DATEV Challenge Roth: Frodeno knackt Raelerts Weltrekord

von René Penno für tri2b.com | 17.07.2016 um 19:30
Jan Frodeno ist der schnellste Langdistanztriathlet der Welt: Bei der 15. Ausgabe des DATEV Challenge Roth verbesserte Frodeno die seit 2011 bestehende Weltbestzeit von Andreas Raelert um 5:54 Minuten auf 7:35:39 Stunden. Auf den Plätzen zwei und drei folgten nach 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,2 km Laufen, ebenfalls unter acht Stunden, der Brite Joe Skipper (7:56:23) und der Vorjahressieger Nils Frommhold (7:57:49).

„Ich habe kapiert, warum Roth das größte Rennen ist“, sagte Jan Frodeno im Interview mit BR3. Er selbst hat nun auch seinen Teil beigesteuert, Frodeno hat sein Versprechen gehalten, er hat den Weltrekord verbessert. Auf 7:35:39 Stunden, die kaum einer für möglich gehalten hatte. Die neue Zeit ist jetzt in Stein gemeißelt.

 

Frodeno vom Start weg vorne

Für Jan Frodeno war es ein Start-Ziel-Sieg, wie er kaum eindrucksvoller sein konnte. Schon auf den ersten Schwimmmetern stellte er seine Konkurrenten vor eine Aufgabe, die sie in den nächsten siebeneinhalb Stunden nicht zu lösen vermochten. Immer größer wurde der Abstand im Main-Donau-Kanal, sein Trainingspartner Nick Kastelein und der Sieger des letzten Jahres, Nils Frommhold, fochten dahinter ihren eigenen Kampf aus, erst weiter hinten folgten alle anderen. In Zahlen ausgedrückt waren das zum Start des Radfahrens 1:27 Minuten zwischen Frodeno und dem Duo Kastelein und Frommhold; Per Bittner, Jan Raphael und Tyler Butterfield, weitere Kandidaten für die Plätze ganz weit vorn, bekamen schon 3:28 Minuten und mehr aufgebrummt. Dazwischen fanden sich noch einige eher unbekannte Namen, unter anderem auch der Nürnberger Tobias Heining, der seinen Platz in den Top Ten auch auf dem Rad verteidigte.

 

Rad weggerutscht und Auto auf Radstrecke - zweimal Schrecksekunde für Frodo

Mit den Großen der Szene konnte er aber nicht mithalten. Auf den ersten Kilometern sortierte sich das Feld neu, ganz vorne aber drehte Frodeno weiter an der Temposchraube. Auf zwei Minuten wuchs der Vorsprung gleich auf den ersten sechs Kilometern an. Und so ging es auch weiter, Sekunde um Sekunde knabberte der 34-Jährige, der wie ein Uhrwerk fuhr, seinen Verfolgern die Zeit ab. Die Verfolger, das waren Nils Frommhold, Tyler Butterfield und Nick Kastelein. Die Führung innerhalb des Trios wechselte mehrmals, am Ende stand für sie nach den 180 Radkilometern ein Rückstand von 10:56 Minuten auf Jan Frodeno zu Buche.  Der Leader hatte trotz des riesengroßen Vorsprungs zwei Schrecksekunden zu überstehen. Nach gut 120 Kilometern rutschte er auf nasser Straße weg. Kurz vor dem zweiten Wechsel bog ein Auto aus einer Seitenstraße auf den Kurs ein. Frodeno konnte ausweichen, es war nichts passiert. Zweimal Glück gehabt. 

Der Kampf um Platz zwei sollte auf der Laufstrecke ausgetragen werden. Um Platz zwei, weil Jan Frodeno einfach nicht zu besiegen war. Der erkundigte sich unterwegs nach Andreas Raelerts Zeiten bei dessen Triumph vor fünf Jahren. Flüssig, fast locker sah er aus. Die Kilometerzeiten pendelten sich bei unter vier Minuten ein. Frodeno wurde nicht langsamer. Es ging nicht mehr darum, wer gewinnt. Das stand bereits fest. Es ging nur noch um diesen Rekord.

 

Frodeno rennt zum Weltrekord, Frommhold muss noch Skipper vorbeiziehen lassen 

Was den zweiten Platz angeht: Nils Frommhold hatte sich mit zunehmender Dauer des Marathons von Nick Kastelein abgesetzt. Die Silbermedaille schien sicher. Dann kam doch noch einer. Joe Skipper war achteinhalb Minuten hinter Frommhold in den Marathon gestartet, ganz zum Ende, bei Kilometer 40, war der Engländer plötzlich in Sichtweite, einen Kilometer später war er an Frommhold vorbei. Der Berliner konnte nicht mehr kontern. Die ersten drei Plätze waren vergeben.

„Ich habe alles riskiert und alles reingelegt“, sagte Frommhold im Zielinterview. Bei Kilometer 41 überholt zu werden, das sei super bitter. „Ich wollte meinen Titel verteidigen“, so Frommhold, dessen Plan es war, länger an Frodeno dranbleiben zu können.

Dass das nicht gelang, lag nur an einem: Jan Frodeno wollte diesen Rekord und untermauerte das vom ersten Meter an. Keine Chance für Frommhold. Frodeno schwamm, fuhr und lief ihm und allen anderen davon. Die Stimmung unterwegs, vor allem am Solarer Berg sei nur mit der auf dem Hamburger Gänsemarkt bei den World-Triathlon-Series-Rennen zu vergleichen, sagte der Weltrekordler. Das trieb ihn an. Jetzt hofft er, den nächsten Start in Roth „ohne solche Ansagen mehr genießen zu können.“ Der Weltmeister hat eine neue Marke gesetzt.

Den kompletten Rennverlauf gibt´s im tri2b-Liveticker zum nachlesen ... 

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