
„Es wäre die krasse Krönung“, sagt Laura Philipp, die mit der Startnummer 1 ins Rennen gehen wird. Diese „Poleposition“ als Titelverteidigern ist neben den marginalen Vorteil in der Wechselzone sein Rad besser zu finden vor allem mit sehr viel Aufmerksamkeit verbunden. Philipp steht im Rampenlicht und betonte zuletzt, dass ihr der WM-Sieg in Nizza vor allem mental die Gewissheit gegeben hat, auch enge Rennen gewinnen zu können. Der Beleg dafür war der IRONMAN Hamburg Anfang Juni, wo sie erneut das Duell gegen Kat Matthews für sich entscheid. Doch der Auftritt im heiligen Gral des Triathlons auf Big Island ist noch eine Nummer größer. In ihrer letzten Video-Doku über die finale Kona-Vorbereitung auf Maui beschreibt sie auch die aufkommenden Gedanken, nun in einer Position zu sein, die sie sich zum Beginn ihrer Karriere nur erträumen konnte.
Im Training hat Philipp ihre Hausaufgaben gemacht und wurde von ihrem Team, um Trainer und Ehemann Philipp Seipp, perfekt auf den Raceday vorbereitet. Mit ihren 38 Jahren ist die Heidelbergerin zwar die älteste Athletin unter den Topfavoritinnen. Bisher konnte nur die Schweizerin Natascha Badmann als 38-Jährige im Jahr 2005 letztmals auf Hawaii gewinnen. Doch die deutsche Topfavoritin sagt, dass sie sich auch von der Physis noch einmal gesteigert hat und besser ist als beim letzten Kona-Auftritt 2023, wo sie als Dritte nach zwei vierten Plätzen (2019/2022) erstmals auf dem Podium stand.
Die Entscheidung, wer die neue Queen of Kona wird, fällt im Marathon, irgendwo zwischen Alii Drive, Palani Road, Queen Kaahumanu Highway, Energy Lab und Alii Drive. Und in den Laufschuhen ist Laura Philipp derzeit das Maß der Dinge: 2:55:24 (Kona 23), 2:44:34 (Roth 24), 2:44:59 /Nizza 24), 2:38:13/ Hamburg 25) und 2:43:17/Roth 25) sind ihre beeindruckenden Marathonzeiten der letzten zwei Jahre.
Ihre Konkurrentinnen müssen also mit (ordentlich) Vorsprung ihr Rad abstellen, sonst liegen alle Trümpfe in der Hand von Laura Philipp.
Die Kona-Konkurrentinnen von Laura Philipp
Lucy Chalres-Barclay
32 Jahre – Großbritannien
IM Pro Series-Ranking: 45
PTO World Rank: 5
6 Kona-Starts: 2016 (1. AG 18-24), 2017 (2.), 2018 (2.), 2019 (3.), 2022 (2.), 2023 (1.)
Startnummer 5

Bisheriger Saisonverlauf:
Die bisherige Saison lief für Lucy Charles-Barclay perfekt. Nach der Kona Slot-Validierung beim IRONMAN Lanzarote, den sie nach 2017 zum zweiten Mal gewann, standen vor allem die Starts in der T100 Serie im Fokus. Mit zwei Siegen in London und in Spanien liegt sie dort vor den finalen drei Saisonrennen in Führung (punktgleich mit Kate Waugh).
Leistungspotenzial:
| Schwimmen | Radfahren | Laufen |
| ***** | **** | **** |
Lucy Charles-Barclay hat bei ihrem IRONMAN Hawaii-Sieg 2023 in 8:24:31 Stunden einen neuen Streckenrekord aufgestellt. Den Kona-Schwimmrekord hält sie seit dem Jahr 2018 (48:14 min)
tri2b.com-Einschätzung:
Nach ihrem Kona-Triumph 2023 war die Saison 2024 von Verletzungsproblemen geprägt, mit dem DNF beim T100 London und den DNS beim IRONMAN WM-Titelverteidigungsrennen in Nizza. In Kona ist die Britin normalerweise eine Bank. Viermal Zweite und der Sieg 2023. In der T100-Serie überzeugte sie zuletzt mit einer starken Rad-Lauf-Kombi, während sie dort beim Schwimmen etwas zurückhaltender unterwegs war. In Kona wird Lucy Charles-Barclay sicher alles daransetzen, erneut eine erfolgreiche Soloflucht zu lancieren. Für die Kona-Titelverteidigung benötigt sie mindestens fünf Minuten Vorsprung nach dem Radfahren auf die starken Läuferinnen (Philipp/Matthews), zudem wird sie auf ihre bisherige Kona Lauf-PB von 2:57:38 Stunden noch was draufpacken müssen.
Taylor Knibb
27 Jahre – USA
IM Pro Series-Ranking: 30
PTO World Rank: 1
1 Kona-Starts: 2023 (4.)
Startnummer 6

Bisheriger Saisonverlauf:
Im Vergleich zur Saison 2024, als sie ein wahres Mammutprogramm an Wettkämpfen abspulte, war Taylor Knibbs diesjähriger Rennkalender überschaubar. Beim IRONMAN Texas sicherte sie sich im April mit Rang zwei den Kona-Slot. Anschließend stand die T100-Serie im Fokus, wo sie als Titelverteidigerin die Gejagte ist und vor den finalen drei Saisonrennen auf Rang fünf liegt. Während sie 2024 bei allen vier T100-Start siegte, steht 2025 nach drei Rennen „nur“ ein Sieg in Vancouver zu Buche. Auffallend war, dass sie nicht mehr mit der Dominanz und Leichtigkeit der Vorsaison unterwegs war.
Leistungspotenzial:
| Schwimmen | Radfahren | Laufen |
| ***** | ***** | *** |
tri2b.com-Einschätzung:
Vor zwei Jahren war Taylor Knibb in Kona die Rookie-Überraschung. Auf dem Rad spielte sie ihre Stärke aus und lag lange auf Podiumskurs. Ohne die ärgerliche „Littering-Penalty“ wäre vielleicht noch mehr drin gewesen als Rang vier. Auch diesmal wir Knibb auf dem Rad in die Offensive gehen und bei guten Bedingungen in Richtung des Radrekords (4:26 07/Daniela Ryf 2018) schielen. Für den Sieg bzw. das Podium muss die 27-Jährige anschließend allerdings auch noch einen Sub-3 Marathon abliefern, was ihr bisher noch nicht gelang ( 3:05:13 Kona 23/ 3:04:43 Texas 25).
Solveig Lovseth
26 Jahre – Norwegen
IM Pro Series-Ranking: 2
PTO World Rank: 12
Kona-Starts: Rookie
Startnummer 16

Bisheriger Saisonverlauf:
Schnellester IRONMAN-Rookie der Geschichte in Hamburg (8:12:28) und erste Sub-9 Zeit beim schweren IRONMAN Lake Placid. Der Einstieg in die Welt des Langdistanz-Triathlons ist Solveig Lovseth mit Bravour gelungen. Beim IRONMAN Hamburg war sie beim Schwimmen und auf dem Rad nahezu gleichschnell wie Laura Philipp und Kat Matthews unterwegs. Erst im Marathon musste sie die beiden ziehen lassen. Eineinhalb Monate später pulverisierte sie in Lake Placid pulverisierte bei ihrem Sieg den bisherigen Kursrekord um über eine Viertelstunde.
Leistungspotenzial:
| Schwimmen | Radfahren | Laufen |
| *** | **** | **** |
tri2b.com-Einschätzung:
Solveig Lovseth zählt mit ihren gezeigten Vorleistungen in Kona zum Kreis der Podiumsanwärterinnen. Sowohl in Hamburg und in Lake Placid lief sie den Marathon deutlich unter 2:50 Stunden. Allerdings ist die 26-jährige Norwegerin ein Kona-Rookie, und hinter ihrer Hitzefestigkeit steht ein Fragezeigen. Ihre bisherigen Topresultate lieferte sie allesamt bei gemäßigten Temperaturbedingungen ab.
Katrina Matthews
34 Jahre – Großbritannien
IM Pro Series-Ranking: 1
PTO World Rank: 4
1 Kona-Start: 2023 (DNF)
Startnummer 4

Bisheriger Saisonverlauf:
Vier Start, drei Siege. So ließt sich die Saisonbilanz von Katrina Matthews. Nur beim IRONMAN Hamburg musste sie sich nach einem harten Schlagabtausch Laura Philipp geschlagen geben. Im Vergleich zu 2024, als Matthews den Spagat zwischen den Rennen der IRONMAN Pro Series (Gesamtsieg) und der T100 Triathlon World Tour wagte, waren die Renneinsätze überschaubar. Den letzten Formtest beim IRONMAN 70.3 Zell am See-Kaprun gewann sie überlegen.
Leistungspotenzial:
| Schwimmen | Radfahren | Laufen |
| *** | ***** | **** |
tri2b.com-Einschätzung:
Wenn Kat Matthews einen IRONMAN bestreitet, dann steht sie normalerweise am Ende auch auf dem Podium oder gewinnt. Zuletzt stand ihr zweimal nur Laura Philipp im Weg, die sie sowohl bei der IRONMAN WM in Nizza und beim IRONMAN Hamburg niederringen konnte. Die rad- und laufstarke Britin ist daher für das Kona-Podium eigentlich fix gebucht. Wäre da nicht das DNF von 2023, als sie früh entkräftet vom Rad stieg. Den Beweis, dass sie auch Kona kann, muss sie nun am Samstag liefern.
Chelsea Sodaro
36 Jahre – USA
IM Pro Series-Ranking: 49
PTO World Rank: 43
2 Kona-Start: 2022 (1.), 2023 (6.)
Startnummer 3

Bisheriger Saisonverlauf:
In letzter Minute konnte Chelsea Sodaro Mitte August mit Rang drei beim IRONMAN Kalmar ihr Kona-Startrecht validieren. Zuvor bremste die Hawaii-Siegerin von 2022 eine Verletzung aus, die sie beim Lauftraining behinderte. Ihre weiteren Saisonergebnisse waren zwei zweite Plätze bei IRONMAN 70.3 Rennen (Eagleman & Pennsylvania).
Leistungspotenzial:
| Schwimmen | Radfahren | Laufen |
| **** | **** | *** |
tri2b.com-Einschätzung:
Nimmt man den Saisonverlauf als Maßstab, dann ist Chelsea Sodaro die Wackelkandidatin unter den Kona-Favoritinnen. In Kalmar war sie im August definitiv mit der Handbremse unterwegs – ihr dortiger 3:11er Marathon entspricht bei weitem nicht ihrem Leistungspotential. Das liegt bei deutlich unter drei Stunden. 2022 gewann sie am Alii Drive mit einem 2:51er Marathon. 2023 lief sie in ihrem Titelverteidigungsrennen 2:53 und zu Rang sechs. Die US-Amerikanerin kann definitiv in der Hitze Konas performen. Fürs Podium wird aber wohl unter 2:50 laufen müssen.
Bildrechte: Petko Beier/Getty Images for IRONMAN – Quellen: Trirating Kona-Report, PTO Stats, ironman.com












