Daniela Bleymehl: Gehpausen sind keine Schande

Harald Eggebrecht für tri2b.com | 30.04.2021 um 09:48
Daniela Bleymehl ist seit kurzem Hoka-Athletin und erzählt im Interview, wie sie ihr Lauftraining in der Schwangerschaft und beim Wiedereinstieg nach Verletzungen gestaltet. Außerdem gibt die Ironman Hawaii-Neunte von 2019 eine Einschätzung zum richtigen Einsatz von carbonverstärkten Runningschuhen ab.

tri2b.com: Wie sieht dein Lauftraining während der Schwangerschaft aus? Durch die Stoßbelastung ist Laufen ja etwas problematischer als zum Beispiel Schwimmen, Radfahren oder Skilanglauf.
Daniela Bleymehl (D.B.): Also: Noch laufe ich (lacht), aber schon von Beginn der Schwangerschaft an waren es keine langen Läufe mehr. Ich habe die Dauer Schritt für Schritt reduziert und gehe stattdessen lieber öfter laufen. Das behalte ich bei, solange es gut geht, werde hier aber nichts riskieren. Bei meiner ersten Schwangerschaft habe ich schon nach 18 Wochen mit dem Laufen aufgehört, da ich Leistenprobleme bekam und einfach unsicher war. Wenn der Körper ein Leben lang an das Laufen gewöhnt ist, dann hat man ein Gefühl dafür und kann sich an die richtige Belastung gut rantasten. Umgekehrt sollte man nicht plötzlich in der Schwangerschaft mit dem Laufen beginnen, wenn man vorher nie gelaufen ist. Das wäre sicherlich der falsche Zeitpunkt. Ich mache keine Tempoläufe mehr, sondern laufe hauptsächlich im Grundlagenbereich. Manchmal noch mit einem guten Tempo – an anderen Tagen schon mit Gehpausen. Jeder Tag ist anders. Wichtig ist, weiterhin mit guter Stabilität und Motorik zu laufen, deshalb: lieber regelmäßig, aber dafür kürzer.

Gute Ausweichmöglichkeiten sind z.B. Crosstrainer, Treppensteigen, Walken oder Aquajogging, was in der aktuellen Situation natürlich auch nicht ganz einfach ist. Als Profi habe ich den Luxus von fünf Wasserzeiten in der Woche. Diese Zeit nutze ich aktuell noch ganz normal zum Schwimmen, werde hier aber sicherlich bald auch mit Aquajoggen beginnen.

Radfahren geht tatsächlich noch ganz gut, wobei ich das meistens in den Wald abseits des öffentlichen Straßenverkehrs lege. Da ist einfach eine gewisse Unsicherheit da, der ich so aus dem Weg gehen kann. Gegen Ende der Schwangerschaft wird das Radtraining dann wohl hauptsächlich auf die Rolle verlegt werden.

tri2b.com: Die andere Frage ist, die auch viele Amateurathleten immer wieder stellen, wie sieht ein Lauftraining beim Wiedereinstieg nach einer Verletzung aus. Du hattest selbst im letzten Frühherbst eine Verletzung und hast dich für die Vorbereitung auf die PTO Championship wieder Schritt für Schritt in Laufform gebracht. Wie sieht bei dir so ein Wiedereinstieg aus?
D.B.: Es kommt natürlich darauf an, um welche Art von Verletzung es sich handelt. Bei mir waren es muskuläre Probleme – und da ich an der gleichen Stelle schon mal einen Muskelfaserriss hatte, war ich hier sehr vorsichtig. Bei Muskelverletzungen bekommt man von seinem Körper ein sehr gutes Feedback – man spürt sofort, was geht und was nicht. Bei einer Knochenverletzung stelle ich mir das etwas schwieriger vor, damit habe ich aber zum Glück noch keine Erfahrungen gemacht.

Eine pauschale Empfehlungen abzugeben, ist meiner Meinung nach generell falsch, aber ich denke, grundsätzlich könnte man versuchen, folgende Tipps zu beherzigen: Lieber öfter und dafür kürzere Einheiten machen (dies ist auch der Weg, den ich nach der Schwangerschaft einschlagen werde): Nicht gleich beim ersten Lauf eine Stunde am Stück, sondern erst einmal mit 20 Minuten starten und in den Körper reinhorchen, was möglich ist. Gegebenenfalls mit Gehpausen beginnen und dafür viel Wert auf ein gutes Warm-Up und die Nachbereitung legen. So kommt man trotzdem auf seine volle Stunde Training – überfordert den Körper aber nicht direkt bei der ersten Gelegenheit.

tri2b.com: Du bist gerade erst Hoka-Athletin geworden. Gibt es schon einen neuen Lieblingsschuh?
D.B.: Der Schuh, den ich als erstes getestet habe, war der Hoka Clifton. Ein sehr gut gedämpfter Trainingsschuh – in diesem Modell sowie im neuen Hoka  Mach 4 bin ich auch im Moment am häufigsten unterwegs. Ich habe natürlich auch Wettkampfschuhe getestet, denn in dem Bereich kann ich keine Kompromisse machen: Der Grund, warum ich mich für Hoka entschieden habe, war letztendlich der Carbon X. Getestet hatte ich die Schuhe noch vor der Schwangerschaft mit „normaler Lauf-Form“, als ich das entsprechend beurteilen konnte.

tri2b.com: Du sprichst die Carbon-Modelle an, die in der Läufer- und Triathlonszene derzeit ja heiß und auch kontrovers diskutiert werden. Du bist sicher auch schon Modelle anderer Hersteller mit carbonverstärkten Zwischensohlen gelaufen. Warum hast du dich für den Carbon X entschieden?
D.B.: Ich habe im letzten Sommer einige Modelle zum Vergleich gegeneinander getestet – zwar nicht im Labor, aber mit Zeitvergleich auf der Bahn – und was für mich das Wichtigste ist, ist das Gefühl beim Abdruck. Da war der Carbon X einfach der Schuh, der mich am meisten überzeugt und begeistert hat.

Es ist wichtig, seine gewählten Carbon-Racer auch regelmäßig im Training einzusetzen, das Ganze sollte aber dosiert erfolgen. Ich habe schon mehrfach von Athleten gehört, dass sie nur noch in Carbonschuhen gelaufen sind und dann aber doch früher oder später Probleme bekommen haben. Auch hier ist also meine Meinung: zwar regelmäßig, aber dennoch vorsichtig einsetzen.