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Alanis Siffert ist die jüngste Roth-Siegerin aller Zeiten. Nur die achtfache IRONMAN-Hawaii-Gewinnerin Paula Newby-Fraser war einen Tick jünger, als sie 1986 erstmals auf Kona einen Langdistanz-Triathlon gewonnen hatte. „Wer ist das?“, musste der neue Roth-Champion vorsichtig nachfragen und später sympathisch ergänzen: „Ach so, da war ich ja noch gar nicht auf der Welt.“ Hierbei lächelte „The Duck“, wie Alanis Siffert genannt wird, da sie erst im Jahr 2021 vom Schwimmen zum Triathlon gewechselt ist. Sie hatte dieses Lächeln im Gesicht, das man bei ihr auch sehen konnte, als sie den Solarer Berg mit dem Rad hochfuhr und sogar als sie im Ziel in Roth ankam. Kaum ein Athlet, kaum eine Athletin wirkte im Ziel so frisch wie die frisch gebackene neue Roth-Siegerin.
Dabei hatte sie durchaus harte Konkurrenz im Frauenfeld. „Ich habe hart trainiert und mich top in Form gefühlt“, sagte sie zwar. „Ich war aber realistisch und wusste, dass mit Lucy Charles-Barclay und Kat Matthews zwei starke Frauen am Start sind.“ Sie habe daher einfach ihr Rennen gemacht. Auf dem Rad hatte sie die Führung übernommen und bis zum Finish nicht mehr abgegeben. „Ich wusste, dass es auf der Laufstrecke einen Wendepunkt gibt. Hier hatte ich gesehen, dass mein Vorsprung zu Lucy gewachsen ist. Ich habe mir aber nicht erlaubt zu denken: Ich gewinne das Rennen.‘“ Sie habe stattdessen ihr Rennen immer weiter gemacht. „Erst zwei Kilometer vor dem Ziel habe ich den Gedanken zugelassen und bin jetzt natürlich überglücklich.“
Rennleiter hielt Anfrage für ein Deep Fake
Beinahe wäre die Konkurrenz gar nicht so groß geworden. Die Vorjahreszweite und Roth-Siegerin 2019, Lucy Charles-Barclay, hatte erst vor einer Woche ein Video an Roth-Rennleiter Felix Walchshöfer geschickt: „Ich habe geschrieben, dass ich mich richtig gut fühle und nach Roth kommen kann.“ Der gut vernetzte Rennleiter hatte das Video zunächst für ein Deep Fake gehalten und nicht wirklich geglaubt, dass Lucy Charles-Barclay dieses Jahr tatsächlich in Roth starten werde. „Dann habe ich zurückgerufen und gesehen, dass es ihre Nummer war“, erklärte Walchshöfer mit einem Schmunzeln.
„Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch gedacht, dass ich heute eine Trainingseinheit mache“, erklärte die Britin. „Ich habe versucht, mein Bestes zu geben. Ich habe beim Rennen gelitten. Ich bin aber immer weitergelaufen. Man weiß ja nie, was bei einem Marathon passiert.“ Deshalb freue sie sich über den zweiten Platz. „Das war dann ein langer Trainingstag heute“, sagte sie mit einem Augenzwinkern.
Es war tatsächlich ein langer Tag, bei dem die IRONMAN-Weltmeisterin aus dem Jahr 2023 vor allem in den beiden Wechselzonen Zeit verloren hatte. Nach dem Schwimmen im Main-Donau-Kanal musste sie zunächst ihren Wechselbeutel suchen. Anschließend hatte sie ihr Rad schon aus dem Ständer genommen, musste noch einmal zurück, weil sie vergessen hatte, ihren Fahrradhelm aufzusetzen. In der zweiten Wechselzone hatte sie sich schließlich komplett umgezogen und ist dafür sogar vom Wechselzelt hinter die mobilen Toiletten gegangen, wodurch die spätere Fünfte Caroline Pohle zwischenzeitlich an ihr vorbeigezogen war.
Anne Haugs Favoritin zündete nicht
Caroline Pohle kam bei ihrem Langdistanz-Debüt in 8:32:49 Stunden als Fünfte hinter Kat Matthews (8:31:35 Stunden) ins Ziel. Völlig erschöpft musste Pohle nach dem Rennen wortlos ins Verpflegungszelt gebracht werden. Die IRONMAN-Weltmeisterin von 2019 und dreifache Roth-Siegerin Anne Haug, die inzwischen ihre Karriere beendet hat, hatte weder auf Alanis Siffert noch auf Lucy Charles-Barclay getippt: „Ich hatte gedacht, Kat Matthews macht das Rennen. Aber da sieht man mal, dass man wirklich einen perfekten Tag erwischen muss.“ Mit Alanis Siffert wachse ein nächster Superstar heran, glaubt Anne Haug nun. Die Britin Matthews musste sogar ihre Landsfrau Daisy Davies noch den Vortritt für den dritten Platz lassen: „Ich werde definitiv nächstes Jahr wieder kommen“, kündigte Davies an. „Es war heute eine nette Überraschung für mich, dass es so gut gelaufen ist. Vor allem beim Marathon hatte ich alles recht gut unter Kontrolle.“ Einzig einen knappen Meter vor dem Ziel gab es eine kurze Schrecksekunde: Sie stolperte, fiel hin, stand dann aber sofort wieder auf und durchschritt das Zielband. „Nächstes Jahr werde ich sicher nicht mehr unter dem Radar laufen“, sagte die Britin aus dem Bianchi Pro Triathlon Team.







