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T100 Triathlon: Viel Geld, wenig Seele – warum die Serie ihr Versprechen bisher nicht einlöst – ein Kommentar

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Die Ankündigung, dass die PTO und World Triathlon ab 2027 ihre Wettkampfformate unter einem gemeinsamen Renn-Label präsentieren wollen, wirkt fast wie eine Drohung – zumindest für all jene Triathlon-Fans, die in den vergangenen zwei Jahren verfolgt haben, was die T100-Tour bislang abgeliefert hat.
Stimmung sieht anders aus: Der Zieleinlauf beim T100-Finale in Katar
Stimmung sieht anders aus: Der Zieleinlauf beim T100-Finale in Katar – Bildrechte: tri2b.com

„Redefining Triathlon“ lautete der vollmundige Slogan, mit dem Anfang 2024 die T100-Serie vorgestellt wurde. Die weltbesten Athletinnen und Athleten sollten rund um den Globus in spektakulären Rennen ihre Besten küren – garniert mit einem für Triathlon-Verhältnisse üppigen Preisgeld.

Zwei Saisonen später fällt das Fazit ernüchternd aus. Die Rennen sind – von wenigen Ausnahmen abgesehen – beliebig austauschbar – 2 km Schwimmen, 80 km Radfahren, 18 km Laufen, meist auf seelenlosen urbanen Stadtkursen. Namenlose Kreisverkehre und 90-Grad-Wenden fungieren als Scharfrichter – wirklich herausforderndeStreckenabschnitte Fehlanzeige.

Die Austauschbarkeit der Rennen macht es auch für die Kommentatoren nicht einfach. Bewundernswert wie das Eurosport-Team um Roman Knoblauch und Daniel Unger versucht, die Zuschauer bei Laune zu halten, während die Weltelite vor nahezu leeren Rängen Runde um Runde dreht und jeder Fan an der Strecke persönlich per Handschlag begrüßt werden könnte.

Den meisten Profis scheint das egal zu sein. Um es provokant im Andi-Möller-Stil zu sagen: „Dubai oder Katar – Hauptsache die Kohle stimmt.“ Offene Kritik aus dem Athletenfeld ist rar, ganz nach dem Motto: Säge nicht an dem Ast, auf dem du sitzt. Dass viele Pros diese Realität akzeptieren, ist nachvollziehbar – problematisch ist, dass die Serie genau darauf baut. Nur Marten Van Riel platzte nach dem Dubai-Debakel der Kragen – er sprach der PTO in einem Statement sogar das „Professional“ ab.

Dabei hatte das Engagement der PTO zumindest einen positiven Nebeneffekt: IRONMAN war plötzlich gezwungen zu reagieren und schickte mit der Pro Series ein eigenes Eliteformat ins Rennen. Eine Marke, die nach der WM-Zweiteilung zwischen Kona und Nizza bereits totgesagt wurde, ist wieder „in“.

Mehr noch: Die diesjährigen IRONMAN-WM-Rennen in Nizza, Kona und Marbella lieferten epische Sportmomente, über die man auch in Jahren noch sprechen wird. Von der T100-Serie bleibt bislang vor allem das Rundenzähl-Drama von Dubai im Gedächtnis. Wer am Freitag in Dubai – pardon: Katar – den T100-WM-Titel gewann, dürfte hingegen schneller vergessen sein.

Das erklärte Ziel der PTO, Triathlon über die Szene-Blase hinaus bekannt zu machen, ist bislang klar verfehlt worden. Als „Torso“ Thorsten Schröder die Tagesschau am Freitagabend mit dem Einzug der deutschen Handballfrauen ins WM-Finale eröffnete, blieb Mika Noodts erneute Topperformance mit T100-WM-Silber den Special-Interest-Medien vorbehalten.

Wie also kann die T100-Serie besser werden? Sicher nicht, indem mit Saudi-Arabien ein weiterer Austragungsort hinzukommt, der das Thema Sportswashing noch stärker befeuert. Epische Triathlon-Momente lassen sich nicht am Reißbrett entwerfen. Sie entstehen durch gewachsene Rennhistorie, unverwechselbare und fordernde Strecken, sowie Bedingungen, die Athletinnen und Athleten an ihre Grenzen bringen – und so den Fan vor dem Bildschirm vom Hocker reißen.

Solange die T100-Serie genau das vermissen lässt, bleibt sie vor allem eines: gut bezahlt, pompös präsentiert – und erstaunlich leicht zu vergessen.

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