Rollentraining 2.0: Sind die Tage der weißen Kellerwand Geschichte?

von Sven Weidner für tri2b.com | 09.01.2022 um 10:51
Die Starter von Roth, Frankfurt oder Klagenfurt im kommenden Jahr haben wahrscheinlich schon das Training für die neue Saison aufgenommen. Auch die Triathleten, die auf den kürzeren Distanzen unterwegs sind, erwachen so langsam aus der Off-Season. Während zwei von drei Disziplinen im Triathlon ohne Probleme auch im Winter trainiert werden können, sind viele Sportler von gutem Wetter für das Radtraining abhängig. Mountainbiker oder Querfeldeinfahrer (oder etwas hipper auch „Crosser“ genannt) werden jetzt vermutlich aufschreien, doch der durchschnittliche Triathlet ist nicht für seine Wetterbeständigkeit oder Fahrtechnik bekannt. Bleibt also nur die Rolle. Bis vor wenige Jahre bedeute Rolle fahren noch die weiße Kellerwand gefühlt für Stunden anzustarren oder die x-te Wiederholung der besten Etappen der letzten Tour de France anzuschauen. Doch spätestens seitdem Firmen wie Tacx die Möglichkeiten für das Indoortraining entdeckt haben, hat das Rollentraining einen Quantensprung in Sachen Spaß hinter sich.

Doch beginnen wir mit den Grundlagen. Was kann die Rolle nicht? Auf der Rolle werden wir niemals den Fahrtwind bzw. den Wind allgemein simulieren können. Deshalb ist es ratsam immer einen Ventilator parat zu haben, um für die nötige Kühlung zu sorgen. Darüber hinaus ist das Fahrverhalten somit niemals wirklich realistisch, denn im echten Radfahrerleben ändern sich spätestens mit der nächsten Kurve die Bedingungen. Neben dem unrealistischen Wind ist das Klettergefühl wohl das größte Manko. Wer es liebt in den Alpen Pass um Pass zu jagen, wird wohl niemals dasselbe Gefühl bei der Auffahrt zur Alpe du Zwift erleben. Das liegt schlicht und einfach, dass die Schwerkraft in Kombination mit der Neigung des Rads ganz anders in der Natur wirkt.

Was die meisten Sportler akut am meisten stört, ist vermutlich die Hitze. Während einer Einheit auf der Rolle steigen Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit bei schlecht klimatisierten Räumen beständig, was jede Ausfahrt gegen Ende in eine Reise in die Tropen verwandelt.

 

Wenn das Training zum Spiel wird

 

Von all diesen Punkten sollte man sich allerdings nicht abschrecken lassen, denn die Vorteile überwiegen ganz klar. Durch Smarttrainer, welche den Widerstand an die Fahrtstrecke anpassen, ist das Fahrgefühl deutlich realistischer als noch vor 10 Jahren. Darüber hinaus bieten die spielerischen Aspekte wie das Levelsystem, individualisierbare Ausrüstung und freischaltbare Gegenstände dafür, dass das Training zum Spielen wird. Ferner bietet die Vernetzung durch das Internet die Möglichkeit mit Freunden vor Ort oder aber auf der ganzen Welt gemeinsam virtuelle Welten zu erkunden. Somit ist das Indoortraining nicht mehr nur stumpfes Training, sondern vielmehr sozialer Interaktionsraum. Besonders interessant sind hier die aktivierbare Gummibandfunktionen, sodass auch Sportler*innen unterschiedlicher Leistungsniveaus entspannt miteinander trainieren können.

Keine Staus und keine Pannen - genaue Intensitätssteuerung


Aber auch ganz pragmatische Gründe sprechen für das Training auf der Rolle. So lässt sich die Ausfahrt viel besser zeitlich timen. Denn in Watopia gibt es keine Pannen, Ampeln oder Stau. Dementsprechend ist es viel einfacher das Training zwischen zwei Termine zu planen. Doch nicht nur die Zeit lässt sich exakter planen.

Auch die Belastung kann wattgenau reguliert werden. Endlich gibt es keine leeren Kilometer in denen man einen Berg runter rollt oder vom Orkan in Richtung Heimat geblasen wird. Am anderen Ende kann man sich so unnötigen Intensitätsspitzen sparen. Und wenn Intervalle an der Schwelle gefahren werden sollen, kann diese als Zielwert einprogrammiert werden und der Smarttrainer reguliert den Widerstand je nach Steigung und Trittfrequenz entsprechend. Darüber hinaus schaltet man Indoor einige Gefahrenquellen wie das Wetter (z.B. Glätte) und Verkehr aus, sodass ein verletzungsfreier Winter beinahe garantiert ist. Ferner ist Radtraining auf diese Weise mehr oder weniger Rund um die Uhr möglich.

Lediglich die Nachbarn in einem Mehrfamilienhaus könnten einem einen Strich durch die Rechnung machen. Doch moderne Smarttrainer sind deutlich leiser als ihre Verwandten von vor einer Dekade. Schließlich sollte man durch das Mehrtraining, dass eine Rolle im Winter ermöglicht nicht nur fitter sondern auch gesünder aus der Winterpause zu kommen. Gerade die 1-2 Kilo, die durch das regelmäßige Rollentraining gespart werden, lassen die ersten welligen Ausfahrten im Frühjahr auf der Straße zu einem Genuss werden.

>> weiter zu Teil 2: Indoor-Radtraining - Smarttrainer oder klassische Rolle – welche Hardware brauche ich? ...