
Das sagt Swiss Side über seine Performance Platform:
Die Swiss Side Performance Platform soll Triathleten und Radsportlern als Entscheidungshilfesystem (Decision Support System) unterstützen, um die optimale Wahl bezüglich des Bike-Setups zu treffen und die ideale Pacing-Strategie für das Rennen festzulegen.
Die webbasierende Plattform hat sich bereits im Profi-Triathlon und im World-Tour-Radsport bewährt. Durch datengestützte Entscheidungsfindung konnten signifikante Zeiteinsparungen und verbesserte Ergebnisse erzielt werden. Ab sofort können auch Amateure von derselben Technologie wie die Profis profitieren, um ihre persönliche Performance auf dem Rad zu maximieren.
Von der Intuition zur datengestützten Entscheidung
Im Hochleistungs-Radsport basieren kritische Entscheidungen wie etwa die Wahl des Bike-Setups oder des Pacings oft auf subjektivem Gefühl oder Faustregeln. Dies kann zu suboptimalen Entscheidungen und Unsicherheit führen, was sich in langsameren Zeiten, ineffizientem Energieeinsatz und einer höheren kognitiven Belastung niederschlägt. Die Swiss Side Performance Platform nutzt eine proprietäre, physikbasierte Simulations-Engine, um datengestützte Entscheidungen beim Bike-Setup und der Pacing-Strategie zu ermöglichen. Dies verschafft den Anwendern einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil und das nötige Vertrauen in ihre Strategie am Renntag.
Bewährte Zeitersparnis: Mehr als nur “Marginal Gains”!
Der Kernwert der Plattform liegt in ihrer Fähigkeit, den Zeitunterschied zwischen verschiedenen Bike-Setups präzise zu quantifizieren und optimale Pacing-Strategien für ein spezifisches Athletenprofil auf einer bestimmten Strecke zu liefern. Simulationen zeigen, dass bei gleicher physiologischer Anstrengung teils mehrere Minuten pro 100 km eingespart werden können.
Die Beispielszenarien, die durch die Plattform validiert wurden:
● Rennrad vs. Zeitfahrrad (TT): In einer Simulation für den IRONMAN WM in Nizza war eine der häufigsten Fragen, welches Rad aufgrund der technischen und hügeligen Strecke zu wählen sei. Trotz des höheren Gewichts erwies sich das Triathlon-Setup um 8:40 min schneller als ein Standard-Rennrad.
● Pacing auf anspruchsvollen Strecken: Die Nutzung einer optimierten Pacing-Strategie mit gezieltem „Over-Pacing“ (höhere Leistung) in Anstiegen und Erholung in Abfahrten, war sowohl bei der IRONMAN WM in Nizaa als auch bei der Challenge Roth über 2 min schneller im Vergleich zu einem Pacing mit konstanter Leistung.
● Laufradwahl: Selbst bei kurzen Strecken im Zeitfahren zeigt die Plattform, dass aerodynamische Vorteile in flachen Abschnitten die Gewichtsnachteile an steilen Steigungen in der Regel überwiegen. So lässt sich das schnellste Laufrad-Setup für spezifische Streckenprofile bestimmen.
Erweiterte Funktionen
Die Plattform basiert auf einer robusten Cloud-Infrastruktur und wird als moderne, plattformübergreifende Web-Applikation bereitgestellt, die auf PC, Tablet oder Smartphone zugänglich ist. Zu den wichtigsten Funktionen gehören:
● Ausrüstungsvergleich: Vergleiche mehrere Bike-Setups, um die prognostizierten Zeitunterschiede direkt zu sehen.
● Pacing-Optimierung: Finde die mathematisch optimale Pacing-Strategie für jede Strecke und erkenne den Vorteil gegenüber einer Strategie mit konstanter Leistung bei gleicher physiologischer Anstrengung.
● Automatische Gruppierung: Die Plattform unterteilt Strecken automatisch in Gruppen, um eine einprägsame und in der Praxis umsetzbare Pacing-Strategie zu liefern.
● Automatisierte Integration von Wetterbedingungen: Das System ruft automatisch lokale Wind- und Wetterprognosen ab, um die Bedingungen am Renntag abzubilden.
● Umfassendes Streckenmanagement: Es steht eine Bibliothek offizieller Rennstrecken zur Verfügung und es können eigene Strecken (fit/gpx/csv-Format) hochgeladen werden.
Preise: Der Pro-Plan wird ab dem 9. April 2026 zu einem Launch-Preis von 19 € pro Monat oder 119 € pro Jahr erhältlich sein über: www.swissside.com/a/performance-platform (Die Swiss Side Performance Platform ist momentan nur in englischer Sprache verfügbar)
Unsere Testeindrücke
Wir haben die online laufende Swiss Side Performance Platform als Desktop-Anwendung ausprobiert. Die Anwendung läuft auch auf dem Smartphone. Allerdings ist es dort nicht ganz so einfach den Überblick über die vielen Daten zu behalten.
Apropos Daten. Swiss Side hat die Plattform ursprünglich für den Profisport entwickelt und kommt u.a. beim Decathlon UCI Protour Team zum Einsatz. Auch Laura Philipp und Sam Laidlow nutzten die Plattform für ihr Pacing und Setup bei der IRONMAN WM in Nizza und der Challenge Roth. Die nun erhältliche Version wurde in einigen Bereichen vereinfacht und anwenderfreundlicher gestaltet. Trotzdem zeigt sich schon beim ersten Blick in die Software, dass es hier knallhart um Daten geht – verspielte Animationen usw. gibt es nicht.
Die englisch sprachige Software ist leicht verständlich. Für den ersten Einblick bietet es sich an eine Simulation mit einer der hinterlegten Strecken (z.B. Roth, Hawaii) durchzuführen. So lernt man ohne weitere Vorarbeiten schnell die Funktionen der Anwendung kennen.

Bei so einem Testrun sieht man auch sofort, dass in der Anwendung in Hintergrund ordentlich gerechnet wird. Es dauert etwas bis die Ergebnisse aufploppen. Als erster Testrun war die Radstrecke der Challenge Roth dran. Dabei wurde als Normalized Power 215 Watt angesetzt. Als Setup wurde mein Cube Aerium C:68X SLT und ein Scott Addict RC Pro verglichen. Satte 13:32 min Zeitvorteil für das Cube TT-Bike errechnete die App. In absoluten Zeiten: 5:04:04 zu 5:17:36. Wobei laut Swiss Side unbedingt zu beachten ist: Es geht um die Zeitunterschiede, nicht um die absoluten Zahlen.
All About Aero
Schon die Roth-Simulation zeigt beim Blick auf die Segmente – 54 sind es an der Zahl (man kann diese zur Vereinfachung auch gruppieren) – dass das Triathlon-Setup fast in allen Segmenten schneller ist. Nur in den wirklich steilen Kletterabschnitten (z.B. Initialphase Kalvarienberg Greding) ist das Roadbike minimal schneller. Auf allen schnellen Abschnitten hat das Roadbike keine Chance.
Aber wie sieht jetzt das richtige Pacing mit dem Triathlon-Bike aus? Möglichst gleichmäßig mit 215 Watt durch das Frankenland düsen oder die Power unterschiedlich einsetzen? Hier bringt ein Pacing, bei dem an den Anstiegen leicht „überpaced“ wird (bis max +40 Watt) an den stärksten Steigungen) und dafür in den eher fallenden Abschnitten etwas Druck vom Pedal genommen wird. einen Zeitgewinn von 2:34 min (5:03:04 zu 5:05:38).
Dank durchdachtem Pacing mit neuer Bestzeit auf den Hausberg?
Die Swiss Side Performance Simulation lässt aber auch zu eigene Strecken zu optimieren. Als Test haben wir eine gut 16 km lange Strecke (Strava-Segment Altdorf-Burk-Auerberg 16,61 km /323 Hm – https://www.strava.com/activities/17998970808/segments/3476210594830088604) im Ostallgäu ausgesucht, dass im ersten Teil einer leicht welligen Zeitfahrstrecke entspricht, bevor es im zweiten Teil richtig bergauf geht. Das Segment endet mit einem 1,5 km langen Final-Climb mit im Schnitt 9,6 % Steigung.
Die spannenden Fragen: Kann ich mit einem richtigen Pacing meine bisherige Bestzeit verbessern? Zeitfahrrad oder Roadbike?
Die Ausgangslage: Meine bisherige Bestzeit lag bei 38:56 min (September 2025), gefahren mit dem Factor Slick (8,8 kg) Triathlon-Bike. Ein Blick in die Strava-Analyse zeigt, dass ich das Segment (wie so oft) sehr offensiv anging und dann hintenraus nichts mehr draufpacken konnte und zudem auch richtig leiden musste.

Ich habe mir eine Pacing-Strategie für 260 Watt Normalized Power ausrechnen lassen, was in etwa meiner aktuellen FTP entspricht (Bei der bisherigen Bestzeit im September 2025 waren es 266 Watt im Schnitt). Auch hier war die Empfehlung der App in den Aeroabschnitten teils deutlich unter 260 Watt zu fahren und an den Steigungen etwas drüber zugehen. Als mögliche Zielzeit spukte die Software 36:54 min** aus – 30 Sekunden schneller als bei konstantem Pacing (37:24)* . Zum Einsatz kam das Aerium C:68X SLT mit Zipp 858 Vorderrad und Super 9 Scheibe (jeweils mit Conti GP TLR 28 mm – tubeless gefahren).

Mit dieser defensiven Pacing-Strategie war der Auftakt dann auch eher entspannt und ich lag ehrlich gesagt trotzdem etwas über der Wattvorgabe. Allerdings war es von den Beinen so gut möglich in den folgenden steigenden Abschnitten die höheren Wattzahlen konstant zu treten und auch im harten Final-Climb nicht nachzulassen. Aufs Sekundenschinden mit einem sicher noch möglichen Schlussspurt verzichtete ich. Auch so blinkte mit 38:50 min eine neue Bestzeit (bei 262 Watt Durchschnittsleistung)– wenn auch nur um 6 Sekunden schneller – auf.
Der anschließende Blick auf Strava zeigte dann auch, dass ich in den flachen Abschnitten in der Tat etwas Zeit gegenüber alten Bestzeitfahrt liegen ließ. An den Anstiegen und insbesondere hinten raus die Zeit aber gutmachen und sogar noch etwas unterbieten konnte. Der tatsächliche Wind (6,1 km/h NNW) war übrigens lt. Strava nahezu identisch zum Ausgangsversuch (6,1 km/h 6,1 km WNW).

Offen ist jetzt noch Beantwortung der Frage nach dem besten Setup in der Praxis. Hier sagt die App, dass das mit 9,8 kg ziemlich schwere Triathlon-Setup trotzdem um 30 Sekunden schneller ist als mein kletterstarkes Scott Addict. Die Überprüfung in der Praxis folgt …
Fazit: Schneller ohne zusätzliches Training
Mit der Plattform zeigt Swiss Side einmal mehr, wieviel Wissen und Daten sie in den letzten gut 10 Jahren bei ihren Aerooptimierungen zusammengeführt haben. Die Plattform dürfte für alle Triathletinnen und Triathleten interessant sein, die mit Detailarbeit ihre individuelle Leistung auf dem Rad weiter optimieren wollen oder einfach nur Spaß an der aerodynamischen Spielerei haben. Mit dem Einführungspreis von 19.- € für den Monat oder 119,- € fürs Jahres-Abo kann man durchaus die entscheidenden Sekunden finden, die übers AK-Stockerl oder die Kona-Quali entscheiden, ohne mehr Zeit im Sattel verbringen zu müssen.
*Wind lt. Strava 6,1 WNW (was in den meisten Abschnitten leichten Rückenwind bedeutete
** Wind-Forecast in der Berechnung 10 km/h aus NW (was in den meisten Abschnitten leichten Rückenwind bedeutete)
*** tatsächlicher Wind lt. Strava 6,1 km/h NNW (was in den meisten Abschnitten leichten Rückenwind bedeutete)











