Kona Prerace-Stimmen: Die Pros mit viel Respekt, Ironman 70.3 WM kommt nach Neuseeland

von Harald Eggebrecht für tri2b.com | 12.10.2018 um 06:36
Der frühe Donnerstagmittag ist in Kailua-Kona traditionell der Termin für die Pressekonferenz der Top-Pros. Kurz bevor die Sonne im Zenit über Bis Island steht gibt es im Luau Garden des King Kamehameha Beach Hotels einen letzten verbalen Schlagabtausch der Favoriten, bevor die finalen Stunden vor dem Start angezählt werden. Bevor es losging, gab Ironman-Chef Andrew Messick in einer feierlichen Zeremonie den Austragungsort der Ironman-70.3-WM im Jahr 2020 bekannt. Neuseeland mit dem Städtchen Taupo, die Heimat es Ironman New Zealand, bekam den Zuschlag.

Die eigentliche Szene des Tages fand schon am Eingang der Pressekonferenz statt. Sebastian Kienle und Patrick Lange begrüßten sich, umringt von einer Fotografenschar, mit einem herzlichen Handschlag. Nach den getätigten Aussagen in einem Bericht der FAZ vom Mittwoch - Der Clinch der Deutschen beim Ironman - war dies nicht unbedingt zu erwarten.

 

Daniela Ryf: "Keine Fehler machen"

 

In der Pressekonferenz selbst ging es dann ebenso harmonisch weiter. Große Kampfansagen gab es keine, vielmehr zeigte selbst die haushoch überlegene Daniela Ryf Demut vor dem Start. "Du musst vor diesem Rennen Respekt haben und darfst keine Fehler machen", so die zuletzt dreimal in Serie erfolgreiche Schweizerin. Mit Blick auf ihre wohl stärkste Widersacherin, der Britin Lucy Charles, erklärte Ryf: "Bei der Ironman-70.3-WM in Südafrika war es ein toller Fight mit Lucy. Sie forderte mich zu einem richtig harten Lauf heraus. Über ein ähnliches Duell würde ich mich auch am Samstag freuen".

 

Patrick Lange: "Will mich wieder selbst überraschen"

 

Patrick Lange machte hingegen nochmals klar, dass der Run auf den Kona-Thron nicht absehbar war, als er vor gut zwei Jahren auf die Langdistanz wechselte. "Es war ein Traum, der wahr geworden ist. Auch am Samstag will der Darmstädter eher mit geringeren Erwartungen ins Rennen gehen und sich dann gerne wieder selbst überraschen.

 

Sebastian Kienle: "Du kannst in Kona nicht dein eigenes Rennen machen"

 

Sebastian Kienle erzählte von einem Bild, dass in ihm von 2017 hängen blieb. Als er abends nach dem Rennen als Vierter auf dem Hotelbett lag und an die Decke starrte. "Was hätte ich anders machen können, hätte ich anders trainieren müssen?" Die Bilder der Niederlage waren Kienles Ansporn für das Training in der neuen Saison. Angesprochen von Moderator Paul Kaye zu seiner Renntaktik erklärte Kienle. "Du kannst hier im Profirennen nicht dein eigenes Rennen machen. Natürlich wäre es toll mit der Spitzengruppe aus dem Wasser zu kommen, 120 km auf dem Rad dann kontrolliert zu fahren, die letzten 60 km anzugreifen und dann noch einen Marathon in 2:39 zu laufen. Aber das wird nicht passieren." Der Sieger von 2014 fügte an, dass diesmal neben Lange mit Javier Gomez und Patrik Nilsson noch zwei weitere extrem starke Läufer am Start sind, die die Überbiker im Marathon wohl jagen werden.

Der von Kienle angesprochene Gomez verhielt sich Rookie-typisch sehr zurückhaltend. "Ich habe einen großen Respekt vor diesem Rennen und den Athleten, die hier starten. Ich weiß, dass ich es auf der Olympischen Distanz und der Mitteldistanz kann. Aber hier als Rookie ist es nicht einfach. Mark Allen benötigte damals viele Jahre, um endlich gewinnen zu können".

Und Sanders, für viele der Mann für den Sieg am Samstag? Der Kanadier schwelgte noch in den Erinnerungen des Zieleinlaufs vom Vorjahr. Nachdem Sanders in den Jahren zuvor in Kona schwere Demütigungen erfahren musste, sprach er verklärt von der ganz speziellen Energie, die ihn auf der Finishline durchflutete. "Patrick hätte mir dort auch in die Fresse schlagen können, ich hätte wohl gesagt, machs nochmal".

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