Ironman 70.3 Kraichgau: Kienle und Philipp einsam durch das Land der 1000 Hügel

von Harald Eggebrecht für tri2b.com | 11.06.2017 um 13:25
Sebastian Kienle hat in 3:56:00 Stunden den Ironman 70.3 Kraichgau 2017 gewonnen. Für den Knittlinger war es der vierte Erfolg bei seinem Heimrennen, bei dem er diesmal der Konkurrenz nicht den Hauch einer Chance ließ. Rang zwei sicherte sich in einem packenden Finale Markus Rolli (4:07:04) vor Marc Dülsen (4:07:06). Ähnlich dominant wie Sebastian Kienle war auch Laura Philipp unterwegs. Die Profiathletin aus Schwäbisch-Gmünd feierte in 4:23:03 Stunden ihren dritten Ironman 70.3-Saisonsieg. Erst mit mehr als zehn Minuten Abstand folgten die Tageszweite Yvonne van Vlerken (4:35:10) und Lena Berlinger (4:37:13).

Nach der verletzungsbedingten Absage von Patrick Lange war ein Alleingang von Sebastian Kienle fast zu erwarten. Der Hawaii-Sieger von 2014 gab zudem dazu passend vor dem Rennen schon selbstbewusst Auskunft, dass er auf seinen heimatlichen Trainingsstrecken diesmal sowieso nicht zu schlagen sein wird.

 

Rolli als Erster aus dem Hardtsee, Hellriegel führt Verfolger an

 

Im mit 20,1 Grad angenehm temperierten Hardtsee ließ Kienle zumindest noch ein paar anderen Athleten den Vortritt. Markus Rolli, aus dem nahen Forst, zeigte sein ganzes Können in der ersten Disziplin und stürmte bereits nach 23:23 Minuten den leichten Anstieg in Richtung Wechselzone hinauf.  Eine siebenköpfige Verfolgergruppe, angeführt von Altmeister Thomas Hellriegel, folgte erst gut eineinhalb Minuten später. Dort mit dabei: Sebastian Kienle, Marc Dülsen, Markus Fachbach, Marc Eggeling, Markus Liebelt und der Niederländer Bas Diederen.

Auf dem Rad sorgte Kienle schon auf den ersten Kilometern für klare Verhältnisse. Schnell war der 32-Jährige seinen Schwimmmitstreitern enteilt und auch zu Markus Rolli aufgefahren. Bereits vor dem  Zuschauer-Hotspot am steilen Anstieg in Gochsheim war Kienle allein auf weiter Flur. Von nun an fuhr der Lokalmatador ein einsames Rennen, allerdings bei Hochsommerwetter unter dem ständigen Applaus seiner unzähligen Fans am Streckenrand. Mit fast sechs Minuten Vorsprung stellte Kienle nach den 90 Radkilometern seine Zeitfahrmaschine in der zweiten Wechselzone in Bad Schönborn ab. Als Dritter folgte Marc Dülsen in den Halbmarathon, allerdings bereits mit fast zehn Minuten Abstand zu Kienle. Hinter Markus Liebelt ging auch schon Thomas Hellriegel auf die Laufstrecke, der in der zweiten der drei Laufrunden sein Rennen wegen Problemen in der Oberschenkelmuskulatur aufgeben musste.

 

Kienle geniest Radfahren ohne Verkehrsregeln, Sprintfinale um Rang zwei

 

Vorne konnte es Kienle bei seinem 21 Kilometer langen Triumphlauf  in der Mittagshitze verhältnismäßig entspannt angehen. In 1:16:37 spulte der Sieger der Kraichgau-Austragungen von 2009, 2014 (Challenge) und 2015 (Ironman 70.3) den Halbmarathon herunter und  lief so noch mehr Vorsprung auf seine Verfolger heraus. Nach exakt 3:56:00 Stunden riss der Vorjahresweite das Zielband in die Höhe. "Es waren so viele Fans an der Strecke. Ein Wahnsinn, in der Heimat mal ohne Verkehrsregeln durch die Ortschaften rasen zu dürfen", sagte Kienle im ersten Zielinterview.  Es dauert nun zwar über zehn Minuten, bis sich die nächsten Athleten der Ziellinie näherten. Dafür gab es eine Sekundenentscheidung zu sehen. Marc Dülsen hatte sich in der letzten Laufrunde immer näher an den müde wirkenden Markus Rolli herangekämpft. Rolli, im Vorjahr noch Elfter, gelang es aber mit letzter Energie drei Sekunden Vorsprung über die Ziellinie zu retten. Markus Liebelt folgte auf Rang vier, Bas Diederen wurde Fünfter.

 

Philipp sieht ihre Konkurrentinnen nur beim Schwimmen

 

Zweimal sah Laura Philipp ihren direkten Konkurrentinnen Yvonne van Vlerken und Lena Berlinger. Beim Schwimmen, das van Vlerken und Berlinger noch an den Fersen von Philipp beendeten und nach dem Zieleinlauf bei der Flower-Ceremony. Dazwischen war Laura Philipp für knapp vier Stunden allein durch den Kraichgau unterwegs. Bereits nach dem ersten Raddrittel hatte sie über drei Minuten auf ihre Verfolgerinnen herausgefahren, bis ins Radziel sollte der Vorsprung auf das Duo van Vlerken/Berlinger bis auf neun Minuten angewachsen, die wiederum ebenfalls schon sieben Minuten zwischen sich und Jenny Schulz gelegt hatten.

 

Erstes Ironman 70.3-Podium für Lena Berlinger

 

An dieser Reihenfolge sollte sich auch im Halbmarathon nichts mehr ändern. Laura Philipp lief mit kontrolliertem Tempo zum ersten Sieg im Kraichgau und baute dabei ihren Vorsprung sogar noch weiter aus. Die Vorentscheidung im Duell zwischen Yvonne van Vlerken und Lena Berlinger fiel bereits auf den ersten beiden Laufrunden, als sich die Niederländerin langsam von der Mengenerin absetzen konnte. Van Vlerken wiederholte damit ihren zweiten Platz vom Vorjahr, dahinter durfte sich Lena Berlinger über ihr erstes Ironman-70.3-Podium freuen. Die 29-Jährige, die von Erfolgstrainer Wolfram Bott trainiert wird,  hatte im Vorjahr erstmals für ein Ausrufezeichen gesorgt, als sie bei der Challenge Heilbronn auf Rang drei einlief. Ihre gute Form stellte die zweimalige Siegerin des Triathlon-Cup Rhein-Neckar zuletzt mit Rang sechs beim Ironman 70.3 Mallorca unter Beweis. Hinter Jenny Schulz ging der fünfte Platz an Laura Zimmermann. 

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