Basiswissen: Die Rahmengeometrie im Triathlon- und Rennradsport

H. Eggebrecht für tri2b.com am 15.01.2011 - 00:36 Uhr

© scott-sports
Für Triathlon-Insider gehört es zum Grundwissen, die Unterschiede in der Rahmengeometrie zwischen klassischen Rennrad-Rahmen und speziellen Zeitfahr- und Triathlon-Rahmen zu kennen. Hier findet Ihr eine Gegenüberstellung der Geometrien und ihre Auswirkung auf die Fahreigenschaften am Beispiel des Scott-Straßenrahmens Addict und dem Zeitfahrrahmen Plasma (siehe Grafiken).

Rahmenhöhe:
Bei klassischen Rennrädern (Diamantrahmen mit geradem Oberrohr) wurde die Rahmenhöhe und damit die Rahmengröße über das Maß Mitte Tretlager – Mitte Oberrohr bestimmt. Für die heutzutage gängigen Sloping-Geometrien (zum Sitzrohr hin abfallendes Oberrohr) und für die sehr speziellen Rahmenformen im Zeitfahr- und Triathlonbereich haben sich die Maße Stack und Reach etabliert.

Stack (Höhe): Das Lot von der Mitte des Tretlagers bis zum oberen Ende des Steuersatzes.

Reach (Länge): Die Waagrechte vom oberen Ende des Steuersatzes bis zum Lot des Stack.

Aus den beiden Maßen kann ein Quotient gebildet werden, der unabhängig von der eigentlichen Rahmengeometrie, die Größe des Rahmens klar beschreibt und sich so gut mit anderen Rahmen vergleichen lässt.



Sitzrohrwinkel:
Triathlonrad: Steiles Sitzrohr mit ca. 76-78 Grad (teils auch noch steiler)

Rennrad Flacheres Sitzrohr mit ca. 72-75 Grad

Auswirkung/Grund: Beim klassischen Rennrad sitzt der Fahrer vergleichsweise deutlich hinter dem Tretlager. Diese Position ermöglicht insbesondere bei der Bergauffahrt im Sitzen eine bestmögliche Ausnutzung der Kraft. Bei Zeitfahr- und Triathlonrädern wird der Fahrer durch das geradere Sitzrohr sinnbildlich vom „Ausgangspunkt Tretlager“ nach vorne gedreht, um eine flachere Position des Oberkörpers zu erreichen. Die Tretbewegung erfolgt so mehr von oben. Die sogenannte „American Position“ (extrem nach vorne geschobene Sitzposition) verschlechte allerdings die Balance des Rades. Laut Reglement Radsport-Weltverbandes UCI muss das Lot der Sattelspitze mindestens 5 cm hinter der Tretlagermitte sein. Im Bereich der Triathlonverbände gibt es hier keine Beschränkung.

Oberrohr:
Triathlonrad: kürzer
Rennrad länger

Auswirkung/Grund: Durch das steilere Sitzrohr wird bei sonst identischer Geometrie das Oberrohr des Triathlonrades zwangsweise kürzer. Die kürzere Oberrohrlänge erlaubt aber auch eine kompaktere Sitzposition in der Aerohaltung auf dem Triathlonlenker. Soll ein klassisches Rennrad zum Triathlonrad mit Zeitfahrlenker getunt werden, dann muss deshalb eventuell eine nach vorne gekrümmte Sattelstütze, bzw. ein kürzerer Vorbau eingesetzt werden.

Steuerrohr:
Triathlonrad: kürzer
Rennrad länger

Auswirkung/Grund: Ein kurzes Steuerrohr ermöglicht eine möglichst tiefe Montage der Lenkereinheit und damit eine verbesserte Aerodynamik. Im Rennradsport werden bei Zeitfahrrädern teils extreme Überhöhungen (Unterschiede Stattelhöhe zu Lenkerhöhe) gefahren. Da Triathleten aber nach dem Radfahren auch noch laufen müssen bzw. im Hobbybereich auch nicht die dafür nötigen athletischen Voraussetzungen mitbringen, ist (oder sollte) dort das Setup meist deutlich weniger extrem (sein).
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