Daniela Ryf zum vierten Mal Ironman 70.3-Weltmeisterin, Anne Haug gewinnt Bronze

von Harald Eggebrecht für tri2b.com | 01.09.2018 um 11:42
Die Schweizerin Daniela Ryf ist bei den Ironman 70.3 World Championships 2018 im südafrikanischen Port Elizabeth ihrer Favoritenrolle gerecht geworden und hat sich nach 2014, 2015 und 2017 den vierten WM-Titel über die halbe Ironman-Distanz gesichert. Ryf triumphierte an der Nelson Mandela Bay in 4:01:13 Stunden vor der Britin Lucy Charles (4:04:59) und der gebürtigen Bayreutherin Anne Haug (4:07:22).

Das Schwimmen am Hobie Beach wurde wie zu erwarten von Lucy Charles bestimmt. Die 24-jährige Britin schwamm die 1,9 km im Indischen Ozean in exakt 23 Minuten und legte so eine Lücke von einer guten Minute zur einer achtköpfigen Verfolgerinnengruppe. Diese wurde von Charles Landsfrau Fenella Langridge in die erste Wechselzone geführt. In der Gruppe beendet auch die Topfavoritin und Titelverteidigerin Daniela Ryf (+1:24 min.) das Schwimmen. Die große Überraschung war aber, dass Anne Haug (+1:25 min.) direkt an den Fersen von Ryf zu ihrer Zeitfahrmaschine stürmte.

 

Haug vor Ryf auf dem Rad

 

Haug wechselt dann sogar einen Tick schneller als die Schweizerin und ging als Siebte mit 1:36 min. Rückstand zu Charles auf die 90 km lange Radstrecke. Dort versuchte dann Ryf auf den ersten ansteigenden Kilometern die Machtverhältnisse möglichst schnell zurecht zu rücken. Die Titelverteidigerin fuhr die Lücke zu Charles schon auf den ersten 15 km bis auf Sichtweite zu. Die Verfolgerinnen, angeführt von Haug, verloren nun deutlich Zeit und lagen schnell zweieinhalb Minuten zurück.

 

Lokomotive Ryf mit Bremsfallschirm

 

Ryf drückte nun weiter aufs Tempo und war nach 30 gefahrenen Kilometern gleichauf mit Charles, auch wenn sie von ihrem kaputten Reißverschluss des Triathlonsuits aerodynamisch deutlich gehandicapt war. Dieser blies sich teilweise wie ein Bremsfallschirm auf und dürfte so einige zusätzliche Watt an Tretleistung gekostet haben. Charles nahm ihrerseits das Tempo der Schweizerin mit auf. Ryf spielte nun bis zur zweiten Wechselzone die dick gekettete Lokomotive, während Charles mit einer etwas höheren Trittfrequenz folgte.  Dass das Spitzenduo dabei auch noch richtig schnell unterwegs war, zeigte sich auch im Abstand zu den Verfolgerinnen. Nach gut der Hälfte der Raddistanz war die Lücke auf fünf Minuten angewachsen, wobei sich eine Vierergruppe mit Haug an der Spitze, der Wahlschweizerin Immogen Simmonds, der Tschechin Radka Vodickova und Pamella Oliveira aus Brasilien gebildet hatte.

An dieser Konstellation sollte sich auch auf den finalen flachen Kilometern entlang der Küste nichts mehr ändern. Ryf fuhr mit Charles im Schlepptau in Richtung zweiter Wechselzone. Das Quartett der Verfolgerinnen sollte mit 7:40 min. Rückstand das Rad den Helfern übergeben und in die Laufschuhe schlüpfen. Bis die nächsten Verfolgerinnen, angeführt von der Australiern Ellie Salthouse, in den Halbmarathon wechselten, sollten nochmals fast vier Minuten vergehen.

 

Vorentscheidung in T2 - Haug rennt entfesselt

 

Ryf setzte mit einem schnellen Wechsel Charles gleich unter Druck. Sofort ging eine Lücke von 50 Metern auf. Charles versuchte zunächst mit aller Macht den Abstand wieder zu verkürzen. Kurzzeitig sah es so aus, dass der Britin das sogar gelingen könnte. Dies war allerdings nur eine Momentaufnahme. Bald sollte Ryf, allerdings mit deutlich angestrengtem Gesichtsausdruck, Meter um Meter davonziehen. Nach einem Drittel der 21,1 km lag die dreimalige Ironman 70.3-Weltmeisterin mit einer Minute vor Charles in Führung. Dahinter machte Haug das, was sie am besten kann. Richtig schnell laufen. Die ersten 5,2 km spulte die Bayreutherin mit einem flüssigen Schritt in 18:08 min. herunter und hatte damit ihre drei Mitstreiterinnen vom Radfahren schon über eine Minute distanziert.

Die Podiumsplätze waren damit vergeben. Ryf vergrößerte ihren Vorsprung weiter und holte sich in 4:01:13 Stunden ihren vierten Ironman 70.3-WM-Sieg seit 2014. "Es war ein absolut herausfordernder Tag. Mein Reißverschluss des Trisuits ging gleich am Anfang kaputt und die Versuche den Suit glatt zu bekommen, haben nicht funktioniert. Ich bin auf dem Rad richtig hart gefahren, aber Lucy hat mich nicht ziehen lassen. Beim Laufen habe ich dann aber nach anfänglichen Schwierigkeiten meine Beine gefunden," so Ryf nach der Flowerceremony.

Dahinter musste Charles nun zwar deutlich knautschen, da ihre Taktik mit Ryf auf dem Rad mitzugehen viel Kraft gekostet hatte. Ihr Schritt wurde zwar kürzer, doch richtig in Gefahr kam der Silberrang in 4:04:59 Std. nicht mehr, auch wenn Haug in 1:15:11 Std. die klare Tagesbestzeit in den Laufschuhen vorlegte und nach 4:07:22 Std. ungefährdete Tagesdritte wurde. Über sechs Minuten dauerte es, bis sich die Brasilianerin Pamela Oliveira (4:13:44) in einem packenden Lauffinale den vierten Platz vor Radka Vodickova (4:13:50) sicherte. Imogen Simmonds (4:14:40) wurde Sechste. Die Österreicherin Michi Herlbauer finishte nach 4:24:37 std. auf Rang 15.

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