Unaussprechlich schnell: KYZR Elite SLR 60 Aerolaufräder im Praxistest

von Harald Eggebrecht für tri2b.com | 23.08.2019 um 13:54
Seit dem Jahr 2016 ist die Marke KYZR auf dem Laufradmarkt vertreten. Hinter dem vierbuchstabigen Zungenbrecher, der ganz einfach "Kaiser" ausgesprochen wird, steht die Berliner Firma HK Carbon-Tech GmbH und deren Gründer Stefan Hintze-Karsten. Der Berliner, der in den 90iger Jahren selbst als erfolgreicher Triathlet unterwegs war, verfolgt dabei scheinbar gegenläufige Ziele. Carbon-Aerolaufräder mit tadelloser Funktion und besten Fahreigenschaften zu einem fairen Preis sollen Triathleten und Rennradfahrer bei KZYR bekommen. Wir haben in einem mehrwöchigen Praxistest die KYZR Elite SLR 60 in der Clincher-Version (Set-Preis ab 1.038 EUR) einer echten Härteprüfung unterzogen.

 

Das ist KYZR

 

Hinter dem Bestreben von KYZR, hochwertige Carbonlaufräder zu einem unschlagbaren Preis anzubieten, steht folgende Philosophie: Direktvertrieb eines kleinen klar strukturieren Sortiments. Durch diese schlanke Organisation können Kosten eingespart und so die Verkaufspreise geringer als bei manchen Mitbewerbern gehalten werden, ohne am Produkt selbst sparen zu müssen.

So wird jedes KZYR-Laufrad in der Berliner Manufaktur per Hand aufgebaut. Die geschickten Hände von Roger Hoffmann (Leiter Fertigung) machen aus den in China hergestellten Carbonfelgen, den aus Taiwan stammenden Chosen Naben und den aus Belgien kommenden Sapim Speichen ein Laufrad, das höchsten Ansprüchen genügen soll. Auf das Label "Windkanal tested" verzichtet man bei KYZR derzeit ganz bewusst. Einerseits aus Kostengründen und der Tatsache, dass die Laufräder in der Praxis auf der Straße rollen und nicht im Labor. Getestet wird deshalb unter Mithilfe ausgewählter Athleten auf der Straße und der Radbahn.

Das KYZR-Sortiment besteht aus den drei Felgenhöhen 38, 60 und 88 Millimeter, die allesamt auch Tubeless gefahren werden können. Alle  Laufräder sind als klassische Felgenbrems-Version und als Dics-Brake-Variante erhältlich. Abgerundet wird das Sortiment durch das Elite SLR Disc Scheibenrad (ebenfalls als Rim-Brake und Disc-Brake Version erhältlich), das allerdings nur auf normalen Clincher-Reifen rollt.

Die Laufräder können als Set kombiniert oder einzeln bestellt werden. Gegen einen Aufpreis gibt´s Keramiklager und die passende Bereifung (Conti 5000 23/25 mm) und die passende Kassette (Shimano/Campa) gleich mitgeliefert.

 

Unser Test-Setup

 

Im Test sind wir die KYZR Elite SLR 60 die meiste Zeit mit Continental Grand Prix 4000 SII in der 23 mm Version gefahren. Einige Kilometer wurden auch mit dem Pirelli P Zero Velo (23 mm) getestet. Die Montage des Pirelli-Reifen ging extrem locker, der Conti Reifen etwas strammer auf die Felge, was bei einem plötzlichen Reifenschaden etwas mehr Sicherheitsreserve bietet. Gebremst wurde auf SwissStop Black Prince Belägen, die von KYZR ausdrücklich empfohlen werden und im Lieferumfang auch schon dabei sind. Die Felgen sind entsprechend auf diese Kombi hin optimiert.

 © petkobeier.de

Unser Praxistest

 

Unser unmontierter KYZR-Testsatz wurde in einem stabilen Laufradkarton angeliefert. Out of the box war der erste haptische und visuelle Eindruck: Sieht sehr sauber verarbeitet und mit den schwarzen Decails auf der mattschwarzen Carbon-Oberfläche äußerst edel aus. Gut aussehen ist schön, aber schön fahren ist noch besser, deshalb ging es mit dem Elite SLR 60 ordentlich auf Tour. Nach einigen schnellen eher flachen Hausrunden, auf denen die Laufräder mit ihrem typischen Aerowheel-Sound spürbar leicht rollten, ging es zum Härtetest ins Hochgebirge. Die Alpenpässe Umbrail, Stilfser, Mortirolo und Gavia standen im Roadbook der Touren. Dieses  hochalpine Gelände ist jetzt zwar nicht unbedingt das Haupteinsatzgebiet eines 60 mm hohen Carbon-Aerolaufrads, aber unter extremen Bedingungen sieht man nun mal am besten welche Schwachpunkte und Reserven vorhanden sind.

Bei der Seitensteifigkeit überzeugend: KYZR Elite SLR 60 Aerolaufräder - ©petkobeier.de

 

In punkto Seitensteifigkeit gab es bei den Testfahrten nix zu meckern. Auch im härtesten Wiegetritt mit maximalem Krafteinsatz an den gefürchteten Rampen des Mortirolo war kein Schleifen an den Bremsbelägen oder den Kettenstreben festzustellen. Dazu ist anzumerken, dass KYZR für die 2019er Modelle die Seitensteifigkeit um ca. 20 % verbessert hat und nun bei über 40 N/mm liegt. Das Gewicht des Satzes lag laut unserer Messungen 1.606 g, was für 60 mm Felgenhöhe ein sehr ordentlicher Wert ist. Entsprechend agil fühlte sich auch das Verhalten im Antritt an.


Nicht der Mama sagen: Auch bei 92,5 km/h fühlten sich die KYZR Wheels noch "safe" an - © Screenshot Strava

Den ultimativen Laufruhetest gab es dann auf den teils superschnellen Abfahrten. Mehrmals bewegte sich die Tachonadel über die 80 km/h Marke. Absoluter Highspeed waren sogar 92,5km/h,  Die sich dank der wirklich äußerst gering wahrnehmbaren Seitenwindanfälligkeit gar nicht so schnell und eigentlich noch ziemlich "safe" angefühlt hatten;-)  

Die rassenden Passabfahrten stellten auch höchste Anforderungen an die Bremsleistung der KYZR Wheels. Die Verzögerung war im Trockenen tadellos. Bei Nässe, an der Passhöhe des Gavia hatte uns ein eiskalter Graupel- und Regenschauer erwischt, war die Bremsperformance carbon-typisch etwas eingeschränkt. Etwas negativ ist uns bei mittlerer Bremskraft ein Ruckeln aufgefallen, das sich allerdings nach einer gewissen Einbremszeit zunehmend verflüchtigte. Viel und stark bremsen bedeutete natürlich auch eine Extrembelastung für die Carbon-Bremsflanken. Stichwort Hitzeentwicklung. Hier zeigten sich an den KYZR Elite SLR 60,  nach der Pässe-Orgie keinerlei Beschädigungen (unser Systemgewicht - Fahrer + Rad - lag bei gut 80 kg) .

 

Unser Fazit

 

KYZR zeigt mit seiner Philosophie eindrucksvoll, dass ein gut funktionierender Carbon-Aerolaufradsatz nicht unbedingt mehrere 1.000 EUR kosten muss. Die Funktion des Elite SLR 60er Satzes war während unserer teils wirklich materialfordernden Testrides auf einem sehr hohen Niveau, wobei uns vor allem die Laufruhe überzeugte. Einzig bei der Dosierung der Bremsleistung gab es durch das teils leichte Ruckeln ein bisserl was zu meckern. Durch das dezente edle Design werten die KYZR-Laufräder optisch definitiv jedes Rad auf.

Deshalb sind die Laufräder vor allem als Upgrade im Rahmen einer Materialoptimierung ein ganz heißer Tipp. Die von uns getesteten 60 mm Felgenhöhe ist ein absoluter Allrounder, mit der man auf schnellen Triathlon-Zeitfahrstrecken bis hin zu kurvigen Passstraßen bestens aufgehoben ist.  

>>Mehr zu den KYZR Aeroläufrädern unter www.kyzr.de ...

Technische Details

Hersteller KYZR
Modell Elite SLR 60 Clincher/Tubeless Ready
empf. VK Preis in EuroSatz: 1.038 € /VR: 469 € /HR: 569 €
Gewicht Vorderrad 751 g
Gewicht Hinterrad 855 g
Speichen Sapim CX-Ray Messerspeichen - vorne 20(radial), hinten 24 (2:1)
Naben Chosen Straight Pull
Freilauf wahlweise Shimano (Sram) und Campagnolo
Felgenbreite Bremsflanke 24,7 mm
Felgenbreite maximal 27,6 mm
Felgenhöhe 60 mm (VR), 60 mm (HR)
max. Fahrergewicht 100 kg (Systemgewicht 110 kg)
zusätzlich im Lieferumfang Felgenband, SwissStop Black Prince Bremsbeläge, Schnellspanner
Garantie zweijährige Herstellergarantie
Crash-Replacement Ja
Website www.kyzr.de

Bewertung

Preis/Leistungsverhältnis- +
Verarbeitung- +
Rundlauf- +
Bremsverhalten- +
Gewicht- +
Fahr- und Lenkverhalten bei Seitenwind- +
Händler/Service-Netz- +

Fotoserie: KYZR Elite SLR 60 Aerolaufräder