
Für die Weiterentwicklung seines speziellen Triathlon-Bikes hat man bei Factor die Entwicklung auf dem Triathlon-Markt genau untersucht. War die Szene vor der Corona-Pandemie davon geprägt, dass sogenannte „Superbikes“ entwickelt wurden, wie z.B. das Cervélo P5X, so geht man nun wieder einen Schritt zurück. Viele aktuelle Tri-Bike-Entwicklungen orientieren sich wieder stärker an den Zeitfahrrädern mit UCI-Zulassung bzw. erfüllen sogar das UCI-Reglement hinsichtlich der Rahmenform. Dabei wird versucht die Räder für die Verwendungen von breiteren Reifen, integrierten Trinksystemen, die einfach Mitnahme von Verpflegung und Pannen-Kits, sowie für die Verwendung von elektronischen Schaltungen zu optimieren.
Das sagt Factor zu seinem SLiCK Triathlon-Bike
Gemäß seines Leitspruchs „Never Status Quo“ hatte Factor für das Modelljahr 2025 sein SLiCK Triathlon-Rad komplett überarbeitet. Bei der Gestaltung der Rahmenform haben sich die Factor-Ingenieure sowohl an der Technologie des erfolgreichen HANZŌ Track Bahnrades und des World Tour erprobten OSTRO VAM Road-Bikes bedient.
Insbesondere die Frontpartie, mit dem voll im Wind stehenden Steuerrohr, wurde hinsichtlich der Aerodynamik für verschiedene Anströmwinkel optimiert. Als Ergebnis bleibt eine um 12 % verbesserte Aerodynamik stehen. In konkreten Zahlen: 6 Watt soll das neue SLiCK bei 48 km/h (30 mph) gegenüber der Vorgängerversion einsparen. Neu gestaltet wurde auch der Bereich des Sitzrohres und der Sitzstreben, um dem SLiCK den nötigen Komfort für die längeren Triathlon-Distanzen zu verleihen.

Auf Standard setzt Factor hingegen beim Steuerohr. Das klassische Maß von 1 1/8 Zoll, lässt eine leichte Mon- und Demontage der Lenkereinheit zu, was vor allem für Athletinnen und Athleten interessant sein dürfte, die regelmäßig mit ihrem TT-Bike im Radkoffer auf Reisen gehen wollen. Zudem bietet das Steuerrohrstandardmaß den höchstmöglichen Freiheitsgrad hinsichtlich der Cockpit-Konfiguration.
Viel Spielraum zur individuellen Anpassung bietet auch die Sattelstütze mit der integrierten Schiene zur Sattelmontage. Je nach Sitzhöhe sind effektive Sitzrohrwinkel von 73 – 79 Grad möglich.
Als Storage-Box für Ersatzmaterial wird das volumige Unterrohr verwendet. Dadurch kann auf weitere Anbauten verzichtet werden und das SLiCK darf deshalb auf dem Sitzrohr auch den Aufkleber der UCI-Zulassung tragen. Das Trinksystem thront zusammen mit der Bento-Box auf dem Oberrohr und entspricht den aktuell geltenden Regelwerken (Stand: 2025).

Der SLiCK Rahmen wird in fünf Größen aufgelegt und deckt so ein Stack von 47 – 57 cm und ein Reach von 38,5 – 44,5 ab: Insbesondere auch kleinere Personen sollen so ihre Wunschposition umsetzen können.
Das ist Factor
Factor hat eine vergleichsweise kurze Firmen-History. 2007 entstand die britische Marke als Ableger von BF1 Systems, einem Unternehmen das auf die Entwicklung und Herstellung von elektronischen, elektrischen und Verbundwerkstoff-Lösungen spezialisiert ist, die vor allem im professionellen Motorsport (u.a. Formel 1, IndyCar, GT-Rennserien) und der Automobilindustrie zum Einsatz kommen.
Das erste Carbon-Bike von Factor entstand zwei Jahre später. Das futuristisch anmutende Factor001 sorgte 2009 in der Szene für allerlei Aufsehen. Richtig bekannt wurde Factor als Ausrüster des französischen UCI-Protour Teams AG2R. In der Saison 2017 fuhr der AG2R-Teamkapitän Romain Bardet mit den windschnitten Rädern der Briten auf das Tour de France-Podium.
Im Triathlon sind auf Factor Bikes momentan der US-Amerikaner Rudy Von Berg und der Däne Jens Emil Sloth Nielsen unterwegs.

Factor betreibt in Taiwan und China eigene Produktionsstätten und ist so in der Lage, den Herstellungsprozess seiner Carbon-Rahmen und den Aufbau der Räder engmaschig zu überwachen. Black Inc, deren Laufräder an den Factor Rädern verbaut werden, ist ein hauseigenes Tochterunternehmen.
Die Ausstattungsvarianten
Hinsichtlich des Setups ist das SLiCK als Komplettrad in zwei Grundvarianten erhältlich: Der Standard– und der Premium-Variante:
Das SLiCK Premium gibt es wiederum als Topmodell, komplett aufgebaut mit der SRAM Red Gruppe und dem Black Inc 62er Laufradsatz: – UVP 12.499 €. Mit der SRAM Force Gruppe werden aktuell UVP 11.399 € aufgerufen.

Die Basic-Version des SLiCK, ist ebenfalls komplett mit der Force Gruppe aufgebaut. Bei den Laufrädern wird hier ein Black Inc 58er Laufradsatz verbaut – UVP 9.399 €.
Für den Selbstaufbau bzw. die individuelle Konfiguration beim Händler gibt es das SLiCK zudem als Rahmen-Kit inkl. Cockpit (Base-Bar & Extensions), sowie der Sattelstütze – UVP 5.999.- €. Als zusätzliche Option ist das Rahmen-Kit in Kombination mit dem Black Inc 62er Laufradsatz erhältlich – UVP 9.099 €.
Alle Ausstattungsvarianten haben ein auf dem Oberrohr befestigtes Trinksystem (600 ml Füllmenge) und eine sich dahinter anschließende kleine Bento-Box. Ebenfalls Standard ist auch die Unterrohr-Storage-Box.
Unser Test
Das Setup
Für unseren Test durften wir das SLiCK Premium in der Topausstattung ausprobieren. Als Größe kam ein 56er Rahmen bei 181 cm Körpergröße zum Einsatz. Das Bike wurde vormontiert geliefert, sodass nach dem Auspacken lediglich die Endmontage erforderlich war. Dabei war nicht nur einmal Staunen angesagt. Der Rahmen ist top verarbeitet, was ein prüfender Blick ins Innere der praktischen Storage-Box im Unterrohr verrät. Fürs Schalten der SRAM Red waren vier eTap AXS Wireless Blips beigelegt, die wir an den Innenseiten der Vision Extensions und an der Innenseite der Basebar-Griffe anbrachten.
Das Koppeln der Blips mit der Schaltung und dem Umwerfer war anschließend ein Kinderspiel. Ebenso die Kopplung des Powermeters mit unserem Hammerhead Karoo 2 Bikecomputer.

Nach dem Einstellen der Sitzhöhe und des Vision Metron Cockpits, bei dem wir den Aufbau des Monorisers für eine sportliche entspannte Aeroposition mit den mitgelieferten Spacern um 4,5 cm anhoben und die JS-Bend-Extensions auf einen moderaten Anstellwinkel von 10 Grad einstellten, konnte auch schon die Jungfernfahrt beginnen.
Der erste Eindruck
Als erster Eindruck blieb das für ein TT-Bike äußerst agile Fahrverhalten hängen. Bei einem Blick auf die Rahmengeometrie zeigt sich für den von uns getesteten 56er Rahmen ein Radstand von 1021 mm bei einem 72,5 Grad Steuerrohrwinkel. Damit liegt das SLiCK irgendwo im Übergangsbereich zwischen klassischen Race-Roadbikes und extrem auf Geradeauslauf ausgerichteten TT-Bikes.

Außerdem fiel sofort auch das für ein Triathlon-Zeitfahrrad niedrige Gewicht von knapp unter 9 kg auf (8,85 kg ohne Pedale/ inkl. Trinksystem, Bentobox und zwei Flaschenhaltern). Das SLiCK lässt sich für ein TT-Bike deshalb spielend leicht beschleunigen und auch gefüllt leichter über sich in den Weg stellende Anstiege wuchten. Mitverantwortlich für dieses agile Handling sind die Black Inc. Laufräder, die für 62 mm Felgenhöhe nur 1.390 g auf die Waage bringen. Die auffallend glänzenden Carbonfelgen sorgen zudem in Kombination mit den mattschwarzen Carbonspeichen für einen echten Eyecatcher.

Nicht geschimpft ist gelobt genug – diese Redewendung trifft zu 100 % auf die verbaute SRAM Red Gruppe zu. Hinsichtlich der Funktion gibt es absolut gar nichts auszusetzen. Die Funkschaltsignale lassen die Kette spielerisch und punktgenau zwischen den Ritzeln und den Kettenblättern hin und herwechseln. Einfach nur Top funktionieren die Bremsen, die SRAM-typisch auch mit minimalem Fingerdruck sofort kraftvoll zubeißen und äußerst direkt verzögern. Als Fahrer, der ansonsten vor allem auf den diversen Shimano-Bremsvarianten unterwegs ist, war anfangs etwas Vorsicht geboten, um keinen Abgang über den Lenker zu riskieren.
Die Praxiseindrücke
Insgesamt sind wir das SLiCK cira 700 Kilometer während der Off-Season gefahren, wobei die längste Ausfahrt etwas über die 100 km-Marke ging.
Auch wenn als erster Eindruck vor allem das agile Fahrverhalten in Erinnerung blieb, lieferte das SLiCK bei den Testrides auch in puncto Geradeauslauf und Fahrstabilität sauber ab. Dies zeigte sich insbesondere bei einer Ausfahrt bei starkem böigem Wind. Das SLiCK war auch hier sicher steuerbar – mit Ausnahme von ein paar extremen Böen von der Seite, – wobei hier vor allem das 62er Vorderrad zu bändigen war.

Beim ultimativen Zeitfahr-Check mit ordentlich Rückenwindunterstützung hätte es dann sogar fast zum Strava-Krönchen gereicht. Bei einem 53,4er Schnitt über gut 8 km kam Tour de France-Prolog-Feeling auf. Am Bike-Setup lag es definitiv nicht, dass am Ende 2 Sekunden zur KOM fehlten. Das SLiCK ließ sich auch bei Tempo 60 noch sicher in der Aeroposition über die Landstraße manövrieren. Nichts zu meckern gab es auch in schnellen und kurvenreichen Abfahrten. Ein Bottom-Drop von ordentlichen 76 mm sorgt für einen tieferen Schwerpunkt, was die Fahrstabilität erhöht.
Mit dem eher hoch ansetzenden Basislenker ließ sich das SLiCK sicher durch die Kurven steuern. Auch wenn bei höheren Geschwindigkeiten etwas stärker vor Kurven angebremst wurde, hatte man nicht das Gefühl gleich über den Lenker nach vorne abzusteigen. Zudem schont diese aerodynamisch nicht voll ausgereizte Lenkerposition die Nackenmuskulatur.
Nicht nur schön aufgeräumt, sondern auch praxistauglich ist die Unterrohr-Storage-Box. Der Platz reicht aus, um die Reparatur-Basics Schlauch, CO2-Kartusche, Mini-Werkzeug (ein 10er Inbus gehört auf jeden Fall eingepackt, sonst wird’s mit dem Ausbau des Laufrads bei einem Defekt schwer ) unterzubringen. Praxis-Tipp: Wer im Unterrohrflaschenhalter mit klebrigen Isogetränken und Carbo-Gels unterwegs ist, der sollte die Storage-Box-Verriegelung regelmäßig vom „Zucker-Klebstoff“ reinigen. Ansonsten kann das Öffnen zum ungewollten Kraftakt werden.
Unser Testfazit
Die Testfahrten mit dem Factor SLiCK haben richtig Spaß bereitet. Die verbaute Ausstattung mit der kompletten SRAM Red Gruppe, dem Vision Metron-Cockpit und dem Black Inc. Laufrädern ließ definitiv keine Wünsche offen.
Das SLiCK reizt aerodynamisch nicht ganz das technisch Machbare aus, dafür hat Factor das HANZŌ im Sortiment. Umso höher punktet es mit breiten Einstellmöglichkeiten, einem durchdachten und auch in der Praxis sich bewährenden Storage- und Trinksystem, sowie einem Fahrverhalten, dass das komplette Triathlon-Spektrum von der topfebenen Bestzeiten-Strecke bis zu technisch anspruchsvollen bergigen Streckenführungen gleichermaßen abdeckt.
In Summe ist das Factor SLiCK eine ideale Wahl für Triathletinnen und Triathleten, die Wert auf Vielseitigkeit und eine exklusive Ausstattung legen, ohne unbedingt in oberste Preisregal greifen zu müssen.
Vorteile + + + + + + :
- breiter Einsatzbereich
- leichte Einstellbarkeit
- geringes Gewicht für ein Triathlon TT-Bike
- sehr agiles Fahrgefühl
- exklusive Ausstattung
- praxistaugliche Triathlon-Lösungen (Trinksystem, Storage-Box)
Nachteile — — :
- Komplettrad nur mit SRAM-Konfiguration erhältlich
- kein Low-Budget-Bike im Sortiment

























