Praxisfahrtest: Lightweight VR8 und Standard III

H. Eggebrecht für tri2b.com am 28.09.2011 - 13:11 Uhr
In Teil 1 unserer Lightweight-Fahrberichte hatten wird das kompromisslose Zeitfahrset VR8 mit Disc vorgestellt. Im Teil 2 stellen wir nun Laufradkombinationen des Friedrichshafener Carbon-Spezialisten vor, die dann zum Einsatz kommen können, wenn ein Scheibenrad keinen Sinn macht oder wie beim Ironman Hawaii sogar verboten ist. So haben wir das schon bekannte VR8 Vorderrad in Verbindung mit einem Lightweight Standard III Hinterrad gefahren. Alternativ kam als Vorderrad auch die Standard-Variante zum Einsatz kommen.

Das Setup:
Das Lightweight VR-8 Vorderrad und der Standard III Laufrandsatz wurde jeweils mit Conti Competition Schlauchreifen in 22 mm Breite gefahren. Als Rad diente für die Testfahrten ein Scott Addict R2 (teils mit Aeroaufsatz). Als Bremsbeläge kamen Original-Lightweight-Beläge zum Einsatz.

Die Testfahrten:
Die Testfahrten deckten das komplette Triathlon-spezifische Training ab. Angefangen von der langen Grundlagenausfahrt bis hin zu wettkampfnahen Invallfahrten im Schwellenbereich. Als Trainingsrevier diente das Allgäuer Voralpenland und der Schwarzwald. Mit dem Standard III Laufradsatz wurde auch eine lange Pässetour in den Alpen (Dreiländer-Giro Strecke) durchgeführt.

Die Fahreindrücke:
VR8 + Standard III Hinterrad: Diese Kombination ist von der Papierform das zweitbeste erzielbare aerodynamische Setup mit Lightweight-Laufrädern - die Kombination mit Disc steht klar an erster Stelle. Wie schon im Teil 1 unserer Lightweight-Fahrberichte dargestellt, ist diese Laufradkombination vor allem dann eine Überlegung wert, wenn zu starker Wind den Einsatz einer Scheibe unmöglich macht, oder sie nicht erlaubt ist, wie beim Ironman Hawaii. Wir sind deshalb dieses Setup ganz bewusst auch bei starken Westwindlagen* gefahren, um die Seitenwindanfälligkeit der 55 mm hohen Felgen zu testen. Hier zeigte sich die Kombination als unproblematisch und gut beherrschbar. Im Vergleich zur Scheibe fehlte das bei starker seitlicher Anströmung erlebte deutliche „Segelgefühl“, dafür konnten starke Windböen im Vergleich deutlich besser kontrolliert werden. Lightweight-typisch bestätigt sich in der Praxis die in diversen Labortests immer wieder gemessenen Topwerte in punkto Seitensteifigkeit. Egal ob kraftvoller Antritt in der Ebene (Ortsschildsprint) oder maximaler Krafteinsatz im Wiegetritt am Berg – man hat immer das Gefühl jedes Watt an Trettleistung auf die Straße zu bekommen.



Standard III Vorder- und Hinterrad: Optisch verändert sich der Radaufbau bei diesen Setup nur geringfügig. Anstatt der 8 radial ausgerichteten Speichen sind es nun 16 einfach gekreuzte Carbonspeichen. Deutlich unterschiedlicher fallen hier schon die Fahreindrücke aus. Unschlagbar ist das Beschleunigungsverhalten mit dem Standard-Vorderrad. Die knapp 200 Gramm weniger Gewicht zeigen eindrucksvoll ihre Wirkung – gefühlt mit nahezu Null Kraftaufwand gelingt das Beschleunigen. Besonders an steileren Bergen, wenn zwischen Sitzen und Wiegetritt gewechselt wird, gefällt diese Eigenschaft ungemein. Gewöhnungsbedürftig war das leichte Lightweight Standard-Vorderrad allerdings bei stark böigem Seitenwind. Im Vergleich zum VR8 reagiert das Lightweight Standard durch die deutlich leichtere Felge und damit verbundenen geringeren Kreiselkräften wesentlich nervöser, wenn der Wind von der Seite kommt.

Als sehr angenehm erwiesen sich bei beiden Setups die 22 mm Conti Schlauchreifen. Im Vergleich zur in Teil 1 getesteten 19 mm-Variante ist der Komfort spürbar besser und das Fahrgefühl sicherer. Unproblematischer als erwartet erwies sich das immer wieder sprichwörtlich "heiß" diskutierte Thema: Bremsen auf Carbon-Bremsflanken, ganz egal ob im Ortsverkehr (wenn plötzlich wegen der Verkehrssituation gebremst werden musste) oder bei den Abfahrten von Hochgebirgspässen, wie z.B. am Stilfser Joch, vorausgesetzt man hat sich an das teils wenig vertrauenserweckende, aber unbedenkliche Quietschen der Bremsbeläge gewöhnt hat.

Das tri2b.com-Fazit:

Im Vergleich zur Variante mit Disc ist die Kombination Lightweight VR8 mit Standard III Hinterrad wesentlich Alltagstauglicher, bzw. es denkt das komplette Spektrum der Raddisziplin im Triathlon ab. Angefangen vom Rennen mit Windschattenfreigabe, bis hin zu Langdistanz-Wettbewerben unter möglichen extremen Windbedingungen (z.B. Ironman Hawaii), bzw. mit sehr bergigem Terrain. Für alle, die für die olympische Triathlon-Distanz mit Windschattenfreigabe das Rad für schnelle Antritte optimieren möchten oder das Leistungsgewicht für lange Bergfahrten drücken wollen, könnte auch die Standard-Vorderradvariante die erste Wahl sein. Unabhängig von der Laufradwahl ist uns ganz deutlich aufgefallen, dass sich die Fahrsicherheit bei starkem Wind und das Vertrauen in die Bremswirkung von Trainingsfahrt zu Trainingsfahrt verbesserte. Deshalb sind Angebote, sich Laufradsätze nur für den Wettkampfeinsatz zu leihen, mit Vorsicht zu genießen. Bleibt noch der Preise. Der ist Lightweight-typisch exklusiv, dafür bekommt man aber auch deutsche Wertarbeit. Im Vergleich zu anderen Komponenten am Rad, wo ebenfalls für Exklusivlösungen hohe Preise bezahlt werden müssen, hat ein aerodynamischer, leichter Laufradsatz wie kein anderes Bauteil am Rad (außer dem Rahmen oder Triathlonlenker) so direkten Einfluss auf die Leistung.

Steckbrief:
VR8-Vorderrad 1.460,00 €
-8 Speichen
-650 Gramm
-Felgenbreite 20mm/Schlauchreifen
-Felgenhöhe 53 mm
- bis 90 kg Systemgewicht (Fahrer + Rad)

Standard III Vorderrad ab 1.300,00 €
-16 bzw. 20 Speichen
-475 bzw. 500 Gramm
-Felgenbreite 19,5 mm/Schlauchreifen (als Standard C auch als Drahtreifen-Version erhältlich)
-Felgenhöhe 53 mm
- bis 100 kg Systemgewicht bei 16 Speichen (bis 120 kg bei 20 Speichen)

Standard III Hinterrad ab 1.570,00 €
- 20 bzw. 24 Speichen
-625 bzw. 640 Gramm
-Felgenbreite 19,5 mm/Schlauchreifen (als Standard C auch als Drahtreifen-Version erhältlich)
-Felgenhöhe 53 mm
-kompatibel mit Campagnolo, Shimano, SRAM
- bis 120 kg Systemgewicht

Standard III Setpreis ab 2.870,00 €
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