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Cervélo P-Series im Test: Weniger Show, mehr Alltagstauglichkeit

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Triathlon-Zeitfahrräder sind schneller geworden – aber oft auch komplizierter. Cockpits mit eingeschränkter Anpassbarkeit und immer komplexere Integrationslösungen machen viele aktuelle TT-Superbikes zu echten Spezialwerkzeugen, die vor allem eines verlangen: Kompromissbereitschaft im Alltag. Genau hier setzt das Cervélo P-Series an. Statt maximaler Integration um jeden Preis stellt Cervélo die Balance aus Aerodynamik, Anpassbarkeit und Praxistauglichkeit in den Fokus. Das Ergebnis ein UCI-konformes Triathlon-Bike, das nicht nur im Windkanal überzeugt, sondern vor allem draußen – im täglichen Training, im Rennen und auf langen Distanzen. Wie gut dieser Ansatz funktioniert und für wen das P-Series die vielleicht bessere Wahl gegenüber kompromisslosen Triathlon-Superbikes ist, zeigt unser ausführlicher Test.
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Im tri2b.com-Praxistest: Das Cervélo P-Series Ultegra Di2 – Bildrechte: tri2b.com

Das sagt Cervélo zum P-Series

Mit dem neuen P-Series transferiert Cervélo zentrale Konstruktions- und Aero-Konzepte des preisgekrönten P5 in eine Plattform für den breiten Triathlon-Einsatz. Grundlage sind umfangreiche Windkanaltests, CFD-Analysen sowie Renndaten aus der Entwicklung der Zeitfahr- und Triathlon-Modelle.

Die Frontpartie basiert auf einem D-Shape-Gabelschaft in Kombination mit einem standardisierten runden Vorbau. Diese Lösung erhöht die Kompatibilität mit unterschiedlichen Cockpit-Systemen und ermöglicht eine flexible Anpassung der Fahrposition. Ergänzend wurde die Geometrie überarbeitet: Ein erhöhter maximaler Stack erweitert den Einstellbereich insbesondere im Hinblick auf aerodynamisch effiziente, gleichzeitig komfortable Sitzpositionen.

Aerodynamisch profitiert das P-Series von einer weiter optimierten Rohrprofilierung, interner Kabelführung und reduzierten Übergangswiderständen im Bereich vom Steuerrohr zur Gabel. Gleichzeitig wurde die Reifenfreiheit vergrößert, um moderne Setups mit breiteren Reifen zu ermöglichen. In Kombination mit entsprechenden Laufrädern mit breiter Maulweite lassen sich Rollwiderstand und Systemeffizienz weiter verbessern.

Erstmals integriert ist ein Stauraum im Unterrohr, ausgelegt für Schlauch, CO₂-Kartuschen und Werkzeug. Die Konstruktion erlaubt einen schnellen Zugriff über eine abnehmbare Abdeckung. Zusätzlich gehört das Smartpak 400 am Oberrohr zur Serienausstattung und bietet eine aerodynamisch optimierte Lösung zur Verpflegungsmitnahme.

Im direkten Vergleich zum Vorgängerrahmen konnten messbare aerodynamische Vorteile erzielt werden. In Verbindung mit breiteren Reifen und kompatiblen Laufradsystemen ergibt sich eine Reduktion des Luftwiderstands und damit ein Leistungsgewinn im Fahrbetrieb.

Die in der Topausstattung verbauten Reserve 57TA/64TA Laufräder stellen eine Weiterentwicklung bestehender Aero-Konzepte dar. Die unterschiedliche Felgenhöhen (57 mm vorne / 64 mm hinten) sind gezielt auf ein ausgewogenes Verhältnis aus Seitenwindstabilität und maximaler aerodynamischer Effizienz ausgelegt. Die Turbulent-Aero-Optimierungen verbessern dabei die Strömungsstabilität bei variierenden Anströmwinkeln, ohne das Systemgewicht zu erhöhen.

Das UCI konforme Cervélo P-Series ist damit als integriertes Gesamtsystem konzipiert, das Aerodynamik, Anpassungsfähigkeit und funktionale Integration auf eine möglichst hohe Effizienz im Triathlon-Einsatz ausrichtet.

Ausstattung & Varianten: Viel Auswahl

Cervélo bietet das P-Series in einer breiten Palette an Ausstattungsvarianten an. Zudem stehen für den passenden Style vier Farben (Basalt, Extraspectral Mauve, Black und Deep Dahlia) zur Auswahl.

In der Topausstattung kommt das P-Series wahlweise mit Shimano Ultegra Di2 oder SRAM Force AXS (je 8.199 €). Wer einen Preispunkt niedriger einsteigen will kann zwischen Shimano 105 Di2 oder SRAM Rival AXS (je 5.599.- €) wählen. Den Einstieg bildet die Konfiguration mit der mechanischen Shimano 105 (5.299.- €). Für den individuellen Aufbau gibt es das P-Series zudem als Frameset (3.399.- €).

Unser Setup:

Für unseren Test durften wir das fahrbereit montierte Cervélo P-Series in der Shimano Ultegra Di2 Topversion fahren. Weitere Ausstattungs-Highlights sind in dieser Konfiguration der 4iiii Precision Pro GEN3+ Dual Sided Powermeter und die Reverse 57 TA/64TA Aerolaufräder, die auf 29 mm breiten Vittoria Corsa N.EXT TLR G2.0 rollten.

Cervélo P-Series mit Shimano Ultegra Di2
Jungfernfahrt mit dem Cervélo P-Series Ultegra Di2 – Bildrechte: tri2b.com

Unsere Testpiloten – Körpergröße 181 bzw. 184 cm –waren auf einer 56er Rahmengröße unterwegs, die eine eher entspannte Aeroposition zuließen. Die Reifen waren tubeless montiert. Der Testzeitraum erstreckte sich über den Winter, so dass nach den ersten Outdoor-Testrides das P-Series erst einmal zur gezielten Positionsanpassung auf den Smarttrainer zum Einsatz kam.

Der erste Eindruck: Agil, komfortabel – überraschend vertraut

Bei den ersten Ausfahrten fiel sofort das tendenziell eher wendige Roadbike-ähnliche Fahrverhalten auf, dass durch die 29 mm breiten Tubeless-Reifen zudem mit einem ordentlichen Comfort-Boost unterlegt war. Trotz des wendigen Feelings war aber auch sofort das Vertrauen da, sich auch bei höheren Geschwindigkeiten und in kurvigen Abschnitten auf den Aerolenker zu legen. Auffallend war zudem der sehr weit oben thronende Basislenker. Aero-Nerds werden die Nase rümpfen und den Daumen nach unten recken. In punkto Steuerfähigkeit und dem sicheren Umgreifen zwischen Basislenker- und Aeroposition vermittelte diese Einstellung von Beginn an beste Praxistauglichkeit.

Parallel zur Jungfernfahrt ging das P-Series auch auf die Waage. Die gemessenen 9,5 kg sind mehr als das Fahrgefühl vermuten ließ, was wohl dem eingangs erwähnten wendigen Fahrverhalten zuzuschreiben ist. Verantwortlich für das agile Verhalten ist der für ein TT-Bike eher kurze Radstand (1012 mm in Rahmengröße 56).

Die Praxiseindrücke im Detail

Vorab sei erwähnt, dass die Ultegra Di2-Gruppe ihren Dienst wie erwartet unauffällig souverän bewältigte. Wobei Ultegra in der TT-Konfiguration immer ein Mix mit Dura-Ace bedeutet. Die Satellitenschalter und die TT-Bremsschaltgriffe gibt es bei Shimano nur in der Dura-Ace Profiausführung und so präsentierte sich das Schalt- und Bremsverhalten (bei unserem Test-Bike waren auch Dura-Ace Bremssättel verbaut) auf Profiniveau. Der an den Ultegra-Kurbeln verbaute 4iiii Precision Powermeter überzeugte im Test durch hohe Zuverlässigkeit. Die gemessenen Werte deckten sich nahezu identisch mit Referenzdaten von Smart-Trainern wie dem Wahoo Kickr.

Hinsichtlich der Schaltungseinstellung waren wir mit Syncroshift unterwegs. Dieses Setup, bei der der Umwerfer „automatisch“ zwischen kleinem und großem Kettenblatt wechselt, funktioniert einwandfrei, sofern man sich vorher ein paar Gedanken zu den dem eigenen Leistungsniveau entsprechenden Übersetzungen macht und den Kettenblatt-Wechsel über die Shimano E-TUBE App passend konfiguriert. Für spezielle Topografien (z.B. sehr bergig), kann eine Anpassung nötig sein. Unabhängig davon kann die Schaltung auch „manuell“ gefahren werden, z.B. Kettenblattwechsel am Basislenker und die Kassette wird mit den Satellitenschaltern bedient.

Einen Vorteil bietet der D-Shape-Gabelschaft in Kombination mit einem klassischen runden Vorbau. Während viele moderne TT-Bikes auf stark integrierte, proprietäre Lösungen setzen, geht Cervélo hier bewusst einen anderen Weg. Das Ergebnis: maximale Flexibilität. Wer sein Cockpit individualisieren oder später upgraden möchte, kann dies ohne Adapter-Wahnsinn oder komplizierte Spacer-Konstruktionen tun.

Trotz dieser Offenheit bleibt die Integration erfreulich clean. Die Kabelführung ist sauber gelöst und vermittelt zu keiner Zeit das Gefühl, aerodynamisch Kompromisse einzugehen. Ein gelungener Spagat zwischen Performance und Nutzerfreundlichkeit. Bei unserem Test-Setup war der Basislenker weit oben montiert (inkl. der Spacer). Ein Setup, das nicht kompromisslos auf die Sekundenjagd ausgelegt ist, dafür viel Sicherheit in kurvigen Abschnitten und steileren Abfahrten vermittelt. Ebenfalls lässt sich so beim Klettern eine angenehmere Position einnehmen, die schon fast Roadbike-Charakter hat.

Ein großes Plus gibt es für die Umsetzung der Reifenfreiheit. 29er sind standardmäßig auf den Reverse 57TA/64TA Laufrädern montiert. Wird dabei auf Tubeless gesetzt, dann gibt es Höchstnoten bei Komfort und beim Rollwiderstand. Gerade auf längeren Distanzen oder schlechterem Asphalt zahlt sich dies spürbar aus.

Hinsichtlich der Aerodynamik der hauseigenen Reverse-Laufräder kann der Feldtest keine validen Aussagen treffen – gefühlt rollten die durch das matte Finish edel erscheinenden Aerowheels hervorragend und sehr wohl können wir dem Laufrad-Setup eine hohe Alltagstauglichkeit attestieren. Die Kombination aus der 57 mm hohen Vorderradfelge und der 64 mm hohen Hinterradfelge überzeugte vom Handling bei windigen Bedingungen. Zudem gibt’s mit den Reverse-Wheels nebenbei noch eine echte Innovation. Reverse, die wie Cervélo zur Pon Bicycle Group gehört, hat ein spezielles Tubeless-Ventil entwickelt. Die Pluspunkte: Ein erhöhter Luftdurchfluss erleichtert das initiale Aufpumpen bei der Tubeless-Montage, kein Verkleben durch zäh gewordene Dichtmilch und eine leichte Dosierbarkeit des Reifendrucks.

Kommen wir zu den speziellen Triathlon-Lösungen. Toll gelöst ist das interne Storage-Fach im Unterrohr unterhalb des Flaschenhalters. Das Öffnen und Schließen geht einfach von der Hand. Der Platz reicht aus, um das nötige Notfall-Kit mit Schlauch, CO₂-Kartusche und ein kleines Multitool sicher zu verstauen. Gleiches gilt für den durchdachten Flaschenhalter-Adapter für die Sattelstütze. Damit können Trinkflaschen sicher hinter dem Sattel positioniert werden und auch die Aerodynamik noch etwas pushen.

Einfach und solide gehalten ist die Smartpak Bento-Box auf dem Oberrohr. Hier sind Gels und Riegel gut aufräumt und mit einem sicheren Griff sofort verfügbar. Ein kleiner Wermutstropfen: Eine serienmäßige „Between-the-Arms“-Lösung für die Flaschenaufnahme fehlt. Wer mit einer Trinkflasche zwischen den Extensions fahren möchte, muss selbst nachrüsten.

Fazit: Die bessere Wahl für viele Triathleten?

Das Cervélo P-Series überzeugt als durchdachtes Allround-Triathlon-Bike. Ein großer Pluspunkt ist die breite Anpassbarkeit des Cockpits, die viel Spielraum für individuelle Aufbauten lässt. Das agile Fahrgefühl macht das P-Series zum Everyday Tri-Bike. Während manche der auf dem Markt befindlichen Superbike-Lösungen nur einen eher begrenzten Einsatzbereich auf typischen Zeitfahrdrückerstrecken haben, ist mit dem P-Series der komplette Bereich von der klassischen Roadbike-Ausfahrt bis zum echten Time-Trial abgedeckt.

Gerade Triathletinnen und Triathleten, die von ihren athletischen Voraussetzungen die Vorteile eines High-End Zeitfahrboliden nicht wirklich über eine komplette Distanz auf der Mittel- und Langstrecke in Leistung umsetzen können, sind mit dem P-Series bestens unterwegs. Die Triathlon-spezifischen Lösungen (Flaschenhalterung an der Sattelstütze, Bentobox) sind bewusst einfach gehalten und überzeugen mit echter Praxistauglichkeit.

Das von uns getestete P-Series in der Ultegra Di2 Ausstattung ist mit seinen gut 8.000 € UVP definitiv kein Schnäppchen, aber für eine Fachhandelsmarke trotzdem noch fair kalkuliert. In der breiten P-Series Produktpalette dürften definitiv auch Athletinnen und Athleten mit schmälerem Budget fündig werden, zumal durch die überzeugenden Allround-Fähigkeiten des Cervélo P-Series das heutzutage übliche Trainings-Roadbike nicht mehr zwingend als Zweitbike nötig ist.

Vorteile + + + + + :

  • Geometrie für gemäßigte Aeroposition und breiten Einsatzbereich
  • leichte Einstellbarkeit und Cockpit-Upgrade-Option
  • hoher Komfort durch breite Reifen
  • sehr agiles Roadbike-ähnliches Fahrgefühl
  • viele Ausstattungsvarianten

Nachteile  — — :

  • keine BTA-Flaschenaufnahme bzw. integriertes Trinksystem
  • UCI-Konformität reizt Triathlon-Aeropotential nicht voll aus

Produktinfos

Hersteller:Cervélo
Modell:P-Series Ultegra Di2
Gewicht:9,5 kg ohne Pedale (Rahmen 1340 g / Gabel 425 g)
Rahmengrößen in cm:48, 51, 54, 56, 58, 61
Preis:8.199 €
Website:https://www.cervelo.com/de-DE/bikes/p-series
Lenker & Vorbau: Profile Design Wing 20C+ Evo, 52 ASA, SuperSonic cockpit assembly / Cervélo ST36 Alloy
Sattelstütze:Cervélo SP23 Carbon
Sattel:Selle Italia WATT Superflow Manganese
Bremsgriffe: Shimano Dura-Ace R9180
Schaltung:Shimano Ultegra R8150
Umwerfer:Shimano Ultegra R8150
Schalthebel: Shimano Dura-Ace, R9180 / Shimano Dura-Ace, SW-R9160 (Satelitenschalter)
Bremsen: Shimano Ultegra BR-R8170 VR/HR
Bremsscheiben: Shimano CL800 Centerlock
Kurbelsatz/Kettenblätter:Shimano Ultegra R8100, 52/36T mit 4iiii Precision Pro, GEN3+ Dual Sided Powermeter
Kasette:Shimano Ultegra R8100, 11-30T, 12-Speed
Tretlager:FSA, BBright thread together for 24mm spindle
Kette:Shimano M8100
Laufräder: Reverse 57TA (VR) und Reverse 64TA (HR) mit DT Swiss 350 Naben
Reifen:Vittoria Corsa N.EXT TLR G2.0 700x29c
Zubehör:Cervélo Rear Hydration Mount / Cervélo Front Computer/Accessory Mount 810 / Cervélo Smartpak Top Tube Storage Bag 400 / Cervélo In-Frame Storage Rolls - Inner Tube Storage / Cervélo In-Frame Storage Rolls - Flat Kit Storage / Profile Design Axis Ultimate Carbon Water Bottle Cage (1 qty)
Farben:Basalt/Extraspectral Mauve/Black/Deep Dahlia
Fotoserie: Cervélo P-Series Ultegra Di2

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