück, u.a. gab es einen dreieinhalbwöchigen Höhentrainingsblock in St. Moritz, und postete zuletzt, dass er die langwierige Verletzung hinter sich gelassen hat. „Ich habe alles gemacht was in meiner Macht stand, um in meiner bestmöglichen Form in Nizza an der Startlinie zu stehen.“

Leistungspotenzial:

SchwimmenRadfahren Laufen
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tri2b.com-Einschätzung:

Von der Papierform wäre Patrick Lange wohl bisher nie Ironman-Weltmeister geworden. Immer wurden andere Athleten höher eingeschätzt. In seinem Palmares stehen aber drei Ironman Hawaii-Siege und in Nizza hat der die einmalige Chance auf den vierten Ironman WM-Titel. Entscheidend wird einmal mehr sein, wie Lange über den Radkurs kommt. Mit seinen 65 kg Körpergewicht ist er eigentlich prädestiniert für die benötigten Kletterfähigkeiten. Trotzdem wird er die starken Radfahrer ziehen lassen müssen. Die Frage ist, wie weit ziehen Ditlev und Co davon und wie schnell kann der mittlerweile 39-jährige Lange den Marathon an der Promenade des Anglais laufen. Wir sehen den dreimaligen King of Kona auch in Nizza erneut auf dem Podium. Neuer Ironman-Weltmeister wird aber wohl ein anderer Athlet.


Jonas Hoffmann

28 Jahre – Butzbach

IM Pro Series-Ranking: #11

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Bisheriger Saisonverlauf:

Jonas Hoffmann startete mit einem starken vierten Platz beim Ironman Südafrika in die Saison 2025. Beim Sommer-Showdown in Frankfurt präsentierte sich der Siegerländer erneut in Topform und sorgte als Fünfter für die beste deutsche Platzierung in dem Weltklassefeld.

Anschließend durchschritt der 28-Jährige eine schwierige Phase. Im Training fühlte sich Hoffmann kraftlos. Dies setzte sich beim T100-Rennen in London fort. Der Laufspezialist musste das Rennen an den Royal Victoria Docks in seiner Paradedisziplin völlig entkräftet aufgeben. Mittlerweile hat sich Jonas Hoffmann vom leichten Übertraining erholt und mit Rang zehn gelang ihm beim Ironman 70.3 Zell am See eine gute Generalprobe für Nizza.

Leistungspotenzial:

SchwimmenRadfahren Laufen
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tri2b.com-Einschätzung:

2023 war Jonas Hoffmann als WM-Rookie in Nizza am Start. Es wurde Rang 20. Ein gutes Ergebnis, da er im Rennen wohl schon von einer beginnenden Corona-Erkrankung eingeschränkt war. 2024 in Kona wurde es Rang 16, verbunden mit der Gewissheit, dass es an einem perfekten Tag noch weiter nach vorne gehen kann.

Der bergige Radkurs in den Seealpen kommt dem 65 kg leichten Hoffmann definitiv entgegen, da hier seine fehlenden „Drückerqualitäten“ nicht so sehr ins Gewicht fallen. Mit einem tolerablen Rückstand nach dem Radfahren und einen Top-Laufperformance könnte Jonas Hoffmann an der Promenade des Anglais durchaus an den Top Ten anklopfen. Ein Fragezeichen steht allerdings hinter seiner gerade erst überstandenen Übertrainingssymptomatik


Jonas Schomburg

31 Jahre – Hannover

IM Pro Series-Ranking: #23

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Bisheriger Saisonverlauf:

Es war eine Szene und eine Aussage, mit der Jonas Schomburg in der Saison 2025 für Aussehen sorgte. Sein dramatischer Lenkerbruch und das damit verbundene DNF beim Ironman Frankfurt. Vier Tage später gab es dann bei der Rother Prerace-PK die markige Ansage, dass er die Weltbestzeit von Magnus Ditlev durchaus für angreifbar hält. Am Ende fehlten zwar ein paar Minuten zur Bestmarke. Der zweite Rang hinter Sam Laidlow war trotzdem eine Weltklasseleistung und die Bestätigung für den dritten Platz beim Ironman Südafrika zum Saisonstart. Nach Roth zog sich Schomburg ins Training zurück. Einem Trainingsblock in Girona folgte zuletzt ein Höhenaufenthalt in Font-Romeu.

Leistungspotenzial:

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tri2b.com-Einschätzung:

Jonas Schomburg dürfte sich auch als Ironman WM-Rookie stark in Szene setzen. Beim Schwimmauftakt ist der 31-jährige zweimalige Olympiateilnehmer ganz weit vorne zu erwarten. Anschließend dürfte der Hannoveraner auch auf dem Rad seine gewohnt offensive Renngestaltung folgen lassen. Schomburg zweite Stärke ist das Radfahren. Allerdings ist ihm als großer und relativ kräftiger Athlet der Nizza-Radkurs nicht komplett auf den Leib geschneidert. Trotzdem dürfte er sich auf den 180 km durch die Seealpen weit vorne einreihen. Der Marathon wird dann entscheiden, ob er auch weit vorne bleibt. Für uns ist Jonas Schomburg ein sicherer Top Ten-Kandidat. An einem Sahnetag kann es in Richtung Podium gehen.


Paul SChuster

36 Jahre – Darmstadt

IM Pro Series-Ranking: #5

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Bisheriger Saisonverlauf:

Der Darmstädter Paul Schuster ist das „Dark Horse“ der deutschen Langdistanz-Szene. Irgendwie segelt der 36-Jährige immer unter dem Radar. So auch in der Saison 2025, wo ihm das beste Ergebnis mit Rang sechs bei Ironman Texas gleich zum Saisonstart gelang. Beim Heimrennen in Frankfurt bekam Schuster in der zweiten Marathonhälfte Probleme und finishte am Römerberg trotzdem auf dem starken zehnten Platz.

Um Punkte für Ironman Pro Series-Ranking zu sammeln, folgte anschließend noch ein Start beim Ironman 70.3 Swansea, wo es erneut auf Rang zehn ging. Mit dieser „Eichhörnchen-Sammeltechnik“ ist Paul Schuster auf Rang fünf der derzeit bestplatzierte Deutsche im Pro Series-Ranking.

Leistungspotenzial:

SchwimmenRadfahren Laufen
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tri2b.com-Einschätzung:

Im Vorjahr kam Paul Schuster bei seiner Kona-Premiere auf Rang 19 am Alii Drive an. Zum 15. Platz, der ihm etwas Geld in die Reisekasse gespült hätte, fehlten nur gut drei Minuten. Entsprechend haderte der Darmstädter etwas mit dem ansich guten Rennen und Ergebnis.

Eine vergleichbare Performance in den Top 20 ist Schuster auch in Nizza zuzutrauen. Entscheidend wird sein, ob er mit seinen 79 kg Körpergewicht (bei 1,91 m Körpergröße) ordentlich über die langen Anstiege kommt.


Dominik Sowieja

34 Jahre – Esslingen

IM Pro Series-Ranking: #10

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Bisheriger Saisonverlauf:

Mit Rang fünf beim Ironman Cozumel hat Dominik Sowieja im vergangenen Spätherbst die Quali für die Ironman WM in Nizza perfekt gemacht. In der Saison 2025 konzentrierte sich der gebürtige Schwarzwälder voll auf die Ironman Pro Series und rangiert dort derzeit auf Rang zehn. Bei seinen beiden diesjährigen Langdistanz-Auftritten platzierte er sich auf den Rängen 14 (Ironman Texas) und 12 (Ironman Frankfurt). Um in Ironman WM-Form zu kommen, absolvierte der 34-Jährige ein vierwöchiges Höhentrainingslager in Livigno, bevor er sich beim finalen Formtest im Rahmen des Ironman 70.3 Zell am See auf Rang 13 platzierte.

Leistungspotenzial:

SchwimmenRadfahren Laufen
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tri2b.com-Einschätzung:

Mit seiner ersten Ironman WM-Quali hat Dominik Sowieja einen großen Schritt zu seinem großen Ziel geschafft – eine Topplatzierung bei der Ironman World Championship. Dafür braucht der Ingenieur in Nizza allerdings einen absoluten Sahnetag. Sowieja dürfte auf den besten Schwimmer um die vier Minuten verlieren. Viel wird davon abhängen, ob sich auf der Radstrecke anschließend um ihn herum gleichstarke Athleten finden und sich gegenseitig pushen, um den Rückstand nach vorne nicht zu groß werden zu lassen. Gelingt dies Sowieja, dann ist eine Top 25-Platzierung möglich.


Jan Stratmann

29 Jahre – Hennef

IM Pro Series-Ranking: #119

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Bisheriger Saisonverlauf:

Nur zwei Wettkampfergebnis in der Saison 2025 tauchen von Jan Stratmann, der die Quali bereits im Oktober 2024 mit dem Sieg beim Ironman Barcelona perfekt machte, in den PTO Triathlon Stats auf. Ein 12. Platz zum Saisonstart beim Ironman 70.3 Venice-Jesolo und der dritte Platz bei der Challenge Roth. Damit erfüllte sich der Hennefer bereits ein großes Ziel. Nach seinem vierten Platz 2024 wollte er im fränkischen „Home of Triathlon“ diesmal unbedingt aufs Podium.

Danach nahm sich Stratmann viel Zeit für die Regeneration von Roth. Die spezifische Nizza-Vorbereitung erfolgte auf den heimischen Trainingstrecken. Anders als viele andere Athleten verzichtete der 29-Jährige zudem auf einen finalen Wettkampftest.

Leistungspotenzial:

SchwimmenRadfahren Laufen
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tri2b.com-Einschätzung:

Jan Stratmann zählt am Sonntag zu den Ironman WM-Rookies. Trotz seiner 29 Jahre ist Stratmann erst seit zwei Jahren auf der Langdistanz unterwegs und gehört noch zu den unverbrauchten Ironman-Athleten. In Roth überzeugte Stratmann im Marathon einmal mehr durch seinen Kampfgeist, der ihm im direkten Duell mit Vincent Luis den dritten Rang bescherte. Diesen wird Stratmann auch in Nizza benötigen. Als starker Schwimmer wird er auf dem Rad einige Konkurrenten ziehen lassen müssen. An einem guten Tag sollte der Rückstand aber im Rahmen bleiben und gute Chancen für eine Aufholjagd im Marathon eröffnen. Im Idealfall ist so eine Top Ten-Platzierung für „Strati“ möglich.


Bildrechte: alle Petko Beier – Quellen: Trirating Nizza-Report, PTO Stats, ironman.com

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