Nike ZoomX Vaporfly NEXT%

von tri2b.com | 03.08.2020 um 12:10
Nike hat mit seinem Sub 2-Stunden-Marathon-Projekt den Carbonsohlen-Hype in den letzten Jahren ins Rollen gebracht. Am 19. Oktober 2019 war es soweit: Eliud Kipchoges lief in Wien unter Laborbedingungen 1:59:40 Stunden auf 42,195 Kilometer. Einen entscheidenden Anteil hatte dabei Nikes Geheimschuh „Alphafly“. Den derzeit offiziellen Marathon-Weltrekord lief der Kenianer bereits 2018 mit 2:01:39 Stunden in Berlin und mit einem Vaporfly an den Füßen. Das Update, den Nike ZoomX Vaporfly NEXT%, haben wir jetzt im Praxistest unter die Lupe genommen.

Das Seele des Vaporfly NEXT% ist die durchgängige Carbonfaserplatte, die zwischen der superleichten und hoch reaktiven ZoomX-Schäumung verbaut ist. Im Schaftbereich setzt Nike auf das neue VaporWeave-Material, das durch seine extrem dünne Webart Gewicht spart und zudem so gut wie kein Wasser aufnimmt.

 

Unser Test:

 

Profitiert ein durchschnittlicher Agegrouper von einem Schuh wie dem Nike Vaporfly?  Dieser Frage sind wir nachgegangen. Unser Tester (Altersklasse 55) bewegt sich auf der Langdistanz im 11 Stunden-Bereich und ist bei seinen Lautrainings normalerweise im Bereich einer 5er bis 6er Pace unterwegs. Außerdem hatte er bereits Erfahrung mit leichten Runningschuh-Modellen.

Bei der Anprobe war unser Tester trotzdem überrascht, wie minimalistisch und leicht der Vaporfly NEXT% daherkommt. Ein Aha-Moment war auch die auffallend hohe Bauweise. Bei der Passform überzeugte das fast wie eine Plastikfolie erscheinende Obermaterial und die super dünne Zunge. Der Sitz in der Ferse wird durch eine innenliegende Gummiverstärkung garantiert.

„Der Schuh ist sehr bequem, läuft sich butterweich und durch die Höhe sowie Farbe fühlt man sich bedeutend :). Wenn man solche Schuhe und noch dazu in Rosa trägt, dann muss man auch abliefern,“ fasste unser Tester die ersten Eindrücke zusammen.

Beim ersten Lauf fiel gleich ein gewisser Geschwindigkeits-Push auf. Die Carbonplatte arbeitete gefühlt wie eine Springfeder, die einem im Vaporfly nach vorne springen lässt. Gerade bei höheren Geschwindigkeiten unter einer 5er Pace war dieser Effekt deutlich spürbar.

Währende der Testphase wurde der Vaporfly über die verschiedensten Distanzen gelaufen: Kurze Intervalle, normaler 12 km Lauf, Halbmarathon und auch beim Longjog über 30 km. Die ermittelten Daten zeigten, dass auch auf den längeren Distanzen ein Geschwindigkeitsvorteil durchaus spürbar war. Eine um circa 0,5 km/h schnellere Durchschnittsgeschwindigkeit, bzw. bei gleicher Geschwindigkeit eine um einige Schläge niedrigere Herzfrequenz konnte unser Tester bei längeren Läufen über die Halbmarathondistanz hinaus feststellen.

Echte orthopädische Probleme waren im Testzeitraum nicht zu verzeichnen, allerdings war deutlich spürbar, dass die starke Federwirkung auch eine erhöhte Belastung für die Muskulatur, das Bindegewebe und die Gelenke bedeutet. Bei der Haltbarkeit merkte man sehr schnell, dass der Vaporfly ein absoluter Hightech-Schuh ist. Super sensibel und nicht wirklich für das normale Training geeignet. Die Kilometerleistung ist daher definitiv sehr begrenzt. Deshalb sollte der Schuh für das wettkampfnahe Training und den Wettkampfeinsatz geschont werden.

 

Kurzfazit:

 

Unser Tester empfand den Nike Vaporfly NEXT% „wie Doping unter den Füßen“. Nike hat definitiv eine Laufschuh-Technologie entwickelt, die schneller macht. Vorausgesetzt das körpereigene „Fahrgestell“ ist von der Athletik auf die erhöhte Hebelwirkung und verstärkten Scherkräfte gut vorbereitet. Und da wäre noch der fast schon unverschämte Preis von 274,99 EUR UVP. „Ein teurer Wettkampfschuh, aber gerade in Corona-Zeiten sehr gut dazu geeignet, wenn man sich etwas gönnen möchte und kann.“  

Fotoserie: Nike ZoomX Vaporfly NEXT%