Asics Metaracer

von Harald Eggebrecht für tri2b.com | 03.08.2020 um 14:25
Die Olympischen Spiele 2020 hätten die große Bühne des Asics Metaracer werden sollen. So ziert der Schriftzug TOKYO den ersten Carbon-Racer des japanischen Sportschuhherstellers und die extrem auffallende „Sunrise Red“-Farbstellung soll zudem die Hingabe und Leidenschaft der Athleten/innen aus dem Land der aufgehenden Sonne darstellen. Wir haben den keine 200 Gramm schweren Metaracer in den letzten Wochen in ganz unterschiedlichen Trainings-Sessions ausprobiert.

Asics ist seit jeher bekannt für seine reinrassigen Wettkampflaufschuhe: Immer möglichst minimalisch ausgelegt, um den Abdruck ohne Energieverlust auf die Straße zu bekommen.  Der Metaracer tritt mit seinem superleichten Aufbau (nur 192 g in Männergröße US 9,5) in diese Fußstapfen. Aus einem äußerst dünnen und luftigen Mesh-Obermaterial ist der Schaft gefertigt. Der feste sportive Sitz resultiert dabei aus dem eher schmal gehaltenen Schnitt, in Verbindung mit der satten Schnürung.

Bei der im Mittelfuß schmal gehaltenen Zwischensohle kombiniert Asics die bereits etablierte Guidesole-Technologie mit der neuen Carbonplatten-Bauweise. Die stark vorgeformte Rocker-Konstruktion mit seinen beiden FlyteFoam- Schäumungslagen ist vom Mittelfuß bis zur Schuhspitze mit einer dazwischen liegenden Carbonfaserplatte versteift. Gelaufen wird auf einer neuartigen „Wet Grip Rubber“ Sohle, die äußerst viel Traktion verspricht, auch auf nassem Asphalt.

 Die 192 g des Asics Metaracer in Männergröße US 9,5/EUR 43,5 sind eine Ansage - © tri2b.com

 

Unser Test:

 

Gehpausen sollte man mit dem Metaracer eher nicht machen. Dafür ist der neue Asics „Rennwagen“ definitiv nicht ausgelegt, denn beim Auftritt auf der extrem weichen Ferse kippt man regelrecht weg. Zwei Gänge höher geschaltet sieht das Ganze gleich komplett anders aus. Der Metaracer schreit förmlich nach mehr Tempo und Asics hat wohlwissend die optimale Pace mit Sub 4 min/km angegeben. Das gewisse Speed-Feeling kam aber bereits ab circa 4:30 min/km deutlich zur Geltung. Gefühlt war es während unserer Testläufe auch deutlich einfacher auf das entsprechend Zieltempo kommen, vorausgesetzt man setzt sauber auf dem Mittelfuß auf. Dann rollt der Fuß katapultartig fast ohne Zutun über den Vorfuß ab. Der optimale Untergrund ist ganz klar Asphalt und gute Sandwege. Auch leicht geschotterte Wege lassen sich noch gut mit dem Metaracer laufen. Wir es noch grober, dann fehlt es allerdings spürbar an Führung.

Der Barfußsitz war tadellos und macht den Asics Metaracer auch als Wettkampfschuh im Triathlon sehr interessant. Es fehlt zwar eine spezielle Einstiegshilfe, mit einer entsprechenden Gummi-Schnellschnürung und geübten Handgriffen sollten trotzdem schnelle Wechsel möglich sein.

Bei 200,00 EUR Preisempfehlung kommt unweigerlich auch die Frage nach der zu erwartenden Kilometerleistung auf. Die ist bei einem reinrassigen Racer nun mal begrenzt. Die wirklich viel Grip gebende Laufsohle hielt sich zumindest während unserer Testphase noch ziemlich schadlos.

Testrun: Der Asics Metaracer beim Raceeinsatz - Thiersee Triathlon 2020 - © tri2b.com

Offen wäre noch die Frage nach den zu empfehlenden Wettkampfdistanzen? In reinen Laufwettkämpfen ist der Asics Metaracer für technisch versierte Läufer/innen bis zum Halbmarathon sicher absolut problemlos einsetzbar. Für den Marathon-Einsatz sollte sich unbedingt herangetastet werden. Und im Triathlon?  Lief nicht Jan Frodeno mit einen Metaracer Erlkönig zum Ironman Hawaii-Sieg und Streckenrekord?  Ja lief er – in 2:42:43 Stunden auf dem heißen Pflaster zwischen Alii Drive, Queen-K Highway und Energy Lab. Solange die Pace passt, ist der Metaracer auch auf den langen Triathlon-Distanzen ein heißer Tipp. Aber wehe, es muss doch in den Slowjog oder Wandermodus gewechselt werden …  

 

Kurzfazit:

 

Mit dem Metaracer ist Asics ein Wettkampflaufschuh mit Carbonplatten-Technologie gelungen, der seinem Platz neben den Nike Modellen finden wird. Der federnde und vortriebsgebende Carbonsohlen-Effekt war deutlich spürbar. Im Quervergleich zu anderen getesteten Carbon-Racern sehen wir den Metaracer eher als Wettkampfschuh für die kürzeren und mittleren Distanzen (5 km bis Halbmarathon).

Technische Details

HerstellerAsics
ModellMetaracer
KategorieRace
empf. VK-Preis in Euro200,00
Gewicht192 g (Männer US 9,5)
Größen Männer US 6 - 13 / Frauen US 6 - 11
SohlenaufbauNeutral
Passformeher schmale Weite
optimales Körpergewicht<75 kg (Männer), <65 kg (Frauen)
Sprengung9 mm (Ferse 24 mm/Vorfuß 15 mm)
Webwww.asics.com/de/de-de/

Bewertung

Abroll-/Abdruckverhalten- +
Dämpfung Vorfuß- +
Dämpfung Rückfuß- +
Grip Laufsohle- +
Triathlon-Einstieg- +
Barfuß-Komfort- +

Fotoserie: Asics Metaracer